Unterschiedlichen Anwendung der Hygiene-Vorschriften – Zuschauer nicht überall erlaubt

Mal mit, mal ohne Duschen: Corona-Vorgaben bereiten Fußballern Probleme

Zurück auf’m Platz: Beim Blitzturnier der SG Vasbeck/Adorf am Wochenende in Vasbeck durften sich die Fußballer erstmals wieder näher kommen. In dieser Szene kommt Felix Behle (Vasbeck/Adorf) vor Jan Philipp Bangert (Nr. 4) und Patrick Fennig von der SG Rhoden/Schmillinghausen an den Ball.
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Zurück auf’m Platz: Beim Blitzturnier der SG Vasbeck/Adorf am Wochenende in Vasbeck durften sich die Fußballer erstmals wieder näher kommen. In dieser Szene kommt Felix Behle (Vasbeck/Adorf) vor Jan Philipp Bangert (Nr. 4) und Patrick Fennig von der SG Rhoden/Schmillinghausen an den Ball.

Groß war die Freude bei den heimischen Amateurfußballern, als die Landesregierung die Kontaktbeschränkungen für ihren Sport aufhob. Doch nach den ersten tagen zeigt sich: Die Vorschriften werden unterschiedlich angewendet.

Ja, was denn nun? Das dürften sich einige Fußballer und Schiedsrichter in den ersten Tagen nach dem wieder freigegebenen Spielbetrieb in Hessen gefragt haben. Spieler und Vereinsvorstände bereiteten sich ausgiebig darauf vor, in Training und Wettkampf wieder ohne zahlenmäßige Begrenzung und Abstandsregeln agieren zu dürfen und dass sie alle Vorgaben des Hygienekonzeptes erfüllen können.

Nach den ersten Tagen hat sich gezeigt: Grundsätzlich hatten die Vereine, die bereits gespielt haben, mit dem Ablauf keine Probleme. Allerdings ergaben WLZ-Recherchen: Hier und da gibt es mehr Einschränkungen als gedacht. Heißt: Nicht in allen Kommunen werden die Lockerungen der hessischen Landesregierung umgesetzt. Der „schwarze Peter“ liegt aus Sicht der Fußballer vor allem bei der Stadt Korbach.

Nach Ende der Sommerferien wird über weiteres Vorgehen entschieden

Ein Schiedsrichter musste bei einem Testspiel am Wochenende damit Vorlieb nehmen, dass ihm keine Kabine zur Verfügung steht. Das dürfte in der Hansestadt kein Einzelfall bleiben. „Die Umkleidegebäude sowie die Dusch- und Waschräume bleiben mindestens bis zum Ende der Sommerferien geschlossen.“ Das steht in einem der WLZ vorliegenden Schreiben der Stadt Korbach an alle örtlichen Vereinen. Weiter heißt es darin: „Zuschauer sind nicht gestattet“ und „Insbesondere bei Trainingsspielen oder Wettkämpfen ist auch keine Verpflegung der Gäste mit Speisen und Getränken möglich.“

Diese Regelung bestätigte gestern Ute Jennemann von der Stadt Korbach. Die Bürgermeister des Kreises und der Landkreis hätten bei ihrer jüngsten Konferenz beschlossen, das Sporthallen sowie Duschen und Umkleidekabinen weiterhin nicht genutzt werden sollen, erklärte die Abteilungsleiterin des Sozial- und Kulturamtes der Stadt, das sich auch um Sportbelange kümmert. „Nach Ende der Sommerferien gibt es erneut eine gemeinsame Runde, bei der das weitere Vorgehen besprochen werden soll“, sagte Ute Jennemann, die auf das von fast allen Vereinen genutzte Hygienekonzept des Hessischen Fußballverbandes (HFV) verwies. Laut diesem sind zusätzliche örtliche Maßnahmen zulässig, sofern es keine Lockerungen sind.

„Es ist immer noch vieles unklar“, so die Erfahrungen von Ute Jennemann, die auch Bürgermeister vieler Kommunen teilen. Sie raten, in Zweifelsfällen Rücksprache mit der zuständigen Behörde zu halten. Und das könnte sich lohnen, denn wie es scheint, verfahren nicht alle Städte und Gemeinde nach dem gemeinsamen Beschluss. Das ergab unsere Stichprobe im Landkreis und das zeigen die ersten Erfahrungen vom Wochenende. In Bad Arolsen halte man sich bis auf weiteres an die Absprachen der Bürgermeister-Dienstversammlung, ließ Bürgermeister Jürgen van der Horst mitteilen.

Bälle und anderes Trainingsmaterial desinfizieren ist nur eine der Aufgaben, die das Hygienekonzept für den Fußball vorsieht. Unser Bild entstand beim Torwarttraining in Korbach.

Aber es liegt auf der Hand, dass es unterschiedliche Vorgehensweisen gibt. Einige Kommunen ordnen sich offenbar dem Beschluss der Landesregierung unter. Positiv jedenfalls waren die Erfahrungen am Wochenende. In einigen Orten haben bereits Vorbereitungsspiele stattgefunden, ohne dass es zusätzliche Auflagen oder Probleme gab. Viele Vereine bedauern, dass es kein einheitliches Vorgehen gibt, was zu Verunsicherung führen könnte.

Allerdings: Noch nicht alle Vereine haben sich konkret mit allen Auflagen befasst. „Unsere ersten Heimspiele stehen erst in mehr als einer Woche an“, sagt beispielsweise Michael Neuhaus von der SG Bad Wildungen/Friedrichstein.

„Gerade für die anstehenden ersten Pokalspiele wäre es schade, wenn sie ohne Publikum stattfinden müssten“, sagt Kreisfußballwart Gottfried Henkelmann. Er setzt sich für betroffene Vereine ein. Ihm sei keine weitere Kommune bekannt, die so verfahre wie Korbach, so Henkelmann. Er unterstützt den TSV Korbach dabei, etwas zu ändern. „Wir versuchen, zunächst einmal in Nieder-Ense zu spielen, weil das dortige Sportlerheim dem Verein und nicht der Stadt gehört“, teilte Norbert Henkler, sportlicher Leiter beim TSV, mit. Ob die Stadt für diese Lösung ihr Okay gibt, war zunächst noch offen.

Ebenso, ob die Stadt auf die E-Mail des Hessischen Fußballverbandes reagiert hat. Henkelmann hat Frank Illing, Vorsitzender des Ausschusses für Qualifizierung und Vereinsentwicklung beim Hessischen Fußballverband, eingeschaltet, der als Experte die Vereine vorige Woche täglich in Onlinekursen geschult hat. Auch er erhofft sich ein Einlenken der Stadt Korbach. Eines seiner Argumente: Sich zu viert nach dem Spiel ins Auto zu setzen und zum duschen zu fahren, sei sicher nicht im Sinne des Hygienekonzeptes.

Henkelmann erinnert Vereine an Meldung des Hygienekonzeptes

Bevor die Vereine aber Abstandsmarkierung kleben und Hinweisplakate aufhängen, muss aber eine wichtige Grundlage erfüllt werden: das Vorlegen des Hygienekonzeptes beim Kreisfußballwart. Wer das HFV-Konzept anwendet, muss dies nur schriftlich dem Kreisfußballwart mitteilen. Darauf wies Gottfried Henkelmann hin. „Einige Vereine sind noch säumig“, sagt er. Bis heute Abend haben zum Beispiele die Vereine noch Zeit, Meldung bei Henkelmann zu machen, die am Freitag Gastgeber bei einem Spiel im Waldecker Pokal sind.

Der KFW betont, er sei nicht bereit, ein Auge zuzudrücken. „Wir können nicht Konzepte aufstellen und die dann außer Acht lassen.“ Sollte ein Vereine die erforderlichen Angaben nicht machen, wird das Pokalspiel kampflos zugunsten des Gegners gewertet.

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