Nach Mädchenfußball-Partie: 15-jähriger Schiedsrichter aus Kassel bedroht

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Den Ball im Blick: Malin Schwertner (links) von den C-Juniorinnen des KSV Hessen setzt sich gegen Frankfurts Alicia Flader durch. Später in dieser Partie wird Schiedsrichter Fabio Hartmann zur Zielscheibe des Frankfurter Zorns. 

Kassel. Unglaubliche Szenen ereigneten sich beim Spiel der C-Juniorinnen des KSV Hessen gegen Frankfurt. Der 15-jährige Schiedsrichter aus Ahnatal wurde von Eltern des Gegners bedroht.

Beim Fußball kommt es immer wieder zu unschönen Szenen. Dafür gab es am Wochenende auf den heimischen Plätzen zwei Beispiele. Ein Vorfall ereignete sich beim Hessenligaspiel der C-Juniorinnen des KSV Hessen Kassel gegen Eintracht Frankfurt, ein anderer bei der Partie in der Kreisliga A zwischen Zagreb Kroatien und Sandershausen II.

C-Juniorinnen, Hessenliga, KSV Hessen Kassel - Eintracht Frankfurt:

Fabio Hartmann geriet bei dieser Partie unfreiwillig in den Mittelpunkt. Der 15 Jahre alte Schiedsrichter aus Kassel musste als Sündenbock herhalten. Nach dem 2:1 (0:0) der jungen Löwinnen wurde der Unparteiische von Betreuern und Eltern der Südhessen bedrängt. Aufreger waren eine Rote Karte gegen Frankfurts Torhüterin und ein schnell freigegebener Freistoß, der zum 2:1 der Kasselerinnen führte. „Danach kochte die Stimmung hoch. Ich wurde bedroht“, schildert Hartmann die Geschehnisse.

Der Siegtreffer fiel in der 66. Minute - im Anschluss habe er sich Sprüche anhören müssen wie diesen: „Nach dem Spiel sehen wir uns.“ Die Emotionen kühlten nicht ab. Aufgebrachte Eltern aus Frankfurt versuchten sogar, in die Kabine des Schiedsrichters einzudringen. KSV-Betreuer mussten die Tür bewachen. „Später hat mich ein Kasseler Betreuer mit in die Stadt genommen. Zur Sicherheit“, berichtet Hartmann.

Wurde nach dem Hessenligaspiel der C-Juniorinnen des KSV Hessen Kassel gegen Eintracht Frankfurt bedroht: Fabio Hartmann war der Schiedsrichter.

Der 15-Jährige besucht die Ahnatalschule in Vellmar, pfeift für den SV Germania Kassel und hatte bereits Einsätze bei den Senioren in der Gruppenliga. Womöglich liegt es an seiner Erfahrung, dass er die Ereignisse recht gelassen betrachtet: „Schon während des Spiels habe ich versucht, mir keinen Kopf zu machen.“

Vorfälle in dieser Dimension hat Hartmann trotzdem noch nie erlebt. Es sei schon komisch, sagt er, ausgerechnet im Jugendbereich bei den Mädchen sei er in eine solch bedrohliche Lage geraten. Die Schiedsrichterei als Hobby lässt er sich davon aber nicht madig machen. „Ich will die Sache vergessen und nach vorn blicken.“

Zum Spiel: Die KSV-Juniorinnen haben ihre perfekte Punkteausbeute in diesem Jahr mit dem 2:1 fortgesetzt und kletterten auf den dritten Tabellenplatz. Die Tore für die Nordhessinnen erzielten Jacqueline Baumgärtel (49. Minute) und Johanna Schößler (66.). Den zwischenzeitigen Ausgleich für den Eintracht-Nachwuchs besorgte Annika Leibner in der 62. Minute. „Wir waren die bessere Mannschaft. Es war ein verdienter Sieg“, sagte das KSV-Trainerduo Reiner Brandt und Frank Schößler.

Kreisliga A Kassel, Gruppe 1, Zagreb Kroatien - TSG Sandershausen II:

Auf den Waldauer Wiesen griff Schiedsrichter Nico Konrad hart durch und brach die Partie kurz vor Schluss beim Stand von 3:2 für die Niestetaler ab. Was war passiert? In der 88. Minute entschied der Unparteiische des Tuspo Rengershausen auf Elfmeter für Sandershausen und zeigte dem Übeltäter zudem die Gelb-Rote Karte. Darüber regte sich ein Zagreber Teamkollege, Ivan Grebenar nämlich, dermaßen auf, dass Konrad zur Roten Karte griff.

Daraufhin gingen mit Grebenar offensichtlich die Gäule durch. Der Fußballer attackierte den Schiedsrichter. Zagreber Spieler und Betreuer versuchten, ihn zurückzuhalten.

Konrad suchte Schutz beim Sandershäuser Anhang und setzte dem Spiel vorzeitig ein Ende. Weil nun eine Verhandlung ins Haus steht, wollte und durfte sich keiner der Beteiligten zu den Vorfällen äußern.

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