Unterschiedliche Aussagen zu Vorfällen beim Gruppenligaspiel zwischen Weidenhausen II und Türkgücü

Spielabbruch und neun Verletzte

Erregte Gemüter: Nach dem Spielabbruch bei der Gruppenliga-Partie zwischen Weidenhausen II und dem SV Türkgücü kam es auf und neben dem Platz zu tätlichen Auseinandersetzungen. In der Mitte zu sehen Türkgücüs Schlussmann Ibrahim Gül (in Gelb). Foto: Konklowsky

Kassel/Weidenhausen. Der Abbruch des Gruppenligaspiels zwischen dem SV Adler Weidenhausen II und dem SV Türkgücü Kassel erhitzt weiter die Gemüter. Nachdem Schiedsrichter Tobias Lecke (Bebra) das Duell zweier abstiegsgefährdeter Fußball-Mannschaften in der 70. Minute beim Stand von 1:0 für die Platzherren vorzeitig beendet hatte, kam es zu turbulenten Szenen. Danach lieferten sich Spieler, Ordner und Zuschauer handgreifliche Auseinandersetzungen auf und neben dem Feld (wir berichteten). Über das, was passierte, gehen die Meinungen auseinander.

Nach Augenzeugenberichten versuchten Weidenhäuser Spieler, den Unparteiischen zu schützen. Dieser hatte einem Kasseler wegen eines angeblichen Handspiels im Strafraum Rot gezeigt. Unmittelbar darauf wollte er den heftig reklamierenden Türken weitere Karten zeigen und wurde von ihnen bedrängt. Es kam zu Tumulten, als die Weidenhäuser den Unparteiischen schützen wollten. Dabei hätten Alexander Röß und Florian Grede Schläge abbekommen und sich verletzt. Wir haben bei Beteiligten sowie Funktionären und Einsatzkräften nachgefragt.

Der Polizeibericht

Nach Angaben der Einsatzkräfte eskalierte die Situation nach der Roten Karte. Der Unparteiische brach die Partie schließlich ab. Erst nach Eintreffen eines größeren Polizeiaufgebots beruhigte sich die Lage. Neun Personen erlitten Verletzungen. Drei von ihnen mussten nach Angaben der Polizei im Klinikum Werra-Meißner ambulant behandelt werden.

Die Geschehnisse werden die Polizei noch beschäftigen. „Auf uns wartet jetzt eine Menge Arbeit. Wir werden viele Zeugen vernehmen und einige Videos sichten“, sagte Polizeisprecher Jörg Künstler. Bisher sei eine Anzeige wegen Körperverletzung eingegangen.

Die Weidenhäuser

„Es ist erschreckend und beängstigend, was passiert ist“, sagte Claus Brandl, Trainer des SV Adler II, einen Tag nach der Partie. „Aber ich bin froh, dass sich meine Spieler benommen haben. Ich habe keinen von uns gesehen, der die Faust erhoben hat.“ Entsetzt zeigte sich Weidenhausens Vorsitzender Sven Schäfer. „Das ist ein dunkler Tag für den Fußball“, sagte Schäfer.

Mittlerweile kursieren Videos in den sozialen Netzwerken, auf denen die Auseinandersetzungen, die sich neben dem Spielfeld fortsetzten, zu sehen sind. „Auch auf den Videos habe ich keine Aggressivität von meinen Spielern gesehen, nur Schutzhaltungen“, sagt Brandl. „Es war schon beängstigend, wie aggressiv man sich verhalten kann.“

Der SV Türkgücü

Missverstanden und falsch zitiert fühlt sich Türkgücü-Trainer Hayri Karahan in seinen Aussagen vom Montagabend. „Ich habe drei Fehlentscheidungen des Schiedsrichters gegen uns akzeptiert“, sagt er und sieht bei seinen Spielern keine Schuld: „Als unsere Spieler gegen die Rote Karte protestierten, stürmten Spieler, Ersatzspieler und Anhänger des SVA hinzu, ohne dass der Schiri schon abgepfiffen hatte.“ Die Ordner hätten dies nicht unterbunden, und erst jetzt habe Lecke abgepfiffen, beteuert Karahan und erhebt seinerseits Vorwürfe gegen die Gastgeber: „Wir wurden vor, während und nach dem Spiel provoziert, diskriminiert und rassistisch beleidigt. Und mehr noch: „Die Ordner haben die Binden weggeschmissen und sind dann selbst aufs Feld gelaufen.“ Neben einigen seiner Spieler trug auch Karahan selbst bei den Handgreiflichkeiten eine Blessur im Nackenbereich davon.

die Offiziellen

Bedeckt halten sich Klassenleiter Horst Riemenschneider und Gebhard Neurath, Vorsitzender des Regionalsportgerichts, angesichts des schwebenden Verfahrens. Zumal ihnen der Bericht von Schiedsrichter Tobias Lecke gestern bis zum Dienstagmittag noch nicht vorlag.

Beide Funktionäre gehen aber davon aus, dass es mit großer Sicherheit zu einer mündlichen Verhandlung kommen wird. „Dann wird ermittelt und entsprechend geurteilt“, erklärte Neurath. Geldstrafen, Sperren und Punktabzüge seien möglich.

Von Manuel Kopp und Wolfgang bauscher

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