Autor des Stadtallendorfer Fußballmärchens, Dragan Sicaja, im HNA-Interview

Rückkehr an Bieberer Berg

Seine Glückwünsche stehen noch aus: Zeljko Buvac (l.), derzeit mit Jürgen Klopp in Liverpool beschäftigt, während sein langjähriger Weggefährte Dragan Sicaja (r.) in heimischen Fußballgefilden für reichlich Furore sorgt. Foto: Kasiewicz

Stadtallendorf. Was für ein Triumph! Für Eintracht Stadtallendorf und, noch mehr, für Trainer Dragan Sicaja. Der Mann, der als Spieler die goldenen Jahre des SC Neukirchen in der Regional- und Oberliga unter anderem unter dem heutigen Liverpooler Coach Zeljko Buvac mitprägte. Der als Spielertrainer den 1. FC Schwalmstadt in die Oberliga führte. Und nun in der Nachbarschaft mit dem Aufstieg in die Hessenliga für einen sportlichen Paukenschlag sorgte. Im HNA-Interview gibt der 50-jährige A-Lizenz-Inhaber, der in Schwalmstadt wohnt und arbeitet, einen Einblick in diese einmalige Erfolgsgeschichte.

Dragan Sicaja, hat Ihnen Zeljko Buvac schon zum Aufstieg gratuliert?

Dragan Sicaja: Bis jetzt noch nicht, hoffe, dass er in England noch davon erfährt.

Gab es viele Gratulanten?

Sicaja: Klar, viele Kollegen haben angerufen. Etwa Ede Wolf und Niko Semlitsch, die mich noch trainiert haben. Auch die Konkurrenten aus der Hessenliga haben sich gemeldet. Das zeigt den gegenseitigen Respekt.

Nach Ihrer Rückkehr zu Eintracht Stadtallendorf haben Sie die Mannschaft vor dem Abstieg aus der Hessenliga gerettet und nun fünf Jahre später in die Regionalliga geführt. Wie war das möglich?

Sicaja: Das ist schon wie ein Märchen. Ich habe damals eine charakterlich schwierige Mannschaft übernommen. Vor drei Jahren haben wir einen Schnitt gemacht, uns entschieden, vornehmlich mit jungen, Spielern zu arbeiten. Das hätte auch schief gehen können. Doch die Mannschaft hat sich stetig gesteigert, ist erst Achter und in der letzten Saison Fünfter geworden.

Wann im Laufe der abgelaufenen Saison haben Sie gespürt, dass mit dieser Mannschaft etwas Großes möglich, was gar nicht auf der Agenda stand?

Sicaja: Der Aufstieg war in der Tat kein Saisonziel. Doch spätestens seit dem zehnten Spieltag war klar, dass wir eine Chance hatten, unter den ersten Zwei zu landen. Das hat niemand von uns verlangt, doch dieses Ziel haben wir uns selbst gesetzt. Ich habe den Jungs von meinem Traum erzählt, als Trainer an den Bieberer Berg oder ins Auestadion zurückzukehren und so versucht, ihnen den Reiz dieser Fußballwelt nahe zu bringen. Kann sein, dass diese Geschichten von damals die Jungs noch zusätzlich motiviert haben.

Was sind die Gründe, dass es schließlich geklappt hat?

Sicaja: Wir haben auf Kontinuität gesetzt und das hat sich ausgezahlt. Die jungen Spieler sind schlauer geworden, haben weniger Fehler gemacht, sich taktisch weiter entwickelt. Dazu kamen zwei gezielte Verstärkungen: Hrvoje Vincek, ein Torwart mit enormer Ausstrahlung und Daniel Vier, der gleich zur erhofften Führungspersönlichkeit wurde. Weiter haben wir ein zusammengeschweißtes Team, in dem jeder bereit ist, für den anderen das letzte Hemd zu geben. Wir sind vielleicht nicht die spielerisch beste Mannschaft der Hessenliga, aber, was die Spielermentalität angeht, nicht zu schlagen.

Gab‘s einzelne Spieler, die in dieser Saison über sich hinausgewachsen sind?

Sicaja: Da gibt‘s einige Beispiele. Kristian Gaudermann kam vom Verbandligisten VfB Gießen und spielte bei uns mit seinen 20 Jahren eine überragende Serie. Erdinc Solak ist nach einigen Seuchenjahren bei uns im Sturm richtig aufgeblüht. Und natürlich unser Kapitän Kevin Vidakovic. Den habe ich vor sieben Jahren geholt, als er noch ein wilder Junge war. Mittlerweile ist er zum Vorbild, zur Identifikationsfigur für Mannschaft und Verein geworden.

„Was die Spielermentalität angeht, sind wir nicht zu schlagen.“

Dragan Sicaja

Meister Dreieich wagt das Abenteuer Regionalliga, die ja nicht den besten Ruf hat, nicht. Die Eintracht schon. Kurzzeitig auch mal über einen Aufstiegsverzicht nachgedacht?

Sicaja: Nein, nie. Ich wollte vom Verein frühzeitig das Bekenntnis zur Regionalliga und das habe ich bekommen. Für Mannschaft, Verein und Trainer ist die Regionalliga eine tolle Herausforderung, eine einmalige Geschichte, über die bestimmt noch lange gesprochen wird.

Wie damals beim SC Neukirchen?

Sicaja: Ja, durchaus vergleichbar.

Wie sind die personellen Planungen für die nächste Saison? Welche Verstärkungen sind nötig, um in der Regionalliga zu bestehen?

Sicaja: Wir werden weiter unseren eigenen Weg gehen und keine verrückten Dinge machen. Wir brauchen einen breiten Kader, um den zusätzlichen Aufwand bewältigen zu können, und dazu vier bis fünf Verstärkungen, die uns wirklich besser machen.

Welche Rolle könnte dabei Neuzugang Steven Preuß aus Schwalmstadt spielen?

Sicaja: Er bringt alles mit, um bei uns den Durchbruch zu schaffen. Er hat überragende physische Fähigkeiten, ist ruhig am Ball und verfügt über ein gutes Kopfballspiel. Nun liegt‘s an ihm.

Sie haben ihren alten Kumpel Ante Markesic in Ihren Trainerstab geholt? Warum?

Sicaja: Wir bewegen uns in der Regionalliga in einer anderen Welt. Da brauche ich einen Fachmann, mit dem ich auf einer Wellenlänge bin und mit dem ich mich austauschen kann. Vier Augen sehen mehr als zwei.

Was sind Ihre Ziele für die Regionalliga?

Sicaja: Natürlich der Klassenerhalt. Keine leichte Aufgabe, denn wir sind eine von vier bis fünf Mannschaften, die auf Amateurbasis spielt. Doch wenn wir weiter als echtes Team agieren und gierig sind, kann das klappen.

Von Ralf Ohm

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