Vereine müssen auf Verbandsokay warten

Kreisoberliga für Auf- und Abstiegsrunde, doch was ist das Votum wert?

Trainer Martin Wagner (Höringhausen/Meineringhausen) und Jonas Mütze beim Coronagruß
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Faust auf Faust: Der Coronagruß, den Trainer Martin Wagner (Höringhausen/Meineringhausen) und Jonas Mütze zeigen, wird den Fußball weiter begleiten.

Die Waldecker Fußballvereine haben Position zum Spielmodus der neuen Saison bezogen. Doch was die Voten der Klubvertreter bei der Kreisvideokonferenz am Mittwochabend wert sind, ist offen.

Korbach - Die Kreisoberliga (18 Mannschaften) soll mit einer Einfachrunde starten und die Saison 2021/22 (Auftakt wahrscheinlich am 15. August) mit Playoffs und Playdowns abschließen. Die Kreisliga C (ebenfalls 18) soll in zwei Gruppen aufgeteilt werden; die Kreisligen A (14) und B (12) sollen jeweils eine komplette Runde austragen.

Die Diskussion stehe allerdings unter Vorbehalt, gab Kreisfußballwart Gottfried Henkelmann gleich in der Begrüßung unter Verweis auf eine Mail vom Vortag bekannt. Torsten Becker, Vizepräsident des Hessischen Fußball-Verbands (HFV), hatte darin klargestellt, dass es in der kommenden Spielzeit „keine 32 Spielmodelle in Hessen geben kann“. Im Klartext: Die 32 Fußballkreise können keineswegs gemeinsam mit ihren Vereinen autonom den Modus bestimmen, den sie für ihre Spielklassen als am sinnvollsten erachten.

Das hatte sich für Henkelmann noch im April anders dargestellt. Da habe der HFV ein „großes Paket“ mit möglichen Alternativen ausgegeben, der noch amtierende Verbandsfußballwart Jürgen Radeck die Kreise aufgefordert, flexibel Ideen zu entwickeln, sagte er. Der Ehringer und seine Kollegen Klassenleiter erarbeiteten daraufhin mehrere Modelle, die sie den Vereinen am Mittwoch präsentierten (siehe unten). Daraus wurde mit einer erst Stunden alten weiteren Klarstellung des Verbands endgültig eine Planung ins Blaue. Der Verbandsspielausschuss (VSA) wolle bei seiner vom Mittwoch aufs Wochenende verschobenen Klausurtagung nur noch drei Spielsysteme diskutieren, sagte Kassels Regionalbeauftragter Matthias Schmelz bei der Kreiskonferenz. Und: „Welche Modelle das sind, weiß ich nicht.“

Hintertürchen für Saisonstart

Schmelz, kraft Amtes Mitglied im VSA, versuchte gar nicht erst, seinen Ärger über diese Informationspolitik zu verbergen. Er will bei der Tagung Tacheles reden. „Ich bin auf Krawall gebürstet, mit der Kommunikation, das funktioniert so nicht“, sagte er.

Makulatur scheinen die Waldecker Terminplanungen zu sein: Henkelmann hatte einen Saisonstart schon am 1. August angepeilt, doch laut Beschlussvorlage für besagte Klausur läuft alles auf einen allgemeinen Auftakt am 14./15. August hinaus. Auch das berichtete Schmelz und bestätigte damit ein Datum, das laut Henkelmann kurz zuvor bereits „durchgesickert“ war.

Allerdings lässt die Vorlage eine Hintertür: Laut Schmelz sind abweichende Starttermine für einzelnen Ligen möglich, allerdings nur wenn der VSA jeweils zustimmt. Henkelmann hofft noch auf diese Öffnungsklausel, wie er sagte, stellte aber auch lakonisch fest: „Ober sticht Unter, wir müssen uns fügen.“

Bei Vereinsvertretern fand der spätere Termin ausdrücklich auch Zustimmung. Sowohl Carsten Laun von der SG Bad Wildungen/Friedrichstein als auch Thomas Mertens (TuSpo Mengeringhausen) begrüßten ihn. Die Spieler bräuchten eher sieben, acht Wochen der Vorbereitung als fünf bis sechs, sagte Mertens mit Blick auf die Corona-Pause von mittlerweile mehr als sieben Monaten.

Erstes Ziel: Früh eine Wertungsgrundlage schaffen

Das Horrorszenario schlechthin wäre für ein Verband und seine Vereine eine weitere Saison für die Katz, ein abermaliger Abbruch wegen Corona. Deshalb stehen alle Spielmodelle für die Saison 2021/22 unter einer Prämisse, die Gottfried Henkelmann bei der Kreiskonferenz so formulierte: „Ziel ist das schnelle und möglichst gerechte Erreichen einer Wertungsgrundlage.“ Waldecks Vereine haben dazu ein Votum abgegeben. Was sie im Einzelnen wollen und was ihre Abstimmung wert ist: Fragen und Antworten zu einer denkwürdigen Videokonferenz.

Eine Wertungsgrundlage, auf der Auf- und Absteiger bestimmt werden können: Wie sieht sie aus und warum reden alle im Verband davon?
Natürlich wegen der Erfahrungen der vergangenen Saison. Corona stoppte sie, ehe auch nur die Hinrunde gespielt war. Konsequenz: Annullierung ohne Auf- und Absteiger. Falls das Virus trotz aller Impffortschritte abermals im Spätherbst einen Stopp erzwingt, will der Verband auf jeden Fall sportliche Entscheidungen haben. „Wir müssen es so hinkriegen, dass wir auf der sicheren Seite sind“, sagte der Regionalbeauftragte Matthias Schmelz. Sichere Seite kann eine Einfachrunde bedeuten oder auch eine Zweiteilung von Klassen. Schmelz etwa will die Kasseler Gruppenligen in sogar drei Elfer-Staffeln aufsplitten.
Wann ist eine Wertungsgrundlage gerecht?
Die Kardinalfrage. Nehmen wir eine dreigeteilte Gruppenliga. Schlägt das Virus wieder zu, würden im Extremfall (Schluss nach der Hinrunde) zehn Spiele pro Team die Basis für Abstieg und – falls machbar – die Qualifikation für Aufstiegsspiele der Gruppenersten bilden. Oder die C-Liga Waldeck: Wenn die 18 Teams in zwei Gruppen aufgeteilt werden mit der Absicht, Hin- und Rückrunde auszutragen, könnten – abermals im absoluten Worst Case – für den Aufstieg ganze acht Partien (der Hinrunde) reichen.
Die Waldecker Ligen sind unterschiedlich groß. Fangen wir mit der Kreisoberliga und ihren 18 Vereinen an: Welches Modell favorisieren sie?
Zunächst bestimmt eine Größe mit: das in Waldeck gewöhnlich vorherrschende Fußballwetter. Henkelmann rechnete vor, dass nach den Erfahrungen der letzten zehn Jahre eine Winterpause ab Mitte November sinnvoll ist. Heißt: bei einem Start am 15. August und unter Verzicht auf englische Wochen 14 Spieltage in diesem Jahr. Das reicht nicht für eine Einfachrunde (17 Spieltage) und für eine Hinrunde nur dann, wenn die Liga in zwei Neunergruppen geteilt wird. Die Mehrheit (zwei Drittel) war für das Modell des Kreisfußballausschusses (KFA): Nach der Einfachrunde ermitteln die besten sechs Teams in einer Doppelrunde den Aufsteiger und die übrigen zwölf in einer weiteren Einfachrunde die bis zu vier Absteiger. Das bedeutet, immer die alte Saison als Negativszenario im Kopf, dass auch in der Woche oder freitags gespielt werden muss, um im Herbst mit der Auftaktrunde fertig zu sein.
Warum so viele Absteiger?
Der KFA will in der Kreisoberliga zumindest mal auf 16 Teams, am Ende sollen es wieder 15 sein.
Gab es eine Alternative zur Einfachrunde samt Playoffs und Playdowns?
Matthias Schmelz hatte vorgeschlagen, in jeder Gruppe eine komplette Serie zu spielen (18 Spieltage) und anschließend die jeweils besten vier den Meister sowie die jeweils restlichen fünf die Absteiger ausspielen lassen.
Was sagen die Vereine der zwei „kleinen Ligen“?
Zwei frühe Wortmeldungen wiesen den Weg. Kai Bremmer, Vorsitzender des TSV Altenlotheim, plädierte für eine B-Liga-Saison mit Hin- und Rückrunde für die zwölf Teams. „Elf Spieltage (um eine Wertungsbasis zu haben, Anm. d. Redaktion) werden wir wohl über die Runden kriegen.“ Für die A-Liga sprach sich Christoph Klein (SG Nieder-Waroldern/Landau) ebenfalls für eine komplette Serie aus, er erklärte sich wegen der 14 Mannschaften gleichzeitig zu Spielen am Mittwoch oder Freitag bereit. Eine klare Mehrheit folgte ihnen.
Versuchte Kurs zu halten: Kreisfußballwart Gottfried Henkelmann.
Und die Kreisliga C?
Wählte mehrheitlich tatsächlich den Split: zwei Neunergruppen, die sich unter regionalen Gesichtspunkten zusammensetzen. Nach jeweiliger Hin- und Rückrunde (18 Spieltage) würden die jeweils besten drei Mannschaften die Aufsteiger ermitteln, für die übrigen sich eine Spaßrunde anschließen. Die Playoffs bleiben allerdings den sechs Neunerteams versperrt. Ein alternatives Modell mit drei Staffeln fand zwar auch Befürworter, sie waren aber in der Minderheit.
War die ganze Sitzung möglicherweise für die Tonne?
Schon während der Konferenz gab es Stimmen, die die Abstimmung für sinnlos erachteten – weil ja nicht bekannt war, welche Spielsysteme der HFV zulassen wird (Artikel oben). Im schlechtesten Fall müsste das Prozedere wiederholt werden. Henkelmann will das nicht hoffen. Matthias Schmelz habe ja nun ein Votum, das er in die Klausurtagung des Verbands mitnehmen könne. Schmelz gab sich zuversichtlich, dass zumindest A- und B-Liga wie gewollt ablaufen können. Die Kreise seien sich „da relativ einig in Nordhessen“.

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