Fußball-Hessenliga: FC Ederbergland ist nach 0:5 in Steinbach kaum noch zu retten

„Wir sind wohl weg“

Zweikampf in der Luft: Carlos Arsenio Sabino (FC Ederbergland, links) im Kopfballduell mit Steinbachs Masih Saighani. Foto: bf

Steinbach. „Wunder gibt es immer wieder“ - mit diesem Titel sicherte sich Katja Ebstein 1970 den dritten Rang beim „Eurovision Song Contest“. 45 Jahre später zitieren Spieler und Trainer des Fußball-Hessenligisten FC Ederbergland den Liedtext. An eine praktische Umsetzung des „Wunders Klassenerhalt“, mag beim FCE aber nach der 0:5-Pleite bei Tabellenführer TSV Steinbach niemand mehr wirklich glauben.

„In den ausstehenden drei Partien acht Zähler gegenüber den Konkurrenten Oberrad und Griesheim aufzuholen wird nicht funktionieren“, präsentierte sich FCE-Coach Vladi Kovacevic als Realist. „Das Ding ist durch, wir sind wohl weg“, hatten auch die Spieler Dominik Karge und Carlos Arsenio nach dem Schlusspfiff aufgegeben.

Während einige Akteure der Gäste nach dem Abpfiff mit ihrem Ex-Trainer Harry Preuss vor dem Steinbacher Sportheim saßen und die Partie diskutierten, hatte Kovacevic zehn Meter entfernt davon mächtig zu kauen. Was sich eine Stunde lang als eine der besten und diszipliniertesten Saisonleistungen des FC Ederbergland entpuppte, endete letztlich in einem fürchterlichen Debakel.

Die über 500 Zuschauer, darunter „Kicker“-Chefredakteur Jörg Jakob, staunten nicht schlecht darüber, wie der FCE zunächst auftrat. Vladi Kovacevic hatte den Gegner in der Spielvorbereitung förmlich seziert. Seiner Taktik nach sollten die Außenverteidiger Marco Kovacevic und Tim Biesenthal von hinten heraus über die Außenbahnen die Angriffe anschieben und ein defensiv orientiertes und extrem laufbereites Fünfer-Mittelfeld die Räume für den Ligaprimus verdichten.

Die Taktik ging über weite Strecken auf. Der FCE besaß durch Dominik Karge (32.) und Stoßstürmer Felix Nolte (40.) sogar die Chancen zur nicht unverdienten Führung. Der Spitzenreiter bekam überhaupt kein Tempo in sein Spiel. „Der Gegner hat das richtig gut gemacht. Wir brauchten einfach den Dosenöffner des 1:0 und dann ging die Post ab“, wusste Ex-Profi Peter Cestonaro auf der Bank des Tabellenführers.

„Ich hatte extra vor den Standardsituationen der Steinbacher gewarnt“, ärgerte sich Vladi Kovacevic und auch Dominik Karge betonte, „dass wir eigentlich eine klare Zuteilung bekamen“. Es half nichts. Patrick Diehl köpfte nach exakt einer Stunde völlig blank stehend Pierre Bellinghausens Ecke ein. Sofort begann die Show des designierten Regionalligisten. Während Kovacevic Ahmet Marankoz, Manuel Todt und Iori Shintani brachte und damit in Verbindung mit Felix Nolte gleich vier Mittelstürmer aufbot, spielte Steinbach groß auf. Der FCE kam nun immer einen Schritt zu spät. Die Köpfe der Gäste gingen nach unten und die taktische Disziplin völlig über Bord. Johannes Burk (71./75.), Hüsni Tahiri (79.) und der überragende Ex-Marburger Masih Saighani (87.) schraubten das Ergebnis auf 5:0.

„Abstieg ein Betriebsunfall“

„Wir verpassen die Führung und ein Fehler bringt dann alles zum Kippen“, erklärte Carlos Arsenio, und Dominik Karge wusste: „Die Steinbacher haben eine brutale Qualität“. Horst Kziuk, der sportliche Leiter des FC Ederbergland, grämte sich nicht. Obwohl seine Mannschaft in vielen Partien der laufenden Saison durchgängiges Hessenliga-Niveau vermissen ließ, betonte er, „dass unser Abstieg ein Betriebsunfall ist, weil wir eigentlich einen Kader haben, der zumindest für einen Platz im unteren Tabellenmittelfeld gut ist. Wir planten ohnehin zweigleisig und wollen jetzt eben direkt wieder aufsteigen“.

Der FC Ederbergland dagegen hat 45 Jahre nach dem „Grand-Prix“ von Amsterdam den Glauben an Wunder verloren. Was Katja Ebstein damals versprach, das hat der TSV Steinbach wohl endgültig zerstört.

Von Rainer Maaß

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