TSG Hofgeismar spielt mit Flüchtlingen Fußball

Bilderbuchintegration mittels Sport: die neuen TSG-Fußballfreunde Yussuf Abdirahman Abdullahi (von links), Maik Kolle, Malable Yuntaak Schaaif, Horuuse Bashiir Salad, Tim Kolle, Qanyare Khalif Ali und der aus Afghanistan stammende Ansai Abdel Shakoor. Foto: S. Hoffmann

Hofgeismar. Viele Menschen, oft organisiert in Unterstützerkreisen, versuchen die Not der Flüchtlinge zu lindern. Eine etwas andere Art der Hilfe leistet die TSG Hofgeismar.

Es ist vielleicht das erste Mal seit Monaten, dass Yussuf Abdirahman Abdullahi so befreit den Abend genießen kann. Mit seinen Freunden Horuuse, Malable Yuntaak und Qanyare sitzt er im Mannschaftsraum des TSG Hofgeismar im Angerstation und freut sich seines Lebens, als wäre es die normalste Sache der Welt.

Das aber ist es nicht, musste der 19-Jährige vor einigen Monaten in seiner afrikanischen Heimat Somalia doch noch um sein Leben fürchten. „Die Angst war nicht auszuhalten, jeden Moment musste man damit rechnen, erschossen zu werden.“

Yussuf redet nicht gern darüber, das ist ihm deutlich anzumerken, als das eben noch sorglose Lächeln einem von Angst erfüllten Gesichtsausdruck weicht. „Mir blieb nichts anderes übrig, als vor den Kämpfen zwischen Regierung und Milizen zu flüchten.“ Er hätte die Wahl gehabt: Entweder selber Menschen töten, oder getötet werden. „Beides ging für mich gar nicht, also nahm ich meine Ersparnisse und machte mich auf gen Europa.“

Viele Wochen habe seine Flucht gedauert, erst mit dem Auto, durch die Sahara dann weiter zu Fuß, schließlich mit dem völlig überfüllten Flüchtlingsboot übers Mittelmeer gen Italien hinein in eine ungewisse Zukunft. Die führte ihn zunächst nach Frankfurt, wo er die erste Nacht auf deutschem Boden in einer Gefängniszelle des Hauptbahnhofs verharren musste. „Da habe ich schon gezweifelt, ob meine Entscheidung richtig war.“ Wenig später aber ging es über das Auffanglager in Gießen weiter nach Wolfhagen, wo er für einige Monate mit zahlreichen anderen Asylbewerbern in der ehemaligen Pommernkaserne untergebracht war, weit weg von der Stadt. „Die Menschen dort haben sich zwar rührend um uns gekümmert, aber wir waren mitten im Nirgendwo.“ Deshalb sei er überglücklich, nun mitten in Hofgeismar einen Wohnplatz gefunden zu haben. Seit sechs Monaten lebt er am Töpfermarkt, angekommen fühlte er sich dort bislang aber noch immer nicht. „Wir bekommen leider keinen Deutschunterricht“, sagt er, und macht sich große Sorgen um seine Integration.

Hoffnung gibt ihm nun das Engagement der TSG-Fußballer, die ihn und seine Freunde kurzerhand zum gemeinsamen Training eingeladen haben. „Wir waren außer uns vor Freude“, erinnert er sich an jenen Abend vor zwei Wochen, als er zum ersten Mal im Angerstadion statt auf dem benachbarten Bolzplatz kicken durfte. „Die Jungs haben uns mit Sportklamotten ausgestattet und uns wirklich herzlich in ihre Gemeinschaft aufgenommen.“

Für TSG-Torwart Tim Kolle eine Selbstverständlichkeit: „Wir sehen es als ungemein wichtig an, die Flüchtlinge hier in Hofgeismar optimal zu integrieren.“ Die Dankbarkeit, die sie zurück bekämen, sei ihnen eine Bestätigung dafür, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. „An die 15 Flüchtlinge waren schon bei uns, allesamt sind einfach nur lieb und zuvorkommend, da kann sich manch einer eine Scheiben von abschneiden“, sagt Spartenleiter Maik Kolle, der sich gemeinsam mit Yussuf und dessen Freunden auf viele weitere Trainingsabende fernab von Hass und Gewalt freut.

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