HFV-Präsident über die Entscheidungen zur Fußball-Saison

Stefan Reuß im Interview: „Große Erleichterung zu spüren“

Stefan Reuß Landrat Werra-Meißner-Kreis Schlosspark Eschwege
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Der HFV-Präsident in seinem "Erstjob": Stefan Reuß als Landrat des Werra-Meißner-Kreises im  Schlosspark Eschwege.

Nach der wegweisenden Vorstandssitzung des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV) mit der einstimmigen Empfehlung des vorzeitigen Saisonendes der hessischen Amateurligen gibt HFV-Präsident Stefan Reuß Einblicke in seine Ansichten zur Zukunft des heimischen Fußballs nach der Corona-Krise.

Der Witzenhäuser hat die Hoffnung auf einen regulären Saisonstart noch vor dem anvisierten Starttermin 19./20. September noch nicht aufgegeben, wie er im Interview verrät.

Saisonende zum 30. Juni 2020 ohne weiteren Spielbetrieb – das hat sich nach dem Meinungsbild der Kreise als wünschenswerteste Lösung herausgestellt. Dabei soll es Aufsteiger, aber keine Absteiger geben. Die Tabelle wird nach der Quotienten-Regelung ermittelt. Ist das eine faire Lösung?

Es wird bei jeder Lösung Vereine oder Mannschaften geben, die die getroffene Entscheidung als unfair ansehen. Wir haben die Entscheidung getroffen, die dem sportlichen Gedanken am nächsten kommt, die die meisten Vereine favorisieren und sind dabei auch vielen Vereinen entgegen gekommen, indem es keine Absteiger geben wird.

Was passiert mit den potenziellen Relegationsteilnehmern?

Das ist eine Frage, die wir auch juristisch noch einmal prüfen lassen. Wenn wir alle potenziellen Relegationsteilnehmer ebenfalls aufsteigen ließen, ergäbe dies natürlich noch größere Klassen im oberen Bereich auf Kosten der Basis, die gegebenenfalls zu wenige Mannschaften hätte. Umgekehrt wird auch argumentiert, dass man die potenziellen Aufsteiger nicht schlechter behandeln dürfe, als potenzielle Absteiger. Die Organisation des Spielbetriebs mit den erhöhten Klassenstärken durch den Wegfall der Absteiger ist aber natürlich jetzt schon eine Herausforderung.

Ist die Saison jetzt für alle beendet?

Die Saison kann erst durch den Beschluss des außerordentlichen Verbandstages beendet werden. Der Verbandsvorstand hat dieses Vorgehen einstimmig empfohlen.

Wann werden die offenen Punkte geklärt?

Natürlich möchten wir die Punkte so schnell wie möglich klären, sind aber wie beispielsweise oben erwähnt auch von anderen Faktoren tangiert. Wir haben bisher nach dem Grundsatz gehandelt, dass eine richtige, sinnvolle und wohl durchdachte Entscheidung wichtiger ist als eine schnelle Entscheidung. Davon sind wir auch weiterhin überzeugt. Aber spätestens am außerordentlichen Verbandstag müssen diese Entscheidungen fallen.

Wann soll der virtuelle außerordentliche Verbandstag stattfinden?

Wir gehen momentan vom 13. oder 20. Juni als Datum der Austragung aus..

Ist ein virtueller Verbandstag technisch überhaupt möglich?

Natürlich ist es ungewohnt und es gibt einige Hürden zu überspringen, aber möglich ist es und andere Landesverbände gehen den gleichen Weg. Wir haben in den letzten Wochen zahlreiche Videokonferenzen absolviert und ein Gefühl für virtuelle Veranstaltungen bekommen.

Sektdusche: Wer bei Frauen und Männern den Aufstieg feiern darf, ist eine der noch nicht ganz geklärten Fragen beim Hessischen Fußballverband. (Foto: aw/Archiv)

Und wenn das vorzeitige Saisonende abgesegnet ist: Wann geht die neue Saison 2020/2021 los?

Wir hoffen, dass wir zum gewohnten Zeitraum mit der nächsten Saison starten können. Aber das kann zum jetzigen Zeitpunkt niemand vorhersagen, ob es so zutrifft.

Wird die nächste Saison im gewohnten Modus gespielt?

Nach jetzigem Stand schon. Aber wer weiß schon in der aktuellen Situation, wie es im September, im Oktober oder im kommenden März aussieht? Es könnte auch sein, dass wir die Saison beginnen und dass diese aufgrund einer weiteren Covid19-Welle erneut unterbrochen werden muss. Sollten wir nicht in der Lage sein, die komplette Zeit zur Austragung der Saison zu nutzen, müssten wir auch über alternative Spielmodelle nachdenken.

Können Sie die Stimmung unter den hessischen Fußballern einschätzen?

Viele Spieler, Vereinsvertreter und Fans hat die Unsicherheit am meisten belastet. Da nun der Weg bereitet und der Wunsch der Mehrheit berücksichtigt ist, ist eine große Erleichterung zu spüren.

Der HFV hat Tipps zur Wiederaufnahme des Trainingsbetriebes verschickt. Müssen sich die Vereine an dieses Schreiben halten?

Das Land Hessen entscheidet durch entsprechende Vorgaben zur Eindämmung der Infektion mit dem Coronavirus, was momentan erlaubt ist und was nicht. Der HFV kann und möchte mit den Tipps nichts verbieten oder vorschreiben, sondern nimmt lediglich die Entscheidungen des Landes Hessen auf und unterbreitet auf dieser Basis Vorschläge, wie diese behördlichen Vorschriften in die Praxis umgesetzt werden können.

Was sollen Vereine machen, die die Empfehlungen nicht umsetzen können?

Wir sind in diesen Zeiten alle gefragt, die vorgegebenen Regeln umzusetzen. Dass dies aufgrund von infrastrukturellen und personellen Ressourcen nicht in jedem Verein gleich gut durchführbar ist, wissen wir. Einige Vereine haben sich auch gemeldet und möchten unter diesen Umständen besser kein Training abhalten. Diese Entscheidung steht natürlich jedem frei. Andere Clubs finden Wege, wie sich mit etwas Improvisation ein sinnvolles Training durchführen lässt.

Ihr Schlusswort für alle HFV-Mitglieder?

Ich wünsche allen in erster Linie Gesundheit. Wir haben alle großen Spaß am Fußball und wollen diesen baldmöglichst so ausführen, wie wir es gewohnt sind. Bis es soweit ist, bitte ich weiterhin um Geduld. Der Tag des „normalen“ Fußballs wird kommen! (red)

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