Porträt: Schiedsrichter Christoph Rübe pfeift künftig in der Fußball-Hessenliga

Schiedsrichter Christoph Rübe: Auf dem Weg nach oben

Bitte Abstand: Christoph Rübe, hier als Linienrichter in einem Regionalligaspiel mit dem Bahlinger Dennis Bührer, bemüht sich in seiner Rolle als Schiedsrichter um Ruhe und Sachlichkeit. Archivfoto: Fupa/nh

Kassel. „Wie ein König darf und will ich nicht auftreten. Und schon gar nicht denken, dass alle nach meiner Pfeife tanzen müssen“, sagt er. Obwohl Letzteres für einen Schiedsrichter naheliegend wäre. Aber Christoph Rübe, der sich unlängst für die Fußball-Hessenliga qualifizierte, hat andere Vorstellungen von der Schiedsrichterei.

Was aber sind die Leitbilder des 22-Jährigen? „Ein Unparteiischer muss bestimmt, aber berechenbar und ohne Selbstherrlichkeit auftreten. Er sollte Ruhe und Sachlichkeit ausstrahlen und deeskalieren“, erklärt Rübe. Es gehe „weder um eigene Belange noch um Karten oder Strafen, sondern darum, das Spiel locker über die Bühne zu bringen“.

„Manchmal ist das wie der Ritt auf der Rasierklinge.“

Christoph Rübe

Immer gelingt dies auch ihm nicht. „Ein B-Jugendlicher, den ich des Feldes verweisen wollte, hat mir mal die Rote Karte weggenommen, sie zerknittert und weggeschmissen“, erinnert sich Rübe. Gefährlich an derartigen Vorfällen findet er den damit einhergehenden Autoritätsverlust. Abgebrochen hat er die Partie nicht. Heute würde er dies tun, vermutet der Kasseler. Wenngleich er befindet: „Manchmal ist das wie der Ritt auf der Rasierklinge.“ Die Rote Karte besitzt er als Andenken heute noch.

Selbstverständlich beschäftigt er sich mit der für ihn neuen Hessenliga. „Je höher es geht, desto mehr wissen die Mannschaften über den Schiri. Also sollte ich auch sie kennen und wissen, wie ich ihnen gegenübertrete“, erklärt Rübe. Schließlich, sagt er auf für ihn ungewohnt drastische Weise, „können Spieler oder Trainer mich als 22-Jährigen auf dem Platz kaputtmachen“.

Angeblich sind Torhüter und Linksaußen im positiven Sinn verrückt. Gilt dies auch für Schiedsrichter, die für viele als Buhmann herhalten müssen? „Ja, wir benötigen schon eine kleine Vorliebe für Verrücktes“, räumt Rübe ein. Doch es herrsche auch Normalität: „Für Außenstehende kaum sichtbar gibt es bei uns Schiedsrichtern eine starke Gemeinschaft und großen Zusammenhalt.“

Rübes Entschluss zu pfeifen, entsprang seinem Gerechtigkeitssinn. „Als ich in der Jugend noch selbst spielte, habe ich mich über Fehlentscheidungen geärgert und gedacht, das will ich besser machen.“ Und er macht es so gut, dass er früh in der Hessenliga ist.

Wohin ihn sein Ehrgeiz noch führen könnte? „Der Weg ist schwer. Nach oben hin wird es immer enger. Salopp gesagt habe ich mir vorgenommen, nicht aufzuhören, ehe ich nicht einmal mit einem Headset auf den Platz gegangen bin. Das gibt es ab der 2. Bundesliga.“

Von Wolfgang Bauscher

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