Vor Ort beim U12-Pfingstturnier der JFV Söhre: Prominenz, Platzregen und professionelle Anforderungen

Von Vätern, Pfützen und Chips

Vater und Sohn: Karlo (11, links) und Papa Kevin Kurányi (35) waren am Wochenende beim U12-Pfingstturnier in Lohfelden dabei. Der Sohn wirbelte auf dem Platz, der Vater stand am Rand und fieberte mit. Fotos:  Schachtschneider

Kassel/Lohfelden. Wenn der JFV Söhre zum U12-Pfingstturnier einlädt, dann wird es international. Insgesamt 60 Fußball-Teams reisten am Wochenende an, um im Lohfeldener Nordhessenstadion, in Nordshausen und in Süsterfeld den Champions Cup zu gewinnen. Darunter waren fünf Mannschaften aus den Niederlanden, zwei aus Dänemark und zwei aus Tschechien. Wir haben uns vor Ort umgeschaut.

Der Zwischenfall

Bereits früh am ersten von zwei Turniertagen kommt die Turnierleitung richtig ins Schwitzen. Und das nicht nur, weil sich bei schwülen Bedingungen das Organisations-Büro in eine kleine Sauna verwandelt hat. Am Samstag gegen 13 Uhr bahnt sich eine Unwetterwand ihren Weg durch die Region. In Kassel ist es nach 15 Minuten wieder ruhig, in Lohfelden geht es knapp eine Stunde rund. Die Folge: vollgelaufene Keller und ein Rasenplatz, der nicht mehr bespielbar ist. Das Team um Matthias Werner, Martin Papst und Dennis Jeske muss jetzt schnell reagieren.

Fußball wird für eine Stunde nicht gespielt. Trainer und Verantwortliche setzen sich zusammen. Die Spielzeit wird von 20 auf 15 Minuten verkürzt. Statt vier sind jetzt nur noch drei Plätze vorhanden. Auf dem Rasen und auf der Aschenbahn haben sich große Pfützen gebildet. „Das war großer Stress, ein riesen Aufwand. Wir mussten verschiedene Optionen prüfen“, sagt Werner.

Die Prominenz

Einer ließ sich auch vom Unwetter nicht vertreiben – Kevin Kurányi. Ja richtig, der ehemalige Nationalspieler. Der nahm zeitweise auf der Tribüne, dann wieder am Spielfeldrand Platz. Warum? Ganz einfach. Sein Sohn Karlo (11) spielt für die U12 der Stuttgarter Kickers. Beim Team aus der Regionalliga Südwest hatte sich der 35-Jährige letztes Jahr fitgehalten.

„Ich bin jetzt Rentner und fast immer dabei, wenn mein Sohn spielt“, sagt Kurányi. „Die Mama fährt aber noch öfter mit.“ Er verbringt das ganze Wochenende in Kassel und wird später auch noch im Club 22 gesichtet. Im Nordhessenstadion ist er ganz lässig unterwegs: weißes T-Shirt, kurze Hose und offene Turnschuhe.

Die Professionalität

Nicht nur für eine Turnierleitung ist so ein Cup über zwei Tage allein mit Professionalität zu stemmen. Auch an die Nachwuchskicker gibt es mittlerweile besondere Anforderungen. Zumindest beim Team von Kurányi-Sohn Karlo. Trainer Daniel Güney sieht den prominenten Namen als Motivation. „ Die Jungs sehen so, wo sie einmal hinkommen können.“

Abseits davon gibt es bei den Kickers aber noch mehr Professionelles. So werden schon in der U12 der Umgang mit Social Media trainiert – und Tipps zur Ernährung gegeben. „Da geht es nicht darum, dass sie schon einen Ernährungsplan bekommen. Aber wir erklären, warum nicht gut ist, wenn man eine ganze Tüte Chips auf einmal isst“, sagt Güney.

Die Aufregung

Für die Teams aus der Region ist dieser Cup etwas ganz Besonderes. Auf dem Platz wird um jeden Ball gekämpft. Klar, wenn große Namen wie Twente Enschede, der Hamburger SV oder Mainz 05 die Gegner sind. „Die Aufregung war riesengroß. Die Trainingsbeteiligung ist in den vergangenen Wochen noch einmal hochgegangen“ , sagt Jörg Höhre, Trainer der zweiten U12-Mannschaft der JFV Söhre. 15 Spieler seien in seinem Team, aber nur 13 Trikots vorhanden. „Alle wollen dabei sein“, sagt der Trainer. Und so kann auch ein Unwetter den Spaß bei den jungen Fußballern nicht zerstören.

Von Maximilian Bülau

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.