Er trug den Löwen im Herzen

Er war ein Fan-Unikum des KSV Hessen Kassel: Günter Kratz mit 60 gestorben

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Dabei seit 1978: Günter Kratz.

Langjähriger Fan und Wegbegleiter des KSV Hessen verstorben.

Beim Pokalderby war er noch da. Als Fußball-Hessenligist KSV Hessen Kassel am 22. Februar dieses Jahres auf dem Kunstrasenplatz nahe des Auestadions gegen den KSV Baunatal spielte, da durfte Günter Kratz nicht fehlen. Unverkennbar, mit seinem Bart, den langen Haaren, ein wenig an Catweazle erinnernd, diesen leicht schrulligen Zauberer aus der gleichnamigen TV-Serie der 70er Jahre.

Viele Fußball-Klubs haben diese Fans, die nahezu jeder kennt rund um den Verein. Beim KSV ist Günter Kratz einer von ihnen. Ein echtes Unikum. Er trug den Löwen im Trikot auf der Brust und im Herzen. Und er trug ihn an einer großen Fahne, die auffiel, weil sie zusätzlich geschmückt war mit vielen Bändern. Bänder die für Geschichten standen rund um seinen Verein. Für Spiele. Für Erinnerungen. Günter Kratz ist nun im Alter von 60 Jahren gestorben. Der Verein meldete seinen Tod am Wochenende auf der Homepage.

Kratz wurde 1959 in Hessisch Lichenau geboren. Später lebte er in Göttingen, war Programmierer. Seine große Liebe? Die Löwen. Als Fan wurde er sogar bundesweit bekannt, als das Fußball-Magazin „11 Freunde“ über ihn berichtete. 2006 stellte auch unsere Zeitung Kratz vor. Unser Autor traf ihn bei seinem Bruder in Lohfelden. Und lernte einen Menschen kennen, dessen Leben in allen Facetten mit dem Verein verbunden war. Kratz ging nicht einfach nur zu Spielen. Er sog sie auf. Und er protokollierte sie. So wie seine Fahne für Erlebtes mit den Löwen stand, so wichtig war auch sein Diktiergerät. Hier hielt er seine Gedanken fest während eines Spieles.

Dieses Jahr 2006 war ja ein Besonderes in der Historie der Hessen. Am 25. Mai erzielt Thorsten Bauer in Frankfurt das 1:0 gegen den FSV. Kassel steigt auf in die Regionalliga. Natürlich ist Kratz dabei. In diesen Tagen trägt er meist das T-Shirt mit dem Spruch, den der damalige Trainer Matthias Hamann prägte: „Es ist nicht wichtig, wer als Erster losläuft, sondern wer als Erster ankommt.“ Es sind seine Löwen, die als Erster ankommen. Und Kratz spricht in den letzten Minuten der Partie am Bornheimer Hang unentwegt in sein Diktiergerät. Es ist das Protokoll der Leiden eines Fans. „Lieber Gott, wenn wir jetzt eins fangen, ist alles vorbei“, fleht er. Und: „Wie lange denn noch, Junge? Wie lange will er denn noch laufen lassen?“ Das ist in der Nachspielzeit. Als der Schlusspfiff ertönt, klingt es so: „Und jetzt, jetzt. 17 Uhr zehn und 13 Sekunden. Jaaaa, Jaaaa, wir ham’s.“ Kollege Hagemann wird später aufgeklärt: Die Uhr sei vorgegangen. Als der Aufstieg fest stand, sei es 17.07 Uhr gewesen. Und 13 Sekunden!

So genau hat er es genommen mit seinem KSV. Jede Eintrittskarte wurde gesammelt. Und das waren viele, seit Kratz am 26. August 1978 erstmals bei einem Spiel der Löwen war, der damals 1:3 gegen Bergshausen verlor. Über mehrere Jahre veröffentliche er seine Gedanken zum KSV in der Stadionzeitung. Titel: Günters Gedanken. Auf der Homepage gedenkt der KSV nun seinem großen Fan: „Sein plötzlicher Tod ist ein großer Verlust für den KSV Hessen Kassel und lässt uns fassungslos zurück.

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