Hessischer Fußball-Verband beschließt Empfehlungen für außerordentlichen Verbandstag

Aufstiegshoffnung für Tabellenzweite:  Quotientenregel soll erweitert werden

Fußball, Herren, Kreisliga B, Kreis Waldeck, Saison 2019/2020, Spiel in Nieder-Waroldern am 29.09.2019, Tore 4:0, Nieder-Waroldern in roten Trikot.Torjubel ...Wladimir Bolt (blau 4), Lukas Florian Deparade (rot 15), Marcel Rennert (rot 16).DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video.
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Glückwunsch: Der B-Liga-Zweite SG Nieder-Waroldern/Landau um Florian Deparade (links) und Marcel Rennert kann nachträglich wohl doch über den Aufstieg jubeln. Es fehlt nach der Empfehlung des HFV-Vorstandes nur noch das Ja beim Verbandstag am 20. Juni.

Es kommt wohl fast alles so wie bereits erarbeitet: Der Vorstand des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV) hat sich in Sachen Ende und Wertung der Amateurfußball-Saison weitgehend für die Lösung ausgesprochen, die auch die Mehrheit der Vereine und Kreise befürwortet.

Das ist das Resultat der Sitzung an diesem Samstag. In einem Punkt gibt es nun eine klarere Richtung – was vor allem die Clubs freut, die sich als Tabellenzweiter auf Kreisebene bzw. potenzieller Relegationsteilnehmer in höheren Ligen um ihre Aufstiegschance betrogen sahen: Der HFV-Verbandsvorstand empfiehlt für die Abstimmung beim Außerordentlicher Verbandstag am 20. Juni, dass bei der Festlegung von weiteren Aufsteigern hinter dem Meister ebenfalls die Quotientenregel angewendet wird.

Diese Variante stand bei der Videokonferenz der Fußballkreise noch nicht zur Debatte und wurde auf Landesebene bisher kontrovers und mit größerer Bandbreite an Meinungen diskutiert. Nun spricht der HFV die Empfehlung aus, die Delegierten mögen mit Ja stimmen in diesem Punkt. 

Bereits Grund zur Freude in der Kausa hatte Hessen Kassel, dem Hessenliga-Zweiten wurde mit der Quotientenregel als Grundlage der Aufstieg in die Regionalliga genehmigt (WLZ berichtete).

"Es war klar, dass es keine eierlegende Wollmilchsau geben kann. Aber diese Lösung kommt ihr am nahesten", sagte Kreisfußballwart Gottfried Henkelmann im Anschluss an die HFV-Sitzung gegenüber der WLZ. Der Ehringer sieht in den Empfehlungen die fairste Lösung und geht stark davon aus, dass die neun Waldecker Delegierten dieser beim Verbandstag ihre Stimme geben.

"Würde man dort, wo es Aufstiegsrunden geben sollte, alle Releganten aufsteigen lassen, wie es einzelne Vertreter vorgeschlagen hatten, würden die Ligen einfach zu groß werden", ergänzt Henkelmann und zeigte sich einmal mehr erfreut, dass im Kreis Waldeck die zusätzlichen Aufsteiger in den Kreisligen keinen großen Umstand bedeuten, da die Spielklassen zahlenmäßig nicht aus dem Rahmen fallen.

Ebenfalls amtlich werden beim außerordentlichen Verbandstag soll, dass die Saison 2019/2020 zum 30. Juni 2020 beendet wird und die Wertung mit Hilfe der Quotienten-Regelung mit Aufsteigern gemäß des Tabellenstandes, aber ohne Absteiger erfolgen soll. Diese Empfehlung fiel einstimmig aus, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung des HFV.

84 Prozent sagten JA

Rund 84 Prozent der Teilnehmer an der HFV-Vorstandssitzung sprachen für die Ergänzung aus, auch den Aufstieg der Teilnehmer von Relegations- und Aufstiegsspielen nach der Quotientenregel zu ermitteln. Dabei soll nicht zwischen Aufstiegsspielen und Relegationsspielen unterschieden werden. In beiden Bereichen sollen entsprechend dem Spielgeschehen die jeweiligen Aufsteiger ebenfalls unter Anwendung der Quotientenregel ermittelt werden, um keine unterschiedliche Behandlung auf Kreis- und Verbandsebene vorzunehmen.

Dies betrifft vor allem die höheren Spielklassen oberhalb der Kreise. Dort müssten dann, wenn der Verbandstag sein Okay zu dieser Verfahrensweise gibt, die Tabellenzweiten verschiedener Kreise und Regionen verglichen werden, um zum Beispiel einen weiteren Aufsteiger in Gruppen- oder Verbandsliga zu ermitteln.

Präsident Stefan Reuß: "Rechtlich abgesichert"

„Im Zuge der zahlreichen Diskussionen bezüglich des Themas mit dem Umgang der Saison 2019/2020 und den daraus resultierenden Aufsteigern wollten wir stets eine Lösung im Sinne der Mehrzahl unserer Vereine finden. Mit der heute beschlossenen Empfehlung haben wir eine solche gefunden, die zugleich auch rechtlich abgesichert worden ist. Dass wir nicht hundertprozentige Zustimmung ernten werden, ist uns natürlich klar und auch nicht zu erwarten. Die Herausforderung der folgenden Saison gehen wir mit kreativem Denken und voller Optimismus an“, erklärten HFV-Präsident Stefan Reuß und Vizepräsident Torsten Becker.

Sollte sich der Verbandstag für die Beendigung der Spielzeit zum 30.06.2020 aussprechen, soll anschließend noch über die Folgeregelungen im Herren- und Frauenbereich abgestimmt werden (also zum Beispiel die Auf- und Abstiegsregelung) sowie über dazu eventuell notwendige Änderungen der Spielordnung HFV und anderer Gesetzesgrundlagen.

Drei Beschlussvarianten stehen zur Abstimmung

Folgende Beschlussvarianten sollten auf Grundlage der bisherigen Empfehlungen und Erörterungen unter diesem Punkt zur Abstimmung gestellt werden, wobei der Verbandsvorstand den Delegierten empfiehlt, für die Beschlussvariante C zu stimmen.

Beschlussvariante A: Abschlusstabelle nach Quotientenregel - direkte Aufsteiger und Absteiger - keine Auf- und Absteiger aus Relegations- und Aufstiegsspielen

Beschlussvariante B: Abschlusstabelle nach Quotientenregel - direkte Aufsteiger - keine Absteiger, ausgenommen Ausscheiden, freiwilliger Abstieg und Rückzug - keine Auf- und Absteiger aus Relegations- und Aufstiegsspielen.

Beschlussvariante C: Abschlusstabelle nach Quotientenregel - direkte Aufsteiger - keine Absteiger, ausgenommen Ausscheiden, freiwilliger Abstieg und Rückzug - Aufsteiger aus Relegations- und Aufstiegsspielen nach Quotientenregel

Dass der Außerordentliche Verbandstag am Samstag, 20 Juni, stattfindet, hatte der HFV am Tag zuvor festgelegt. Auch der 13. Juni war zunächst als möglicher Termin genannt worden.

Die Delegierten können an der Versammlung in Grünberg durch eigene Präsenz, aber auch per Videoschaltung teilnehmen.

Drei zusätzliche Aufsteiger in Waldeck

Was bedeutet all das für den Fußballkreis Waldeck? Dass es in den Kreisligen einen Aufsteiger zusätzlich gibt. Ein Quotientenvergleich mit dem klassenhöheren Kontrahenten auf dem Relegationsplatz entfällt, da es ja keine Absteiger geben soll. Wohl aber Aufsteiger.

In der A-Liga darf der Tabellenzweite TuSpo Mengeringhausen II in die Kreisoberliga aufrücken, aus der B-Klasse kann auch die SG Niederwaroldern/Landau aufsteigen, was sie sicher freuen wird. Denn das Team war nur einen Wimpernschlag schlechtern als Blau-Gelb Korbach II.

Grund zur Freude:  Auch der TuS Massenhausen um Elmedin Baftijari (rechts) darf wohl doch in die B-Liga aufsteigen.

In der Kreisliga C erfüllen sich die Hoffnungen des TuS Massenhausen. Der Tabellenführer liegt nach Quotientenwertung 0,042 Punkte hinter dem SV Hillershausen (2 Spiele weniger ausgetragen). Die Massenhäuser hatten sich sehr engagiert, um nicht als Verlierer des Corona-Abbruchs dazustehen. Zuletzt waren sie sogar einem hessenweiten Aktionsbündnis beigetreten, dessen Forderung, die Zweitplatzierten aufsteigen zu lassen, rund 50 Vereine unterzeichnet haben.

Auch ihr Aufschrei wurde nun offenbar vom HFV erhört bzw. ins Kalkül aufgenommen. 

Keine Saison 2020/21 in Bayern

EInen ganz anderen Weg geht hingegen Bayern: Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) hat sich festgelegt: Wegen der Corona-Pandemie wird es im Erwachsenenbereich keine Fußball-Saison 2020/21 geben. Stattdessen wird die laufende Saison bis ins kommende Jahr verlängert und zu Ende gespielt.

Wie der BFV mitteilte, ist eingesetzte Lösungs-Arbeitsgruppe (LAG) Spielbetrieb Liga und Pokal Erwachsene „einstimmig zu der Entscheidung gelangt, dass die Saison 2020/21 bei Herren und Frauen aufgrund zeitlicher Gründe und fehlender Spieltermine nicht stattfinden kann.“

In der LAG sind sind BFV-Spielleiter und mehr als 30 Vereinsvertreter aller Spielklassen Die Arbeitsgruppe hat zudem angeregt, die laufende Saison 2019/20 bis zum 30. Juni 2021 zu verlängern. Der BFV-Vorstand habe diesen Vorschlag bereits bestätigt. Die Vereine selbst hatten sich schon im April in einer vom BFV initiierten Umfrage für eine Fortsetzung der aktuellen Saison ausgesprochen. (red/schä)

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