Interview zum Jugendfußball: „Uns fehlen Betreuer“

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In der HNA-Sportredaktion zu Gast: Axel Kehr, der neue Kreisjugendfußballwart.

Homberg. Es ist nicht gerade die leichteste Aufgabe, für die Axel Kehr zum neuen Kreisjugendfußballwart des Schwalm-Eder-Kreis gewählt wurde. Der Nachfolger von Christian Marx hat vor allem mit einem Aderlass in der A-Jugend zu kämpfen. Dort gibt es nur noch 13 Teams.

Herr Kehr, Sie sind neuer Kreisjugend-Fußballwart. Wo müssen Sie hier im Schwalm-Eder-Kreis zuerst ansetzen?

Axel Kehr: Ich denke schon, dass genügend Kinder da sind. Aber es fehlt einfach an Betreuern und Trainern. Das ist das Hauptmanko.

Erschreckend ist der Rückgang bei den A-Jugendmannschaften. Es gibt nur noch 13 Teams. Woran liegt das?

Kehr: Das ist ein schleichender Prozess. In der F- und E-Jugend haben wir ungefähr jeweils 50 Teams. In der D-Jugend sind es dann 38, in der C-Jugend nur noch 26 Mannschaften. Das ist natürlich viel zu wenig, um die Seniorenmannschaften aus dem Schwalm-Eder-Kreis zu bestücken. Zumal der Übergang von der A-Jugend zu den Senioren ja auch nicht fließend ist, da viele dann mit Fußball aufhören oder umziehen. So ein richtiges Rezept habe ich aber auch nicht.

Der Schwalm-Eder-Kreis stellt drei Mannschaften in der Verbandsliga. Zufrieden damit?

Kehr: Es ist natürlich ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite ist das gut im Sinne des Leistungsgedanken, auf der anderen Seite bleiben da natürlich wieder einige Kinder auf der Strecke, die nicht die Qualität für die Verbandsliga besitzen. Aber wissen Sie was mich richtig ärgert?

Erzählen Sie.

Kehr: Mittlerweile spielt die alte Mannschaft die Qualifikation für die neue Mannschaft. Das müssen Sie erklären.

Kehr: Es gibt ein Aufstiegsspiel zur Gruppenliga nach der Serie. Dort spielt Team A gegen Team B. Gewinnt Team A, steigt es auf. Nur gespielt wird mit dem alten Jahrgang, der gar nichts vom Aufstieg hat. Denn in der neuen Klasse geht der Jungjahrgang an den Start. Es kann also sein, dass Team A mit einem komplett neuen Team in einer höheren Liga spielen muss. Diese Qualifikation ist für mich Unsinn. Aber in Frankfurt gab es eine clevere Idee..

Welche meinen Sie?

Kehr: Der DFB will so weit ich weiß den Jahrgang nach unten schieben.

Was soll das bringen?

Kehr: Es gibt ja das Problem, dass der Seniorentrainer auf den älteren A-Jugendjahrgang Zugriff hat. In der Praxis würde das so aussehen, dass der jüngere A-Jugend-Jahrgang und der ältere B-Jugend-Jahrgang die neue A-Jugendmannschaft stellen würde.

Aha.

Kehr: Das hätte zur Folge, dass die A-Jugend dann nicht mehr spielberechtigt für die Senioren wäre.

Aber was spricht denn gegen das aktuelle Modell mit dem Doppelspielrecht?

Kehr: Ich kann ja verstehen, dass es für A-Jugendliche sinnvoll ist, Spielpraxis in den oberen Ligen wie der Verbandsliga zu bekommen. Aber wenn die Jugendlichen, die noch A-Jugend spielen könnten, dann plötzlich in der Stolperliga Stammspieler sein sollen, läuft da was schief.

Bieten die Flüchtlinge im Schwalm-Eder-Kreis eine Chance für die Vereine und wie lässt sich diese nutzen?

Kehr: Sicher ist das eine Chance. Aber da kommen wir wieder zu unserem anfangs geschilderten Problem. Um Flüchtlinge anzusprechen, bedarf es wieder Ehrenamtliche, die in die Flüchtlingsheime fahren und die Kinder dort abholen und für den Fußball im Verein begeistern.

Herr Kehr, in einem Jahr können Sie vielleicht schon Bilanz Ihrer Arbeit ziehen. Was wäre dann Ihre Wunsch-Überschrift?

Kehr: Endlich wieder 20 Mannschaften in der A-Jugend gemeldet.

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