Interview mit Christoph Keim vom Hessenligisten 1. FC Schwalmstadt über Pleiten, die Restrunde und Lichtblicke

„Das wirft man nicht einfach hin“

Immer engagiert: Christoph Keim macht als Trainer vom Fußball-Hessenligisten 1. FC Schwalmstadt seine bisher schwerste Phase durch. Foto: Fischer

Ziegenhain. Es ist nicht weit hergeholt, den heimischen Fußball-Hessenligisten 1. FC Schwalmstadt als ersten Absteiger einzustufen. Zu groß erscheint der Rückstand auf die Nichtabstiegsplätze. Grund genug also für ein Interview mit Aufstiegscoach Christoph Keim.

Herr Keim, der 1. FC Schwalmstadt hat fünf Punkte aus 20 Spielen geholt. Es gibt nur einen Oberligisten in Deutschland, der noch schwächer ist. Wissen Sie welcher?

Christoph Keim: Nein, weiß ich nicht.

Der VfR Mannheim mit zwei Punkten aus 19 Spielen.

Keim: Oha, auch noch ein Traditionsverein.

Hätten Sie erwartet, dass der Sprung von der Verbandsliga so riesig ist?

Keim: Ich habe mich im Vorfeld bei einigen Trainern bereits über die Hessenliga informiert. Ich wusste, dass der Sprung groß ist. Aber das er so groß ist, hätte ich nun wirklich nicht gedacht. Fehler werden direkt gnadenlos bestraft. Egal ob es individuelle Fehler oder Aussetzer im Kollektiv sind. Zudem ist es unglaublich schwer in dieser Liga Tore zu erzielen. Die individuelle Qualität der Spieler ist schon recht hoch. Wir haben da erst langsam reingefunden.

Schon in der Saison 2012/13 verpasste der FC Schwalmstadt erst in der Relegation gegen Ederbergland den Aufstieg. Wäre das damals der bessere Zeitpunkt für einen Aufstieg gewesen?

Keim: Das würde ich nicht sagen. Vielleicht hätten wir damals eine andere Kadersituation gehabt, da Patrick Herpe womöglich dageblieben wäre. Sein Abgang schmerzt uns immer noch. Aber in der Verbandsliga haben wir auch einen Schritt nach vorne gemacht. Vielleicht hätten wir in der vergangenen Saison aber trotzdem die Hessenliga gehalten, da ja viele Mannschaften zurückgezogen haben.

Haben Sie sich während dieser Saison auch einmal selbst in Frage gestellt?

Keim: Ich habe mir sicherlich meine Gedanken gemacht. Aber ich habe hier auch zwei tolle Jahre beim FC gehabt. Das wirft man nicht einfach hin. In Frage gestellt habe ich mich nicht.

Der Abstieg ist sportlich so gut wie besiegelt. Wie motivieren Sie Ihre Mannschaft eigentlich für die Restrunde?

Keim: Wir wollen den Spaß am Fußball zurückgewinnen. Die Vorbereitung auf die Restrunde beginnt am 23. Januar. Wir fahren dann erstmal zwei Tage nach Willingen, um wieder in den Rhythmus zu kommen. In den letzten Spielen des vergangenen Jahres haben wir ja auch gesehen, was möglich ist.

Wenn Sie das Niveau der Hessenliga mit früher vergleichen: Haben sich die Hessenligisten professionalisiert?

Keim: Zuletzt habe ich ja 2003 in der Hessenliga gespielt. Aber klar: Die Teams sind schon stärker geworden. Nur die Zuschauerzahlen sind rückläufig. Es wird immer schwieriger für die Mannschaften Zuschauer zu gewinnen, das sieht man ja sogar beim KSV Hessen Kassel.

Vor der Saison holten Sie mit dem nun suspendierten Antonio Bravo Sanchez einen Spieler, der bei seinen früheren Vereinen immer mit seinen Mitspielern Probleme bekam. Warum holten Sie so einen explosiven Charakter in Ihre Mannschaft?

Keim: Ich kannte Antonio von früher, als wir noch beim KSV waren. Ich habe mir von ihm Stabilität für meine junge Mannschaft erhofft. Sportlich gesehen war seine Verpflichtung richtig. Er muss aber auch lernen, sich in ein Team einzufügen. Der Teamgeist ist gerade bei uns in Schwalmstadt überlebenswichtig. Und am Ende hat es einfach nicht mehr gepasst.

Kommen wir zum positiven: Was sind für Sie die Lichtblicke in dieser Serie?

Keim: Dass wir nach zehn Pleiten in Folge doch noch gepunktet haben, zählt für mich zu den Lichtblicken. Das war auch eine Art Bestätigung für die Jungs. Ich sehe insgesamt schon eine Weiterentwicklung der Mannschaft. Sie lernt aus Fehlern und wird dies hoffentlich in der Restrunde in noch mehr Punkte ummünzen.

Nächste Saison geht es wohl in der Verbandsliga weiter. Bleiben Sie an Bord?

Keim: Dazu kann ich noch nichts sagen. Im Februar und März laufen wohl die Gespräche mit den Spielern und dann auch mit mir. Ich kann mir schon vorstellen, hier zu bleiben. Aber eine konkrete Zusage kann ich nicht machen. Aber Schwalmstadt bleibt in jedem Fall meine erste Option.

Wie schätzen Sie generell das Umfeld für Amateurfußball in der Schwalm-Eder-Region ein?

Keim: Klar gibt es auch in der Schwalm gute Fußballer wie Benjamin Trümner (Hoffenheim) und Ingmar Merle (KSV). Aber tendenziell ist es natürlich für Vereine im ländlichen Raum schwieriger als in Ballungsgebieten. Dafür sind die Strukturen einfach zu unterschiedlich. Zudem fehlt es hier leider vielen Vereinen an Sponsoren. Da ist höherklassiger Fußball einfach nicht drin. Leider.

Von Daniel Schneider

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