"Erschreckend und beängstigend"

Neun Verletzte nach Gruppenliga-Partie: Vereine äußern sich

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Kurz vor dem Spielabbruch: Vier Türkgücü-Spieler bedrängen Schiedsrichter Tobias Lecke, Michael Friedrich (Nummer 8) beobachtet die Situation kurz vor der Eskalation.

Weidenhausen. Neun Verletzte, das ist die traurige Bilanz nach dem Spielabbruch der Partie zwischen dem SV Adler Weidenhausen II und dem SV Türkgücü in der Fußball-Gruppenliga.

Nachdem Schiedsrichter Tobias Lecke (Bebra) das Duell zweier abstiegsgefährdeter Fußball-Mannschaften in der 70. Minute beim Stand von 1:0 für die Platzherren vorzeitig beendet hatte, kam es zu turbulenten Szenen. Danach lieferten sich Spieler, Ordner und Zuschauer handgreifliche Auseinandersetzungen auf und neben dem Feld. Über das, was passierte, gehen die Meinungen auseinander.

Aktualisiert um 18.19 Uhr

Laut Polizei kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Spielern, Ordnern und Zuschauern. Erst nach Eintreffen von mehreren Streifenwagen der Polizei beruhigte sich die Situation. Neben Prellungen durch Faustschläge, die Spieler und Zuschauer davontrugen, erlitt eine Person durch einen Bierglas-Wurf Schwellungen am Kopf.

Drei Personen mussten nach Angaben der Polizei im Klinikum Werra-Meißner ambulant behandelt werden. Nach Informationen unserer Zeitung waren darunter zwei Spieler des SVA Weidenhausen. Ein Zuschauer erlitt einen Nasenbeinbruch.

Der Polizeibericht:

Nach Angaben der Einsatzkräfte eskalierte die Situation nach der Roten Karte. Der Unparteiische brach die Partie schließlich ab. Erst nach Eintreffen eines größeren Polizeiaufgebots beruhigte sich die Lage. Neun Personen erlitten Verletzungen. Drei von ihnen mussten nach Angaben der Polizei im Klinikum Werra-Meißner ambulant behandelt werden.

Die Geschehnisse werden die Polizei noch beschäftigen. „Auf uns wartet jetzt eine Menge Arbeit. Wir werden viele Zeugen vernehmen und einige Videos sichten“, sagte Polizeisprecher Jörg Künstler. Bisher sei eine Anzeige wegen Körperverletzung eingegangen.

Die Weidenhäuser:

„Es ist erschreckend und beängstigend, was passiert ist“, sagte Claus Brandl, Trainer des SV Adler II, einen Tag nach der Partie. „Aber ich bin froh, dass sich meine Spieler benommen haben. Ich habe keinen von uns gesehen, der die Faust erhoben hat.“ Entsetzt zeigte sich Weidenhausens Vorsitzender Sven Schäfer. „Das ist ein dunkler Tag für den Fußball“, sagte Schäfer.

Mittlerweile kursieren Videos in den sozialen Netzwerken, auf denen die Auseinandersetzungen, die sich neben dem Spielfeld fortsetzten, zu sehen sind. „Auch auf den Videos habe ich keine Aggressivität von meinen Spielern gesehen, nur Schutzhaltungen“, sagt Brandl. „Es war schon beängstigend, wie aggressiv man sich verhalten kann.“

Der SV Türkgücü:

Missverstanden und falsch zitiert fühlt sich Türkgücü-Trainer Hayri Karahan in seinen Aussagen vom Montagabend. „Ich habe drei Fehlentscheidungen des Schiedsrichters gegen uns akzeptiert“, sagt er und sieht bei seinen Spielern keine Schuld: „Als unsere Spieler gegen die Rote Karte protestierten, stürmten Spieler, Ersatzspieler und Anhänger des SVA hinzu, ohne dass der Schiri schon abgepfiffen hatte.“ Die Ordner hätten dies nicht unterbunden, und erst jetzt habe Lecke abgepfiffen, beteuert Karahan und erhebt seinerseits Vorwürfe gegen die Gastgeber: „Wir wurden vor, während und nach dem Spiel provoziert, diskriminiert und rassistisch beleidigt. Und mehr noch: „Die Ordner haben die Binden weggeschmissen und sind dann selbst aufs Feld gelaufen.“ Neben einigen seiner Spieler trug auch Karahan selbst bei den Handgreiflichkeiten eine Blessur im Nackenbereich davon.

Die Offiziellen:

Bedeckt halten sich Klassenleiter Horst Riemenschneider und Gebhard Neurath, Vorsitzender des Regionalsportgerichts, angesichts des schwebenden Verfahrens. Zumal ihnen der Bericht von Schiedsrichter Tobias Lecke gestern bis zum Dienstagmittag noch nicht vorlag.

Beide Funktionäre gehen aber davon aus, dass es mit großer Sicherheit zu einer mündlichen Verhandlung kommen wird. „Dann wird ermittelt und entsprechend geurteilt“, erklärte Neurath. Geldstrafen, Sperren und Punktabzüge seien möglich.

Video zeigt Auseinandersetzung:

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