„Hatte als Trainer keine Mittel mehr“

Jörg Schäfer bei der SG Bad Wildungen/ Friedrichstein zurückgetreten

Trainer am Spielfeldrand zeigt seine Unzufriedenheit
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Diese Miene sagt viel: Jörg Schäfer war als Trainer zuletzt oft unzufrieden.

Fußball-Gruppenligist SG Bad Wildungen/Friedrichstein und Trainer Jörg Schäfer haben sich getrennt. Einvernehmlich, wie auch der Übungsleiter auf Anfrage bestätigte.

Bad Wildungen – Schäfer hatte nach der am Sonntag mit 2:3 in Gilsa verlorenen Partie seinen Rücktritt angeboten, den er nach Gesprächen mit SG-Sportvorstand Carsten Laun dann am Dienstag vollzog. Die Mannschaft weiß seit dem Abend davon, dass ihr Trainer aufgehört hat.

Schäfers Aufgaben übernimmt zunächst ein Trio: Laun, auch Trainer der Reserve, Co-Trainer Steffen Pehlke, und der verletzte (Ex-)Kapitän Kevin Wathling – sie werden am Wochenende beide Teams der Spielgemeinschaft betreuen. Keine unheikle Aufgabe, die „Erste“ erwartet im TSV Altenlotheim einen Rivalen im Abstiegskampf.

„Entscheidung in den letzten Wochen gereift“

Wirklich überraschend kommt der Schritt Schäfers nicht. Der 44 Jahre alte Trainer war mit der sportlichen Entwicklung des Teams, die er mit der in seinen Augen oft fehlenden Einstellung von Spielern verband, immer weniger einverstanden. „Die Entscheidung ist nicht von heute auf morgen gefallen. Sie ist in den letzten Wochen gereift“, sagte er.

Der Plan war eigentlich, dass der Gudensberger erst im Sommer aufhört. Er hatte den Gruppenligisten im Oktober 2019 von Simon Lieber übernommen „und wieder in sportlich ruhiges Fahrwasser geführt“, so Carsten Laun. Es war sein zweites Engagement in der Badestadt; das erste dauerte von 2012 bis 2015 und führte die SG für ein Jahr in die Verbandsliga. „Wir können uns bei Jörg Schäfer nur bedanken“, betonte Carsten Laun. „Wir gehen freundschaftlich und respektvoll auseinander, es bleibt nichts hängen.“

Der Rücktritt jetzt solle auch ein Zeichen an die Mannschaft sein, sagte Schäfer: „vielleicht hilft es“. Laun bekräftigte diesen Aspekt: „Die Mannschaft steht jetzt somit in der Pflicht.“ Schäfer nannte eine Reihe von Aspekten für seine Entscheidung. Sein Einfluss sei „überschaubar geworden“, meint er und verweist auf die Beteiligung der Spieler am Training. Er fahre jetzt schon seit mehreren Wochen 60 Kilometer zum Training und habe dann bloß „sechs, sieben Spieler vor mir“.

Auseinander gingen auch die Vorstellungen über den erforderlichen Einsatz, um in der Gruppenliga zu bestehen. „Spieler sind oft nicht bereit, mehr für den Sport zu investieren“, sagte Schäfer. Persönliche Befindlichkeiten seien oft wichtiger. Die Saison erfüllte eigentlich von Beginn an nicht die Erwartungen des ehrgeizigen Trainers.

Das 2:3 nach 2:0-Führung und individuellen Fehlern bei der SG Neuental/Jesberg, wo sich Schäfer einen „Dreier“ ausgerechnet hatte, warf die Mannschaft zurück auf Abstiegsplatz 15 – eine Art „i-Tüpfelchen“ für den Coach: „Dann erkennst du, dass du als Trainer keine Mittel mehr hast. Es macht dann auch keine Freude mehr und du verliert die Lust.“

SG kündigt Generationenwechsel an

In ihrer Pressemitteilung kündigt die SG einen Generationswechsel in den nächsten Jahren an. Laun habe ihn im Grunde selbst eingeleitet, als er im Sommer seine Karriere als Spieler beendete. Mit Schäfer geht nun der bisher erfolgreichste Trainer. „Wir können als Vorstand gemeinsam mit den aktuellen Spielern und den heranwachsenden Jugendspielern diesen Umbruch aktiv gestalten“, sagte Abteilungsleiter Michael Neuhaus. „Das sportliche Ziel heißt aber weiterhin Gruppenliga und dieKreusoberliga für unsere Reserve.“

Laun hofft darauf, schon bald einen Nachfolger für Schäfer verpflichten zu können. Er hatte bereits Kontakte mit Kandidaten für den Jobantritt im Sommer geknüpft, womöglich kommt einer von ihnen nun vor der Winterpause. „Es wird in diesen Tagen und nächste Woche Gespräche geben“, sagte Laun, „es kann dann ziemlich schnell gehen.“ (mn/dv)

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