Mündener Grundschulturnier: Von Schleifenkünstlern und Spielern, die einfach mal eine Auszeit nehmen

Anarchie auf dem Fußballplatz

Auch sie hatten ihren Spaß: Die Spieler der Grundschule Scheden 1A. Fotos: Brandenstein

Bonaforth. Nach drei Jahren kehrte das Fußballturnier der Grundschulen wieder auf den Bonaforther Sportplatz zurück. Das bedeutete für den Förderverein und die Eltern der gastgebenden Mündener Brüder-Grimm-Schule zwar mehr Arbeit als zuvor in der Sport Arena, aber für die Kinder war es bei bestem Wetter eine tolle Veranstaltung.

„Auf echtem Rasen kommt einfach etwas mehr Fußballflair auf“, meinte Sabrina Guicking aus dem Organisationsteam. 39 Mannschaften hatten sich angemeldet und ließen für zwei Tage leidenschaftlich den Ball rollen.

Kinderfußball hat auch immer ein wenig mit Anarchie zu tun. Die Trainer können sich noch so anstrengen, sie erhalten niemals die komplette Kontrolle über das Spielgeschehen. Dazu haben die Kleinen einfach zu oft ihren eigenen Kopf und scheren sich kaum um taktische Vorgaben oder den oft zitierten Matchplan.

Schön zu beobachten war das beim Halbfinale der ersten Klassen zwischen Königshof 1A und Königshof 1B. In diesem schulinternen Vergleich ging es besonders hoch her. Kein Wunder, dass die Nerven manchmal blank lagen. Als der Dribbelkünstler der 1B, der kleine Mohammed, kurz vor dem Abpfiff das entscheidende 1:0 schießt, bekommen sich die Abwehrspieler der 1A in die Haare, worauf einer kurzerhand den Platz verlässt und sich graszupfend an der Böschung niederlässt. Da war auch der Trainer fassungslos.

Im Spiel um Platz drei ist der kleine Rebell wieder dabei. Es geht gegen Schedens 1A. Deren Trainer, Rayk Lebe, will vor dem Entscheidungsschießen löblicherweise den Druck rausnehmen. „Elfmeterschießen ist Glückssache“, meint er. Vermutlich deshalb, damit sich später niemand Vorwürfe macht. Den Schedener Minikickern scheint der spannende Showdown aber gerade recht zu kommen. Trotz des Trainers Hinweis gehen bei der Frage, wer denn überhaupt schießen möchte, alle Hände nach oben. Letztlich jubelt aber die Königshofer 1A, deren Torwart Adrian den entscheidenden Schuss hält.

Im Endspiel zwischen Königshof 1B und Scheden 1B kommt es zur kuriosesten Szene überhaupt: Diesmal entscheidet ein Alltagsproblem über den Turniersieg – das Schuhe binden. Nach dem frühen Schedener 1:0 verhindert Ewan im Königshofer Tor mit einigen Paraden die Vorentscheidung. Doch dann kommt jene Szene, die in einer Youtube-Hitparade der unglücklichsten Gegentore wohl ganz oben landen könnte: Während Schedens Maxi eine Ecke ausführt, versucht sich ein Königshofer knapp vor der eigenen Torlinie an der für einen Erstklässler nicht immer leichten Aufgabe, die Schnürsenkel festzuziehen. Maxis Schuss landet auf dem Rücken des sich bückenden Schleifenkünstlers, von wo der Ball zum 2:0 ins Netz springt – bitterer kann es wohl nicht laufen. Nur gut, dass genügend Eltern zum Trösten bereitstanden.

Regina Spellauge und Sabrina Guicking, vom Förderverein der Brüder-Grimm-Schule, müssen bei solchen Szenen auch manchmal schmunzeln. Letztlich ist es ihnen aber wichtig, auf den eigentlichen Zweck der Veranstaltung hinzuweisen. „Unsere Absicht ist es, den Klassenverband und das Zugehörigkeitsgefühl zur Schule zu stärken. Und vor allem sollen alle Spaß haben“, meint Spellauge. Das hatte eine Mannschaft im Turnier der vierten Klassen wohl falsch verstanden. Der Konflikt um nicht spielberechtigte Kinder wurde aber mittels einer Wiederholungspartie gelöst.

Spellauge dankte allen Helfern und auch den Mündener Geschäftsleuten, die erneut die Tombola bestückten.

Von Manuel Brandenstein

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