Jugendfußball: Trainer Ron Hardies im Interview

Die JSG Weper ist Alphonso Davies auf den Spuren

Ein gemeinsamer Blick auf die Daten: Trainer Ron Hardies mit seinen Spielern (von links) Tino Kurth, Louis Beinsen und Timo Wölke.
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Ein gemeinsamer Blick auf die Daten: Trainer Ron Hardies mit seinen Spielern (von links) Tino Kurth, Louis Beinsen und Timo Wölke.

Videoanalyse, GPS-Tracking, Erfassung und Auswertung von Leistungsdaten: Dinge, die man eher mit Profifußball verbindet. Doch auch bei den A-Junioren der JSG Weper wird so gearbeitet.

Moringen – Der engagierte Trainer, der dahintersteckt, ist Ron Hardies. Er coacht nicht nur die U19 der JSG Weper, sondern ist seit dieser Saison an der Seite von Marco Düe außerdem als Co-Trainer beim Bezirksligisten SG Rehbachtal am Start. Wir haben uns mit ihm unterhalten.

Herr Hardies, mit Brustgurten ausgestattete Spieler, Trainingseinheiten und Spiele, die aus der Vogelperspektive gefilmt werden: Das hört sich eher nach ambitioniertem Herren- oder sogar Profifußball an und nicht zwingend nach Jugendfußball in Moringen. Wie kam es dazu?

Ron Hardies: Ich habe damals in der Schule in der KGS in Moringen meine C-Lizenz als Trainer gemacht und ziemlich schnell gemerkt, dass das viel mehr mein Ding ist, als als Spieler selbst auf dem Platz zu stehen. Dann habe ich zwei Jahre unsere B-Jugend gecoacht und gehe jetzt in meine vierte Saison als Jugendtrainer. Die Corona-Zeit habe ich dazu genutzt, mich fortzubilden. Online ging das ziemlich gut. Und das erste Themengebiet war Spiel- und Videoanalyse.

Aber um so etwas angehen zu können, muss doch auch die nötige Ausrüstung vorhanden sein, die wahrscheinlich nicht gerade günstig ist.

Hardies: Ja, das ist so. Da kann man, wenn man will, richtig viel Geld investieren. Wir haben das anders gelöst. Wir haben uns ein sechs Meter hohes Stativ besorgt, auf dem wir unsere Videokamera befestigen. Die hatte ich vorher schon. Für unsere Zwecke ist das ausreichend. So können wir unsere Trainingseinheiten und Spiele aufzeichnen und hinterher analysieren. Zur neuen Saison habe ich ein paar ehemalige Spieler aus dem 2002er Jahrgang dazu geholt. Mit denen zusammen werde ich das angehen.

Was gehört noch dazu?

Hardies: Jeder Spieler trägt einen Gurt mit GPS-Tracker. Darüber können wir alle möglichen Leistungsdaten bekommen: Wie weit ist der Spieler gelaufen? Wie viele Sprints hat er gemacht? Was war seine Höchstgeschwindigkeit? Wo auf dem Platz hat er sich bewegt? Und noch viel mehr.

Das hört sich ziemlich interessant an.

Hardies: Das ist es auch. Das bringt einem als Trainer völlig neue Möglichkeiten. Wenn man an der Außenlinie steht und das Spiel verfolgt, sieht man eben nicht alles. Wenn wir beispielsweise mit zwei Sechsern spielen wollen - einer etwas offensiver, einer etwas defensiver - dann kann man über die Heatmap, also die Anzeige, wo auf dem Feld sich die Jungs bewegen, nun genau sehen, ob das auch wirklich funktioniert und die Positionen gehalten werden.

Und das klappt in der Praxis auch?

Hardies: Ja, auf jeden Fall. Wir haben das erst kürzlich bei Testspielen gegen die 1. und die 2. Mannschaft des SV Moringen gemacht und wollen das die ganze Saison über durchziehen. Die Jungs sind auch ziemlich interessiert und ziehen voll mit. Natürlich ist es für die Spieler erstmal ungewohnt, während Spiel und Training einen solchen Gurt zu tragen. Aber daran gewöhnt man sich schnell.

Weckt das nicht auch den Ehrgeiz der Spieler? Vermutlich will doch jetzt keiner mehr derjenige sein, der am wenigsten gelaufen ist, oder?

Hardies (lacht): Stimmt. Das spielt auf jeden Fall auch eine Rolle. Das ist natürlich motivierend für die Spieler. Jeder versucht kontinuierlich, sich zu verbessern. Und das ist ja auch genau das, was ich erreichen möchte - auch für mich selbst. Es geht mir nicht um die Kontrolle der Spieler. Es geht darum, dass wir uns als Team verbessern wollen. Und durch diese Art der Trainingsanalyse bekomme ich Rückmeldung, ob und inwieweit das funktioniert. Ein ganz witziger Randaspekt: Gemessen wird natürlich auch, wie schnell die Jungs sprinten. Und wenn man dann sieht, dass unsere Besten mit rund 32 km/h auch nur vier km/h hinter einem Bundesligaprofi wie Alphonso Davies von Bayern München liegen, dann ist das schon ziemlich krass.

Ist das Ganze nicht ziemlich zeitaufwendig?

Hardies: Ja, deshalb habe ich mir ja noch ein paar Jungs zur Unterstützung dazu geholt. Aber es macht mir auch einfach riesigen Spaß. Ich bin gern als Trainer auf dem Fußballplatz - ob bei der A-Jugend der JSG Weper hier in Moringen oder aber bei der SG Rehbachtal. Als das Angebot kam, an der Seite von Marco Düe als Trainer in der Bezirksliga bei Rehbachtal dabei zu sein, da musste ich einfach annehmen. Das ist eine tolle Chance für mich. Auch wenn das bedeutet, praktisch fast jeden Tag auf dem Sportplatz zu sein. Vier Mal pro Woche Training, dazu während der Saison zwei Spiele. Da bleibt nur noch der Freitag als wirklich freier Tag. Aber das passt schon. Ich wollte das ja so. (Marco Washausen)

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