Auch für den Fußballkreis engagiert

Schiedsrichter Manfred Förster mit 77 noch immer an der Pfeife

Manfred Förster notiert während eines Spiels eine Verwarnung.
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Blick auf die Uhr: Manfred Förster notiert während eines Spiels eine Verwarnung.

Bei Manfred Förster reibt man sich die Augen: Kaum jemand glaubt ihn seine 77 Jahre, und zudem steht er auch noch als Fußball-Schiedsrichter seinen Mann. Über 3000 Spiele in 46 Jahren können sich wahrlich sehen lassen.

Hann. Münden – Erst mit 57 Jahren absolvierte er sein letztes Punktspiel als Fußballer. Und zwar wie immer im Trikot des TSV Werra Laubach. Für seinen Heimatverein hat der ehemalige kaufmännische Angestellte auch stets gepfiffen. Unter seinem Engagement als Schiedsrichter hat seine aktive Fußballerlaufbahn als Vorstopper nie gelitten. „Wenn ich nachmittags pfeifen musste, habe ich morgens in der zweiten Mannschaft gespielt und wenn ich morgens pfiff, zog ich mir eben nachmittags das Trikot der Ersten über; das war immer ein Wechselspiel“, beschreibt Manfred Förster seine Sportbegeisterung. Das Wichtigste war, dass seine Frau diese zeitliche Belastung toleriert hat. Gerade für Schiedsrichter sei das ungemein wichtig, denn „sie können nicht voll konzentriert eine hart umkämpfte Begegnung leiten, wenn sie im Hinterkopf haben, dass es zu Hause wieder Stunk gibt“.

In der ehemaligen Gaststätte „Zur Hafenbahn“, unweit der alten Werrabrücke in Münden, legte er seine Prüfung zum Unparteiischen ab. Schon damals waren die Sportvereine froh, wenn sich jemand für die anspruchsvolle Aufgabe an der Pfeife fand. Das war 1975, ein Jahr nachdem die deutsche Nationalmannschaft ihren zweiten von mittlerweile vier WM-Titeln gewonnen hatte.

Sein erster Einsatz war eine Jugendpartie in Hedemünden. Dabei spielten dem Anfang 30-Jährigen die Nerven einen Streich: „Ich weiß nicht warum, aber ich war der Meinung, dass man nach einem Foul im Strafraum auch einen Freistoß geben könne; und das habe ich auch getan“, muss Förster heute noch schmunzeln. Damals habe es aber auch keine Betreuung der Schiedsrichter-Neulinge durch erfahrene Kollegen gegeben. Heutzutage würde ein solcher Fehler umgehend ausgebügelt.

Von der ersten Kritik („die Leute hatten ja absolut recht“) ließ sich Manfred Förster aber nicht beirren. Durch sogenanntes „Learning by Doing“ entwickelte er sich zu einem geachteten Spielleiter, der besonders dadurch auffiel, sein eigenes Ego immer zum Wohle des Spielgeschehens zurückzustellen. Laute Töne oder gar Wutausbrüche waren und sind von ihm fast nie zu sehen, wenn auch ein energischer Ton stets mit an Bord ist. Sein Motto entsprang seinem allerersten Schiedsrichterausweis. „Dort stand vorne drin: Du sollst der 23. Kamerad auf dem Platz sein. Das ist meiner Meinung nach auch heute noch wichtig.“

Dass die Schiedsrichterei einen klaren und ausgeruhten Kopf erfordert, wurde Manfred Förster bei einem Einsatz in Bad Karlshafen klar: Zu dieser Partie reiste er in großer Eile an einem Samstag an – unmittelbar nachdem er zuvor noch gearbeitet hatte. Und er bekam die Folgen zu spüren: „An diesem Tag konnte ich pfeifen, was ich wollte; es war alles falsch. Nach dem Spiel, das unentschieden ausging, wurde ich entsprechend am Rande in Empfang genommen. Hektik im Vorfeld eines Spiels sollte man wirklich dringend vermeiden!“ Einen Spielabbruch hat Manfred Förster übrigens in seiner langen Laufbahn nie veranlassen müssen. „So weit habe ich es nie kommen lassen. Einmal, in Diemarden, wurde getreten und geschubst, dass es wirklich keine Freude war. Dann habe ich unterbrochen und die Spielführer ins Gebet genommen. Nachdem die Kapitäne mit ihren Mannschaften gesprochen hatten, war plötzlich alles gut. Darüber habe ich mich richtig gefreut.“ Auch Rote Karten zu zeigen, ist Förster beinahe fremd: „Ich weiß noch nicht mal, ob ich in den vielen Spielen mehr als 20 Rote gezeigt habe.“

Bei aller Kumpelhaftigkeit, die auf vielen Plätzen üblich ist, sieht es Förster auch nach Jahrzehnten als erforderlich an, eine gewisse Distanz zu wahren, um das Amt nicht zu beschädigen. Wird ihm beispielsweise nach einem Spiel ein Bier und eine Bratwurst angeboten, lehnt er dankend ab. Zumindest solange die Schiedsrichterkluft getragen werde, sollte sich nach seiner Überzeugung jeder Schiri daran halten. „Ich finde einfach, das würde keinen guten Eindruck vom Unparteiischen machen“, sagt er.

Und wie lange will er noch wöchentlich auf dem Platz stehen? „Im Moment habe ich noch den Eindruck, dass ich hinterherkomme. Wenn ich merkte, dass ich es körperlich nicht mehr schaffe, höre ich auf.“ Förster will von Jahr zu Jahr entscheiden. Die vielen Freundschaften, die sich durch den Sport entwickelt haben, bedeuten ihm noch sehr viel.

Manfred Förster ist seit Jahrzehnten auch als Funktionär auf Kreisebene engagiert. Derzeit leitet er die Staffeln D der 2. und 3. Kreisklasse, was besonders aufgrund der Spielplangestaltung mit hohem Zeitaufwand verbunden ist. Zudem war er neun Jahre lang Kreisschiedsrichter-Obmann, Ansetzer und Geschäftsführer im Schiedsrichterausschuss. Und zu guter Letzt kümmert sich der 77-Jährige auch noch um Kollegen, die den mittlerweile geforderten elektronischen Spielbericht nicht selbst ins Internet bekommen. Wie gesagt: Die Älteren halten die Fahne noch ganz schön hoch. (Manuel Brandenstein)

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