Neue Spielformen sollen Außenseiterrollen in der Mannschaft verhindern

Kinderfußball: Mehr Ballkontakt ist der Schlüssel zum Erfolg

 Junge Kicker
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Jeder in der Mannschaft ist wichtig: Junge Kicker sollen mit den veränderten Spielformen im Kinderfußball mehr Ballkontakte haben – und damit effektiver lernen und öfter zum Einsatz kommen.

Die jüngsten Fußballer müssen sich umstellen: Es gibt neue Spielformen im Kinderfußball. In dieser Saison, die wegen Corona nur schwer ins Laufen kommt, beteiligen sich 21 Landesverbände an einer bundesweiten Pilotphase des Deutschen Fußballbundes (DFB).

Zum Start der Saison 2020/2021 im Kinder- und Jugendfußball hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ein umfangreiches Themen- und Informationspaket zu den veränderten Spielformen im Kinderfußball entwickelt. Die Testphase läuft bereits. Wir stellen die Änderungen der Spielformen in den Altersklassen bei den Jüngsten von der G- bis zur E-Jugend vor. Außerdem haben wir Vorteile des Projektes zusammengefasst.

 G-Jugend (U6/U7)

Bei den jüngsten Teilnehmern ist das Spielfeld 16 x 20 bis 28 x 22 Meter groß. Es wird im Zwei-gegen-Zwei oder Drei-gegen-Drei gespielt. Jedes Team hat maximal zwei Einwechselspieler. Gespielt wird auf vier Mini-Tore – das heißt, jedes Team verteidigt zwei Tore. Einen Torwart gibt es nicht. Die Spielzeit beträgt maximal zehn Minuten.

 F-Jugend (U8/U9)

Es wird im Drei-gegen-Drei gespielt auf einer Spielfeldgröße von 26 - 28 Meter x 20 - 22 Meter. Alternativ ist auch ein Fünf-gegen-Fünf möglich: auf einem Feld von 40 x 22 bis 25 Meter. Beim Drei-gegen-Drei gelten die Regeln wie in der G-Jugend. Beim Fünf-gegen-Fünf spielen die Kleinen entweder auf vier Mini-Tore oder auf zwei Kleinfeldtore. Und das maximal zwölf Minuten lang.

 E-Jugend (U10/U11)

Hier wird im Fünf-gegen-Fünf oder im Sieben-gegen-Sieben gekickt. Wenn Fünf gegen Fünf antreten, gelten dieselben Regeln wie in der F-Jugend. Beim Sieben-gegen-Sieben treffen je sechs Feldspieler plus Torwart aufeinander. Die Teams spielen auf zwei Kleinfeldtore. Die zwei Halbzeiten betragen jeweils zwölf Minuten, eine Gesamtspielzeit also 24 Minuten.

 Vorteile

Jedes Kind spiele nach Angaben des DFB mit und habe somit mehr Aktionen am Ball. Die neuen Formen seien insgesamt kindgerechter, denn je größer die Teams, desto weniger Ballkontakte haben einzelne Spieler. Außerdem hätten die Trainer durch die neuen Formen die Möglichkeit, den Kindern den Sinn von Sieg und Niederlage zu erklären, heißt es auf der DFB-Homepage. „Beteiligung am Geschehen ist der Schlüssel, um Kinder langfristig beim Fußball zu halten“, sagt Markus Hirte, Sportlicher Leiter der Talentförderung beim DFB.

Auch für die Torhüter sind die neuen Formen hilfreich: Ähnlich wie Manuel Neuer sollen die Jüngsten früh damit beginnen, mitzuspielen und Situationen schnell zu antizipieren. „Es sollen wirklich alle spielen“, sagt Hirte. Mit dieser Aussage spielt der Sportliche Leiter auf einen weiteren Vorteil an: Die Eltern der Spieler hätten keine Einwände mehr, dass ihr Kind nicht oft genug zum Einsatz kommt. (Cora Zinn)

Schmolt: „Für die Kinder ist es zurzeit eine Qual“

Die Corona-Pandemie hat auch das Pilotprojekt des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in der Region kurzfristig lahmgelegt. Der Hessische Fußball-Verband (HFV) musste in sechs Regionen die Spielzeit und somit auch das Projekt unterbrechen. Wir sprachen mit Joachim Schmolt, Kreis-Jugendfußballwart in Waldeck und stellvertretender Verbandsjugendwart des HFV, über Entwicklung, Stillstand und Erfolge im Kinderfußball.

Herr Schmolt, wie schlimm ist es für die Kinder, zurzeit nicht trainieren zu dürfen?
Diese Entwicklung ist ganz schlimm. Für die Kinder ist es zurzeit eine Qual. Dabei würden sie doch draußen an der frischen Luft trainieren. Ich würde 100 000 Petitionen unterschreiben, nur damit die Kinder wieder im Freien Fußball spielen dürften. Auch, wenn es dafür Kritik gibt. Ihnen fehlt ja nicht nur die Bewegung, sondern ihnen fehlen vor allem auch die sozialen Kontakte.

Joachim Schmolt beim Verbandsjugendtag in Grünberg.

Inwiefern beeinflusst die Pandemie das Pilotprojekt?
Das Pilotprojekt hatte sich bereits gut entwickelt. Alle 32 Kreise des HFV hatten in der vergangenen Saison bereits die Termine fürs Frühjahr fertig. Die jeweiligen Turnierformen sollten in Präsentationen vor Ort vorgestellt und umgesetzt werden. Doch die Pandemie hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Im Sommer hatten wir uns dann gefragt, ob und wie es weitergehen kann. Alle Omas und Opas, Eltern und Geschwister auf den Plätzen? Das wäre nicht die richtige Vorgehensweise gewesen. Von daher liegt das Projekt jetzt seit über einem Dreivierteljahr mehr oder weniger auf Eis.

„Der DFB bildet keine Torhüter mehr aus“, heißt es oft. Ist das so?
Das ist tatsächlich oft zu lesen, aber diesen Aspekt findet man nur im einfachen Drei gegen Drei. Die Fair-Play-Liga 4.0 bietet aber viele Varianten, unter anderem eine mit jeweils einem Torspieler, der aber auch ständig innerhalb der Mannschaft rotiert. Der DFB rückt für weitere mögliche Spielformen in den unterschiedlichen Altersklassen den Torspieler immer wieder in den Mittelpunkt, wo dieser auch zusätzlich als Torwart fungieren kann. In dieser Spielform ist Manuel Neuer das perfekte Beispiel. Wir wollen in Zukunft mehr solche Neuers haben, die so mitspielen wie er.

Jedes Kind hat laut dem DFB mit den neuen Formen mehr Erfolgserlebnisse. Unterstützen Sie diese Aussage?
Ja. Wir haben 2018 in Grünberg ein Test-Turnier gestartet, um auch die künftigen Referenten zu schulen. Erst haben wir sieben gegen sieben gespielt, ehe wir die Felder umgebaut haben. Am Ende haben wir die Kinder gefragt, wer denn alles ein Tor geschossen hätte. Da haben sich alle gemeldet. Das ist es, was wir auch in Zukunft wollen. Die Kinder finden das System super, es ist variabler, und jeder einzelne ist immer Hauptdarsteller des Spiels. Kein Kind wird benachteiligt, es sind faktisch alle mittendrin statt nur dabei. (Cora Zinn)

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