Baunataler Fußballer scheidet schwer verletzt aus – Team siegt für Jonas Springer

Statt Jubel nur Mitgefühl

Redebedarf: Baunatals Ingmar Merle (rechts) und Kelsterbachs Jassem Imsameh. Foto: Schachtschneider

Baunatal. Wenn sich Fußballer wie auf Kommando die Hand vors Gesicht halten. Wenn sie sich geschockt abwenden und danach die Verantwortlichen an der Außenlinie lautstark auffordern, sofort einen Rettungswagen zu rufen – dann ist klar: Hier ist einem ihrer Kollegen Schlimmes passiert.

Beim Heimspiel des Fußball-Hessenligisten KSV Baunatal gegen Viktoria Kelsterbach verletzte sich der eingewechselte Jonas Springer in der 85. Minute so schwer, dass sich über den 4:2 (0:1)-Sieg der Gastgeber am Ende kein Baunataler auch nur ein bisschen freuen konnte.

Wurde noch am gleichen Tag operiert: Jonas Springer

Noch am Abend wurde der 21-Jährige von Unfallchirurg Dr. Marcus Siebert im Kasseler Rote Kreuz Krankenhaus operiert. „Die OP ist gut verlaufen. Wir sind den dortigen Mitarbeitern dankbar, dass Jonas so schnell behandelt wurde“, teilt KSV-Trainer Tobias Nebe mit, der zusammen mit Vater Willi Nebe dem verletzten Schützling am Sonntag einen Besuch am Krankenbett abstattete.

Springer hat einen Wadenbeinbruch und etliche Bänderrisse erlitten, aber Knöchel und Schienbein – und das ist eine gute Nachricht – haben keine Schäden davongetragen. „Das war definitiv nicht Jonas’ Karriereende“, konnte Nebe am Tag danach wieder durchaus zuversichtlich erklären.

Der Blick zurück.

Der schlimme Moment

Nachdem die Platzherren in der 80. Minute durch einen sagenhaften Distanzschuss von Ingmar Merle den neuerlichen Ausgleich geschafft haben, wollen sie die Partie endgültig drehen. Nahe der Mittellinie kommt es zu einem Pressschlag zwischen Springer und einem Gegenspieler. „Er wollte das Leder wegspitzeln“, berichtete Tobias Nebe, nachdem er mit Springer über die Szene gesprochen hatte. Doch es kommt zum Zusammenprall. Springer macht einen gewaltigen Satz, ehe er wieder auf dem Boden aufkommt. „Er dachte erst, es sei nicht so schlimm, doch dann habe er gesehen, wie sein Fuß abstand.“

Die Zeit danach

In Gedanken bei ihrem verletzten Mitspieler: Die Fußballer des KSV Baunatal machten in der Kabine ein Foto mit dem Trikot von Jonas Springer (kleines Bild). Fotos: privat/Malmus

Schiedsrichter Patrick Haustein aus Buseck unterbricht für einige Minuten die Partie. Ordner öffnen eines der großen Stadiontore, durch das kurz darauf der Rettungswagen den Innenraum erreicht. Es herrscht eine gespenstische Stimmung – auf dem Feld und auch auf den Rängen. Ein Team unter Schock. „Mir ist kurzzeitig schlecht geworden“, berichtet Baunatals Stürmer Manuel Pforr später.

Es entsteht eine skurrile Situation: Springer wird neben dem Feld im Rettungsfahrzeug behandelt, und der Unparteiische bittet die Akteure wieder auf den Rasen. Die Baunataler bilden einen Kreis. Manuel Pforr erklärt nachher: „Wir haben uns gesagt: Jetzt geben wir noch mal fünf Minuten Vollgas – für Jonas.“ Aus einem 2:2 macht der KSV ein 4:2 – Pforr trifft doppelt. Auf den Jubel wird komplett verzichtet.

In Gedanken sind die Baunataler nur beim Neuzugang aus Vellmar. Zusammen mit den Teamkameraden machen sie später ein Foto in der Kabine. Springer hat gerade erst eine Ausbildung zum Industriekaufmann begonnen, am kommenden Freitag wird er 22 Jahre alt. „Wir hätten heute lieber verloren“, betont Ingmar Merle, „sofern alle unsere Spieler gesund geblieben wären.“

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.