Integrationsaufgabe von Flüchtlingen bei Fußballern angekommen / Quartett kam ohne Familien

Vier Jungs, die Werratal helfen

Haben sich der SG Werratal angeschlossen: Arkan Tekali (vorne von links), Asad Rashed, Yonas Alem und Ahmad Nasih Asad. Hinten Trainer Sebastian Lehne. Foto: Brandenstein

Lippoldshausen. Was hätte Werratals A-Jugend-Trainer Sebastian Lehne am Samstag nur ohne seine vier neuen Spieler gemacht? Seit Januar stehen Arkan, Asad, Yonas und Ahmad in seinem Team. Ohne die Fußballer aus Eritrea und dem Irak hätte es am Samstag aufgrund Spielermangels wohl kein Derby gegen Tabellenführer Tuspo Weser Gimte gegeben (Endstand 2:4). Insofern hat sich das Projekt der Integration von Flüchtlingen für die SG Werratal schon zu Beginn gelohnt.

Arkan, Asad, Yonas und Ahmad kamen im vergangenen Jahr als unbegleitete Flüchtlinge nach Deutschland. Wie so viele hoffen sie hier auf eine Zukunft, für die sie sich in Lebensgefahr begaben. „Arkan und Yonas sind über das Mittelmeer gekommen. Das war kein Spaß für die beiden“, erzählt Betreuerin Karen Schoch, Vorsitzende des Mündener Bürgertreffs. Sie und ihre Mitstreiter haben sich den jungen Männern angenommen und unterstützen sie bei vielen großen und kleinen Dingen. Als gebürtige Australierin weiß Schoch nur zu gut, dass es lange dauern kann, bis man sich in einem fremden Land zurechtfindet. „In ihrem Alltag fangen die Jungs ganz von vorne an. Sie wissen beispielsweise nicht, dass man einen Einkaufswagen nur bekommt, wenn man einen Euro hineinsteckt oder dass man in Geschäften entweder eine Tüte kaufen oder eine eigene mitbringen muss“, erzählt Schoch. Jetzt hat sie sich vorgenommen, den Mündener Neubürgern die deutsche Küche näher zu bringen. Spargel soll es demnächst geben.

Insgesamt gibt es mittlerweile in Deutschland knapp 70 000 unbegleitete, minderjährige Asylbewerber. In Münden sollen es rund 60 sein. Viele von ihnen gehen in die Berufsbildende Schulen Münden, wo sie nicht nur Deutsch lernen. Bei dem Werrataler Quartett haben sich in puncto Sprache schon gute Fortschritte eingestellt. Arkan erzählt, dass er mit seinen Eltern in Eritrea meistens nur ein, zweimal pro Monat telefonieren könne. Ohne Familie sei es für ihn sehr schwer. Aber er musste wohl gehen. Ein UN-Bericht aus dem vergangenen Jahr spricht von Folter und Straflagern in Eritrea. Hunderttausende Eritreer sind vor lebenslangem Militärdienst, Terror und Verfolgung geflohen. Vor ähnlichen Bedrohungen flohen auch die beiden Kurden Asad und Ahmad.

In Münden und bei der SG Werratal versuchen sie, sich ein neues Zuhause aufzubauen. Trainer Sebastian Lehne ist sehr angetan: „Wir müssen sie hier bei uns integrieren und wo geht das besser als im Sport“, meint er. Das Quartett sei sehr pflegeleicht und vor allem zuverlässig. „Sie sind wirklich in jedem Training dabei“, so Lehne, der das über alle deutschen Spieler in seinem Team nicht sagen kann.

Von Manuel Brandenstein

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