Interview mit zwei Machern: Vellmars Rethemeier und Lohfeldens Becker freuen sich auf Duell am Samstag

„Ich hätte gern elf Keßebohms“

Keine Überraschung: Lohfeldens Vorsitzender Willi Becker (links) und Vellmars Abteilungsleiter Rainer Rethemeier tippen jeweils auf einen Sieg ihres Teams im Derby. Foto: Streuff

Kassel. Erst seit drei Wochen läuft die neue Saison der Fußball-Hessenliga. Aber bereits zum zweiten Mal treffen der OSC Vellmar und der FSC Lohfelden aufeinander (Samstag, 15 Uhr, Stadion am Schwimmbad). Beide gehen mit Problemen ins neuerliche Derby. Darüber und über die Beziehungen beider Vereine sprachen wir mit dem FSC-Vorsitzenden Willi Becker und Rainer Rethemeier, dem Abteilungsleiter des OSC.

Herr Becker, Herr Rethemeier, am Samstag ist Derby, aber Vorfreude mag nicht so recht aufkommen, oder?

Willi Becker: Ich freue mich immer auf ein Derby. Als alter Hermanne war ich 14 Tage vor einem Spiel gegen den BC Sport oder CSC 03 schon richtig vorbereitet. Bei den Offiziellen herrscht auch heute Derbystimmung, bei den Spielern vermisse ich sie oft.

Rainer Rethemeier: Derbys sind immer etwas Besonderes. Das war damals für mich als Aktiver so und ist auch heute als Funktionär so. Es kommen viele Zuschauer, und es herrscht tolle Atmosphäre auf dem Platz. Ich hoffe, dass dies auch bei den Spielern so ankommt. Sie kennen sich ja gut, sind untereinander befreundet und tauschen sich schon in den Netzwerken aus.

Die Voraussetzungen ihrer Teams sind nicht die besten. Dem OSC gehen die Spieler aus, der FSC ist fußballerisch noch nicht da, wo er sein will.

Rethemeier: Von unserem 19er-Kader sind noch zwölf Mann übrig, darunter zwei Torhüter. Wir sind dabei, noch den einen oder anderen aus der Zweiten auszusuchen, der helfen muss. Zudem hat sich der für die Altherren vorgesehene Benjamin Musick bereiterklärt, zu helfen. Für Neuzugänge gibt der Markt in Nordhessen nichts mehr her.

Becker: Davon lassen wir uns nicht beeindrucken. Gerade die fünf Vellmarer, die vorher bei uns waren, werden brennen. Ich bin froh, dass wir gegen Fulda zumindest einen Punkt geholt haben. Sonst wären wir neben allem Respekt auch mit großer Angst nach Vellmar gefahren.

Wie schätzen Sie die eigenen Erfolgschancen ein?

Becker: Vellmar ist Favorit. Das soll keine Tiefstapelei sein. Sie haben zwei Punkte mehr als wir, und sie haben hungrige Ex-Lohfeldener, die es uns zeigen wollen. Wir müssen gewinnen, um einen klassischen Fehlstart zu vermeiden.

Rethemeier: Es wird ein Derby auf Augenhöhe. Da ist keiner Favorit und keiner Außenseiter. Diejenigen, die auf dem Platz stehen oder reinkommen, werden alles geben. Oft sind vermeintlich schwache Aufgebote gerade die besten, wenn auch natürlich nicht auf Dauer. Wir können, anders als der FSC, auch mit einem Punkt zufrieden sein.

Was muss Vellmar tun, um den Sieg von vor drei Wochen zu wiederholen?

Rethemeier: Wir haben in Lohfelden sehr gut gespielt und dem Gegner den Schneid abgekauft. Das müssen wir wiederholen. Den Jungs, die wir einsetzen, vertraue ich voll und ganz.

Und wie will der FSC den Spieß diesmal umdrehen?

Becker: Ich erwarte von den Spielern, dass sie so ins Derby gehen, wie der Vorstand. Mit Respekt und Kampf, Kampf, Kampf. Das heißt, unser Trainer Otmar Velte müsste die Mannschaft eine halbe Stunde vor dem Anpfiff mit einem Deuser-Band einwickeln, um sie daran zu hindern, schon aufs Feld zu stürmen. Das heißt auch, die Jungs sollen nicht wie im Hinspiel Sommerfußball bieten.

Wie groß ist die Rivalität zwischen ihren Vereinen?

Becker: Das Verhältnis zu Vellmar ist in Ordnung. Meist haben wir uns gut verstanden. Für die in Vellmar geleistete Arbeit habe ich größten Respekt.

Rethemeier: Hin und wieder können auch mal böse Worte fallen wie kürzlich im Fall Zukorlic, der wegen eines Fehlers beim Wechsel gesperrt wurde. Dann muss es aber auch abgehakt sein. Wenn wir jetzt hier zusammensitzen wird klar, dass das vergessen ist. Genauso ist es mit Willi Nebe in Baunatal, der mir Tipps gegeben hat, wo wir vielleicht noch Spieler bekommen können. Wir sollten sowieso mehr miteinander arbeiten. Zum Beispiel, damit Spieler uns nicht gegeneinander ausspielen können.

Herr Becker, sie betonen, dass die ehemaligen Lohfeldener beim OSC besonders brennen werden. Ist das mit den früheren Vellmarern bei Ihnen anders?

Becker: Einen will ich nennen: Roy Keßebohm. Wären alle wie er, wäre mir vor dem Derby nicht bange. Ich hätte in Vellmar gern elf Roy Keßebohms auf dem Platz. Bei den anderen kommt das Kämpferische nicht so raus wie bei ihm.

Rethemeier: Roy ist auf dem Platz immer so. Auch wenn kein Derby ansteht. Von solchen Typen lebt der Fußball.

Von Wolfgang Bauscher und Björn Mahr

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