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Kevin Sobotta: Kapitän und Knipser

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Von: Gerhard Menkel

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Kevin Sobotta bejubelt mal wieder ein Tor, hier assistiert ihm Artur Berger (9).
Hoch soll er leben: Kevin Sobotta bejubelt mal wieder ein Tor, hier assistiert ihm Artur Berger (9). © Artur Worobiow

Kevin Sobotta hat gerade das, was man einen Lauf nennt. Eigentlich ist es ein „Trifft“. Es geht schon die ganze Saison: 27 Buden in der Liga, dazu acht im Waldecker Pokal. Der Arolser ist unser Kopf der Woche.

Bad Arolsen - Sechs Bälle hat der Stürmer des Kreisoberligisten TuS Bad Arolsen allein in den letzten drei Partien in den Toren anderer Mannschaften versenkt, hübsch in Zweierpacks gestückelt. Kein anderer Torjäger im Fußballkreis hat in dieser Saison häufiger getroffen. „Es macht gerade Spaß ihm zuzugucken“, sagt Carsten Strippel, der Vorsitzende des TuS.

Sobotta kommt vor allem über die Geschwindigkeit. Ein Tempospieler; die Kollegen wissen sowohl den langen Ball wie den Pass in die Schnittstelle bei ihm meist gefährlich am Fuß. Er weiß umgekehrt, was er an den Assists hat. „Meine Mannschaft setzt mich ziemlich gut in Szene“, sagt er.

Sobotta ist stark im Eins-gegen-Eins, einer, der nicht lange fackelt, und er ist ausgestattet mit einer gewissen Unbedingtheit. „Ich bin Stürmer und will natürlich so viel knipsen, wie es geht“, sagt er. Dass er deshalb auch mal einen besser postierten Mitspieler übersieht, findet Sobotta nicht klasse, aber es sei vielleicht der normale Egoismus der Angreifer in allen Teams. Und klar: Auch er legt Kollegen auf, damit sie abschließen.

Das Arolser Duo übertrifft beim Toreschießen alle anderen Teams

Schon die vergangene Abbruch-Saison schloss der 26-Jährige als Primus der KOL-Torjägerstatistik ab (16 Treffer in 9 Spielen). In der laufenden Runde, in der Arolsen in der traditionellen „Herbstkrise“ (Sobotta) die Playoffs der KOL verspielte, lieferte er sich ein längeres Duell mit dem Teamkollegen Artur Berger um die Rolle des Budenmachers Nummer eins beim TuS. Berger steht derzeit bei 19 Treffern; macht zusammen 46, und damit haben sie zu zweit mehr Tore erzielt als jede einzelne andere Mannschaft der Abstiegsrunde.

„Es hätten noch ein paar mehr Buden sein können“, sagt Kevin Sobotta. Jede Chance nutzt er auch nicht. Vor allem die Kopfballsituationen bieten gewisse Herausforderungen. „Ich habe auch mal das ein oder Kopfballtor gemacht, aber aufgrund meiner Größe, meiner geringen Sprungkraft und weil ich nicht genügend Druck hinter den Ball bekomme, bin ich nicht der ideale Kopfballspieler“, sagt Sobotta (1,72 Meter).

Sobottas Ziele: Waldecker Pokal und Abstiegsrunde gewinnen

Er hat sich telefonisch aus einem Dörfchen in Polen gemeldet, nicht sehr weit von Kattowitz. Die Tante feiert runden Geburtstag, Ehrensache, dass der Neffe anreist. Er ist am Ostermontag nach dem 5:0 im Viertelfinale des Waldecker Pokals in Rhoden losgefahren. Das gute Gefühl in der Tasche, dass was geht in diesem Wettbewerb. Der TuS und Sobotta, sie haben ganz fest vor, den Pokal mal wieder nach Arolsen zu holen.

„Wir wollen nicht am Finaltag nach Basdorf fahren und das Spiel um Platz drei machen. Und sollten wir ins Finale kommen, wollen wir natürlich gewinnen, der zweite Platz interessiert uns nicht“, sagt Sobotta. Da spricht nicht nur der Torjäger, sondern auch der Spielführer Sobotta, der seine Mannschaft auf ein zweites Ziel eingeschworen hat: die Abstiegsrunde gewinnen. „Wenn wir nur Zweiter werden, haben wir das Ligaziel verpasst“, sagt er. Darin seien sie sich einig.

Zur Person

Kevin Sobotta (26) wohnt in Bad Arolsen, spielt seit seinem ersten Seniorenjahr unterunterbrochen für den TuS. Als Kind und nach Jugendjahren in Korbach (TSV und Blau-Gelb), wo die Familie eine Zeit lang wohnte, trug er bis zur A-Jugend das Trikot des TuSpo Mengeringhausen, blieb aber danach nur ein halbes Jahr am Hagen. Der Torjäger hat zwei Geschwister, ist unverheiratet, sein Geld verdient er als Logistiker. Vor jedem Spiel durchläuft er ein kleines Ritual: den Platz zuerst mit rechts betreten, sich als guter Katholik bekreuzigen und dann alle Mitspieler abklatschen. (mn)

Als Kapitän will Sobotta nicht nur voran gehen, er sieht sich auch in der Mittlerrolle zwischen den älteren und den jüngeren Spielern im Kader von Trainer Torsten Mähl. „Ich weiß, was die Älteren wollen und ganz gut, wie die Jüngeren ticken“, sagt er und findet: „Wir haben gerade einen guten Teamgeist.“

Das bedeutet ihm viel. Und bindet ihn. Sobotta hat das Zeug für eine höhere Spielklasse, klar. Es kämen Anfragen, ob er nicht den TuS verlassen wolle, erzählt er. Seine Reaktion schildert er so: Er bedanke sich, sage aber, er habe kein Interesse, den Verein zu wechseln, weil er sich beim TuS sehr wohl fühle. „Ich habe hier meine Freunde, mir macht das Spielen hier Spaß, wir haben ein gutes Verhältnis.“

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