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Im Team mit Amin Younes: Waberns Spielertrainer Patrick Herpe hat Bundesliga-Vergangenheit

In Frankfurt durchgestartet: Amin Younes, der in der B-Jugend mit Patrick Herpe in Gladbach zusammenspielte.
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In Frankfurt durchgestartet: Amin Younes, der in der B-Jugend mit Patrick Herpe in Gladbach zusammenspielte.

Amin Younes zählt zu den interessantesten Fußball-Profis von Eintracht Frankfurt. Und hat sich sogar wieder in den Fokus von Bundestrainer Jogi Löw gespielt. Mit Patrick Herpe, dem Spielertrainer des TSV Wabern, hat er eine gemeinsame Vergangenheit.

Felsberg/Frankfurt – Fußball im Frühjahr 2021. Das heißt für fast alle heimischen Kicker passiv Bespaßung im Fernsehen, weil selbst mit der Mannschaft zu spielen verboten ist. Sich an denen erfreuen, die Freude vermitteln und für Lichtblicke sorgen. So wie Amin Younes, der mit Eintracht Frankfurt sensationell auf Kurs Champions League liegt. Ein Edeltechniker in der Form seines Lebens.

Über welche besonderen Fähigkeiten der 27-Jährige verfügt, weiß Patrick Herpe nur all zu gut. Denn in der Saison 2008/09 spielten der heutige Spielertrainer des TSV Wabern und der Zehner der SGE zusammen – in der B-Jugend-Bundesliga für Borussia Mönchengladbach.

Im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft

„Amin ist der beste Eins-gegen-Eins-Spieler, den ich kenne. Er macht keine verrückten Sachen, aber er ist einfach nicht zu packen, weil er einen extrem tiefen Schwerpunkt hat, super Haken schlägt und eine fantastische Ballbehandlung hat“, lobt Herpe den Sohn eines libanesischen Vaters und einer deutschen Mutter. Schon in der E-Jugend reiften der und dessen nur elf Monate älterer Bruder Philipp bei der Borussia. 2008 war zunächst nur Philipp Younes Teil der U 17, in die Herpe als mehrfacher Torschützenkönig und Hessenauswahlspieler vom KSV Hessen Kassel gewechselt war. Und sich dort auf Anhieb einen Stammplatz erkämpfte. Amin Younes rückte im Saisonverlauf aus der U 16 auf, so dass er und der Falkenberger mehrfach Seite an Seite wirbelten. Sogar bis ins Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft zog Mönchengladbach seinerzeit ein, wo jedoch gegen den VfB Stuttgart Endstation war.

„Das waren alles coole Jungs. Wir haben uns auf und neben dem Platz prächtig verstanden“, betont Herpe. Aus seiner Sicht thronten damals vier Talente im Kader über den anderen: Marc-André ter Stegen, der heutige Nationaltorwart in Diensten des FC Barcelona. Yunus Malli, der gebürtige Kasseler, den es in der Winterpause zu Trabzonspor in die türkische Süper Lig zog. Elias Kachunga, der derzeit für Sheffield Wednesday in der 2. englischen Liga stürmt. Und der aktuell vereinslose Julian Korb, der bei Gladbach und Hannover Profi war.

Patrick Herpe gibt sich selbstkritisch

Dennoch entschied sich Herpe nur sechs Monate später zu gehen. Denn der neue Trainer, Sven Demandt, zog ihm in der U 19 neben Kachunga auch Christopher Mandiangu, der bislang in zehn europäischen Ländern (u.a. Widzew Lodz) spielte, und Kevin Breuer (heute aktiv beim DJK St. Tönis in der Oberliga Niederrhein) vor. „Hart trainieren, mehr machen, Klappe halten. Das hätte ich tun sollen. Anstatt geduldig zu sein, habe ich mich schlecht beraten lassen und den ersten Schritt getan, wo ich meine Karriere weggeschmissen habe“, geht Herpe hart mit sich ins Gericht.

Er bat die Borussia um einen Vereinswechsel, entschied sich dann gegen die aufstrebende TSG Hoffenheim sowie Schalke 04 – und schloss sich dem 1. FC Nürnberg an. Dort war er in der U 19-Bundesliga ebenso meistens nur der Joker. „Ich war auf keinem gesunden Weg und wollte einfach heim“, sagt der Falkenberger mit Blick auf den folgenden Gang zurück zu Hessen Kassel.

Ausbildung statt Regionalliga mit Hessen Kassel

Spätestens damit hatte sich der Traum vom Profi erledigt. Neun Einsätze stehen für ihn beim KSV in der Regionalliga Süd in der Saison 2011/12 zu Buche. Es wären wohl mehr geworden, wenn ihn nicht der damalige Coach Uwe Wolf vor die Wahl gestellt hätte: Entweder jedes Training mitnehmen oder die Ausbildung beenden. Wegen der hätte er „nur“ sechs von zehn Einheiten mitmachen können. Für Herpe keine Frage. Er löste den Vertrag auf, „weil ich nicht mit Mitte 30 ohne Ausbildung dastehen wollte. Das war die beste Entscheidung meines Lebens.“

Immer wieder denkt er an die Worte von Roland Virkus, seinem einstigen Trainer in Gladbach, zu dem er weiterhin Kontakt hält. „Nur ein Prozent werden Profi. Wichtig ist, dass Du glücklich bist, wenn Du zurückblickst“, hatte ihm der heutige Nachwuchskoordinator der Borussia mit auf den Weg gegeben. Auch deshalb macht ihn die Leistungsexplosion von Amin Younes stolz, „weil er neben dem Fußball ein feiner, lustiger Kerl ist, der sich treu geblieben ist.“ Dessen Gala samt Traumtor beim 2:1 vor zehn Tagen gegen die Bayern verursachte bei Patrick Herpe Freud und Leid gleichzeitig. Denn er ist ein leidenschaftlicher Fan der Münchner. (Sebastian Schmidt)

Schnappschüsse aus dem Sommer 2008: Patrick Herpe mit seinem Vater Stefan zu Gast in der HNA Sportredaktion in Homberg (linke Bildhälfte) und rechts zu sehen im Borussia-Park in Mönchengladbach.

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