Interview mit Funktionär Andreas Weinreich

Immer weniger Fußballer: Diskussion über Spielklassen-Reform in Hessen

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Voller Einsatz: Der Sandershäuser Zakariae El Jamouhi (rechts) klärt in der Verbandsliga spektakulär vor dem einstigen Sander Kevin Kutzner. Noch gibt es in dieser Klasse drei Staffeln, bald könnten es nur noch zwei sein. Foto: Andreas Fischer

Der Rückgang an Spielern und Mannschaften ist eklatant. Deshalb wird über eine Reform der Spielklassen in Hessen diskutiert. Ein Interview mit Andreas Weinreich vom FSV Dörnberg, Mitglied der Kommission für Fußballentwicklung und Nachhaltigkeit im HFV. 

Der Hessische Fußball-Verband (HFV) erwägt, die Einteilung der Spielklassen zur Saison 2023/24 zu reformieren. Das wurde bei der Vereinsvertretersitzung der Verbandsliga Nord und Gruppenligen Kassel deutlich. Einer, der sich mit dem Thema beschäftigt, ist Andreas Weinreich vom FSV Dörnberg. Er gehört der Kommission für Fußballentwicklung und Nachhaltigkeit des HFV an. 

Im Interview äußert er sich als Vertreter der Region Kassel zu den Absichten des Verbandes.

Herr Weinreich, warum erwägt der HFV eine Veränderung der Spielklassen?

Hessen hat einen starken Rückgang von Mannschaften zu verzeichnen. Es waren in den letzten fünf Jahren knapp über 200. Es bilden sich immer mehr Spielgemeinschaften. Es kommen zwar auch neue Klubs dazu, nicht selten ziehen sich diese aber wieder zurück. So wie jüngst Inter Hofgeismar und Kickers Wolfhagen im Kreis Hofgeismar/Wolfhagen.

Wie sieht der Vorschlag der Kommission für Fußballentwicklung und Nachhaltigkeit aus?

Wir brauchen ein System, das in ganz Hessen funktioniert. Wir müssen uns öffnen, derzeit herrscht ein zu starkes Denken in Kreisgrenzen.

Aktuell haben wir eine Hessenliga, drei Verbandsligen, acht Gruppenligen, 25 Kreisoberligen und 39 A-Ligen. Wie sieht das Modell 2023/24 aus?

Die meisten Fußballwarte aus den 32 Kreisen favorisieren 1, 2, 6. Also eine Hessenliga, zwei Verbandsligen und sechs Gruppenligen.

Entspricht dieses Modell auch Ihrem Denken?

Nein. Dazu ist die Region Kassel zu groß. Das ist nicht die optimale Lösung. Ich bin für die Variante 1, 2, 4, 8, 16.

Eine Hessenliga, zwei Verbandsligen, vier Gruppenligen, acht Kreisoberligen und 16 A-Ligen?

Nein. Es sollte eine Klasse dazwischen geschaltet werden, egal wie diese heißen mag. Wichtig ist, dass wir das schon im Sommer beim Verbandstag in Grünberg auf den Weg bringen. Es gibt erste kleine Schritte zur Vorbereitung der Reform. So spielt Schwalm-Eder ab nächster Saison nicht mehr mit zwei, sondern nur mit einer A-Liga.

Kommen weitere Fahrten auf die Vereine zu?

Nicht unbedingt. Es gibt seitens der Kommission Überlegungen, die Klasseneinteilungen nach rein geografischen Gesichtspunkten vorzunehmen und nicht mehr nach der jeweiligen Zugehörigkeit zu den Kreisen.

Da muss die Frage nach der Identität mit dem Heimatkreis gestellt werden ...

Richtig. In den Kreisen muss ein Austausch stattfinden. Davon betroffen sind vor allem die Kreisoberligen, aber auch die A-Ligen. Die Vereine profitieren möglicherweise davon, weil es dann mehr Nachbarschaftsduelle geben könnte.

Können Sie Beispiele nennen?

Selbstverständlich. Klubs wie Weidelsburg oder Elbetal könnten sich nach Waldeck, andere grenznahe Klubs nach Kassel oder Schwalm-Eder orientieren und umgekehrt. Dörnberg II könnte gegen Ahnatal oder Harleshausen spielen, Riede hätte nicht mehr den weiten Weg nach Bad Karlshafen, sondern die kurze Strecke nach Fritzlar. Denkbar wäre auch, dass Wellerode gegen Teams aus dem Werra-Meißner-Kreis antritt. Noch einmal: In ein paar Jahren ist kein Platz für eigenständige Kreisoberligen. Schon in anderen Kreisen wird übergreifend gespielt. Es macht Sinn, auch hier über den Austausch nachzudenken. Das geht nicht von heute auf morgen, schon auf dem Verbandstag 2020 aber müssen die Weichen in diese Richtung gestellt werden.

Zur Person

Andreas Weinreich (47) wohnt in Dörnberg und ist Mitglied im FSV Dörnberg. Er arbeitet in der Software-Entwicklung bei der Firma Starke und Reichert in Kassel. Weinreich ist ledig, er hat keine Kinder. Er gehört der Kommission für Fußballentwicklung und Nachhaltigkeit des HFV an und ist Beisitzer im Kreisfußballausschuss Hofgeismar/Wolfhagen.

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