Interview: Tobias Nebe über Rücktrittsgedanken und die aktuelle Misere in seinem Klub

„Bleibe Trainer des KSV Baunatal“

Wohin geht die Reise?: Baunatals Trainer Tobias Nebe (rechts) mit seinem Co-Trainer Manuel Pforr. Foto: Fischer

baunatal. Es war ein Nebensatz während der Pressekonferenz nach der 1:2-Niederlage in Flieden, der für Wirbel gesorgt hat. Tobias Nebe, der Trainer des Fußball-Hessenligisten KSV Baunatal, sagte nach der Analyse des Spiels. „Ich bin mir meiner Verantwortung bewusst. Ich muss mir jetzt Gedanken machen, ob ich noch der richtige Mann an der Seitenlinie bin.“ Wir haben nachgefragt.

Herr Nebe, wann treten Sie als Trainer des KSV Baunatal zurück?

Tobias Nebe: Ich habe nicht vor zurückzutreten. Ich bleibe Trainer des KSV Baunatal.

Was sollte dann der berüchtigte Satz während der Pressekonferenz in Flieden?

Nebe: Klar ist, dass es bei uns nicht gut läuft. Wir sind Tabellenvorletzter der Hessenliga. In so einer Situation muss vieles infrage gestellt werden. Ich habe mich selbst infrage gestellt.

Hatten Sie die Äußerung geplant oder haben Sie spontan reagiert?

Nebe: Vor dem Spiel habe ich mich gefragt, was zu tun wäre, falls wir auch das Spiel in Flieden verlieren würden. Als dann die Pressekonferenz lief, habe ich aber emotional und spontan reagiert.

Sind Sie von irgendjemandem zu dieser Äußerung gedrängt worden?

Nebe: Nein. Ich hatte wirklich für mich gegrübelt. Auch hatte ich nicht den Eindruck, dass mich jemand loswerden wollte.

Welche Rolle spielt Hauptsponsor Gerhard Klapp in diesem Stück?

Nebe: Gar keine, ich habe ihn schon lange nicht mehr gesehen.

Und wie kam es nun zu dem Sinneswandel?

Nebe: Was heißt Sinneswandel? Ich hatte ja nicht beschlossen zurückzutreten, und ich hänge ja auch an dem KSV Baunatal und der Mannschaft. Zudem gab es gute Gespräche mit dem Fußball-Abteilungsleiter Rainer Streletz und Timo Gerhold, dem Präsidenten des Gesamtvereins. Aber was am wichtigsten ist: Ich habe das Gefühl, dass die Mannschaft mit mir als Trainer weitermachen will.

Ihre Mannschaft hat in der vergangenen Saison trotz des Abstiegs in manchen Regionalligaspielen prima mitgehalten. Haben Sie eine Erklärung für das Abrutschen an das Tabellenende der Hessenliga?

Nebe: Selbst auf die Gefahr hin, dass es nach Ausreden klingt: Wir haben Verletzungspech, und wir hatten auch in manchen Spielsituationen einfach nur Pech. Zudem leidet natürlich das Selbstbewusstsein unter den vielen Niederlagen.

War es ein Fehler, Ihren langjährigen Co-Trainer Tobias Klöppner gehen zu lassen?

Nebe: Ich hätte gern mit ihm zusammen weitergearbeitet. Aber die Entscheidung zu gehen, war schließlich Klöppis Entscheidung. Außerdem sehe ich keinen Zusammenhang zwischen Klöppis Abwesenheit und unserer jetzigen Misere.

Was wollen Sie nun verändern?

Nebe: Wir werden fünfmal statt viermal pro Woche trainieren, und in der Winterpause werden wir uns wohl auch nach neuen Spielern umsehen. Aber unser jetziger Kader hat mein vollstes Vertrauen. Ich bin ganz sicher, dass es besser wird, wenn wir wieder komplett sind.

Hauptsponsor Gerhard Klapp hatte angekündigt, den KSV Baunatal bald zur Nummer eins in Nordhessen zu machen. Kennen Sie jemanden, der daran glaubt, dass dieser Plan verwirklicht werden kann?

Nebe: Nein. Von diesem Ziel sind wir meilenweit entfernt. Wir würden uns doch lächerlich machen, wenn wir jetzt über so etwas reden würden.

Von Gerd Brehm

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