Was war denn da los? Documenta-Künstlerin fotografierte Fußballer des FC Bosporus

Porträts des Miteinanders

Zu Gast vor dem eigenen Porträt in der Kasseler Hauptpost: Der Kasseler Fußballer Ismet Yegül vor einem der Fotos, die die palästinensische Fotografin Ahlam Shibli beim Auswärtsspiel des FC Bosporus in der Halbzeitpause gemacht hat. Foto:  Fischer

kassel. Auf einmal war sie einfach da. Als am 5. März dieses Jahres der FC Bosporus zum Auswärtsspiel beim TSV Rothwesten zu Gast war, hatten die Bosporus-Spieler eigentlich ein ganz normales Verbandsliga-Fußballspiel erwartet. Das fand auch statt, aber eben mit einem besonderen Gast. Die aus Palästina stammende Fotografin Ahlam Shibli hatte im Rahmen ihrer Recherchen für einen Beitrag zur documenta 14 von der besonderen Zusammensetzung der Bosporus-Mannschaft erfahren. So bestand die multinationale Mannschaft in der vergangenen Saison aus Spielern mit türkischen, iranischen, lybischen, kroatischen und deutschen Wurzeln.

„Plötzlich stand sie am Spielfeld, und hat uns in englischer Sprache begrüßt“, erinnert sich der in Teheran geborene Stürmer Nima Latifiahvas an die Begegnung mit der Palästinenserin, deren fotografische documenta-Arbeit gegenwärtig in der Kasseler Hauptpost zu sehen ist (siehe auch Hintergrund).

„Sie hat uns zuerst beim Warmmachen zugeschaut und war dann vor dem Anpfiff, in der Halbzeitpause und nach dem Abpfiff des Spiels bei uns in der Kabine“, erinnert sich der gebürtige Iraner Latifiahvas.

In der Kabine entstand dann auch das Foto, dass gegenwärtig mit einer ganzen Reihe von Bildern, die sich alle mit dem Thema Migration beschäftigen, in der Hauptpost zu sehen ist.

Latifiahvas, der selbst als Siebenjähriger aus dem Iran nach Kassel gekommen ist, empfindet das Projekt als sehr angebracht: „Es gibt genug negative Schlagzeilen rund um das Thema Migration. Das Foto von uns dokumentiert auch, wie wir uns in unserer neuen Heimat zurechtgefunden haben“, sagt der 34-Jährige, der auch in der kommenden Saison für den FC Bosporus in der Gruppenliga auf Torejagd gehen wird.

Den Verein in Richtung CSC 03 verlassen wird dagegen Ismet Yegül. Für den gebürtigen Türken war die Begegnung mit der Fotografin Shibli genauso überraschend wie für Latifiahvas. „Ich wusste nichts vom Kommen der Fotografin, aber für mich war ihr Wunsch, uns zu fotografieren, absolut in Ordnung. Wenn Menschen so dargestellt werden wie wir in der Kabine, wird auch das Miteinander im Sport gezeigt. Und das ist besonders wichtig, wenn Menschen unterschiedlicher Nationalitäten aufeinandertreffen oder sogar in einer Mannschaft spielen“, sagt der 26-Jährige, der in Kassel geboren wurde, nachdem seine Eltern aus der Türkei eingewandert waren.

Der Besuch der Fotografin Ahlam Shibli konnte allerdings den Saisonverlauf für den FC Bosporus nicht positiv beeinflussen: Nach dem Abstieg spielt der multinationale Kasseler Klub nur noch in der Gruppenliga. Foto:  Schmidt/nh

Von Martin Scholz

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.