Nicht nur Mädchen für alles: Jessica Müller (Lohfelden) und Nadine Sandrock (Vellmar)

Die zwei Unentbehrlichen

Sie schmeißen den Laden: Jessica Müller vom FSC Lohfelden (links) und Nadine Sandrock vom OSC Vellmar arbeiten mit vollem Einsatz und ganzem Herzen für ihre Mannschaften. Foto: Fischer

Kassel. Ohne sie geht fast nichts. Mit Einsatz und Kompetenz haben sich Nadine Sandrock bei den Fußballern des OSC Vellmar und Jessica Müller beim FSC Lohfelden unentbehrlich gemacht. Sie organisieren fast alles, was bei beiden Mannschaften anfällt und noch einiges mehr. Auch vor dem Derby, mit dem beide Klubs am Samstag in die Hessenliga-Saison starten.

Kein Wunder, dass ihnen hier wie dort das Etikett „Mädchen für alles“ anhaftet. Welches sie nur widerwillig akzeptieren. „Ein doofer Begriff“, findet Sandrock. Sie ist stellvertretende Abteilungsleiterin und Koordinatorin Senioren, während Müller offiziell Teammanagerin ist. So oder so betreiben sie ihr Ehrenamt mit hohem Aufwand. Wie aber sind sie zum Fußball geraten, der noch immer weitgehend als Männerdomäne gilt? „Über meinen Papa Holger bin ich 2006 zur Reserve des KSV Hessen gekommen“, sagt Sandrock, die über die Zwischenstation Lohfelden zum OSC kam. Ähnlich war es bei Müller: „Ich bin mit Fußball groß geworden. Mein Vater Matthias hat mich immer mit auf den Platz genommen.“

Nie in Ämter gedrängt

In ihre Ämter gedrängt haben sich beide nie. Stattdessen wurden sie von den Vereinen angesprochen. „Ich bin ja schon mit 20 hineingeraten, habe aber schnell gelernt, mich durchzusetzen. Man muss seine Linie fahren und auch mal hart bleiben“, sagt Sandrock. „Geduld und Durchsetzungsvermögen sowie die Liebe zum Fußball“ seien im Amt „unverzichtbare Eigenschaften“, betont Müller. Einen Lieblingsspieler im Team hat sie ebenso wenig wie Sandrock: „Das sind alles meine Jungs. Da kommt das Mutti-Gen durch. Ich genieße es, dafür zu sorgen, dass ihnen nichts fehlt.“

Passt ihr etwas nicht, zeigt sie klare Kante. „Ich kann auch deutlich werden. Dann bekommen die Spieler eine Menge zu hören“, beteuert Müller. Nötig sei das selten: „Die Jungs sind ruhiger, wenn eine Frau dabei ist.“ Akzeptanzprobleme verspürten beide nie. Womöglich auch deshalb, weil sie in viele Richtungen denken. „Frauen haben vielleicht einen besseren Blick für die Optik“, sagt Müller, „einen Torhüter, der angezogen ist wie ein Clown, wird es beim FSC nicht geben“. Außerdem, erklärt Sandrock, liege „Frauen das Organisieren wohl besser als Männern“.

Beide Frauen sind Fans des BVB und natürlich ihrer eigenen Mannschaft. „Ich fiebere mit und bin nach den Spielen so fertig, als hätte ich mitgemacht“, sagt Sandrock und Müller ergänzt: „Da sind viele Emotionen mit dabei. Egal ob im Nordhessenstadion oder im Signal-Iduna-Park.“

Von Wolfgang Bauscher

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