Aufstiegsfieber nach 20 Jahren

1. FC Gimte will endlich die unterste Spielklasse verlassen

Da ist das Ding: Matthias Dockenfuß stemmt 1996 den Meisterpokal, links Frank Drube, rechts Andreas Sadowsky.

Hann. Münden. Die ehemaligen Feierbiester des 1. FC Gimte sind ehrgeizig geworden. Am Freitag wollen die Fußballer aufsteigen.

Dann erwartet der TSV Jahn Hemeln II in der 3. Fußball-Kreisklasse den 1. FC Gimte (18.30 Uhr). Sicherlich kein Spiel, das es in die bundesweiten Schlagzeilen schaffen wird. Und doch ist es für die Gimter etwas ganz Besonderes. Der Verein, der fast schon symbolisch für Fußball in der untersten Liga steht, kann zum ersten Mal seit 20 Jahren aufsteigen. Die Vorfreude ist riesig.

Ähnliches gab es nur einmal in der 22-jährigen Vereinsgeschichte: 1996 schaffte der FC vorübergehend den Sprung in die 2. Kreisklasse. Nach dem abschließenden 9:0 gegen den MSV Münden III krochen die Spieler auf den Knien in Form einer Raupe über den Platz. Einer, der schon damals an Bord war und gegen den MSV zwei Tore schoss, ist Andreas Sadowsky, heute 2. Vorsitzender des Vereins. Gut möglich, dass er am Freitag mal wieder eines seiner Lieblingslieder auflegt: „I just can’t get enough“ von der Kultband Depeche Mode. Der Songtitel steht für die aktuelle Saison. Tatsächlich können die Gimter „einfach nicht genug bekommen“. 17 Spiele haben sie bestritten, 17-Mal verließen sie den Platz als Sieger. „Die Saison ist einfach überragend“, meint Sadowsky. „Wir werden über 100 Tore schießen und hoffentlich auch ohne Verlustpunkt durchkommen.“ Ohne Jahn Hemeln II zu nahe treten zu wollen, sollte der Tabellenneunte weder die makellose Bilanz noch den vorzeitigen Aufstieg am drittletzten Spieltag gefährden können.

Der FC wird seit den ersten Tagen dieser Saison, die mit den Zugängen von Adrian Griesam, Patrick Kroker und Timo Jesswein so spektakulär begann, anders wahrgenommen. „Jetzt bekommen wir die Anerkennung, weil wir eine Top-Mannschaft haben und nicht nur weil wir den Spielbetrieb aufrecht erhalten“, sagt Andreas Sadowsky weiter.

Das kann Vereinsvorsitzender Winfried Wittling nur bestätigen. Es habe sich während seiner 15-jährigen Amtszeit öfter mal die Frage gestellt, ob man zur neuen Saison noch eine Mannschaft zusammenbekomme. Aus den Existenzängsten ist heute Freude und auch ein gewisser Stolz geworden. „Was in dieser Saison passiert, ist für mich ein völlig neues Gefühl“, berichtet Winfried Wittling. „Es gibt eine sehr erfreuliche Entwicklung. Wir wurden in Gimte doch lange Zeit belächelt. Jetzt sind wir anerkannt und auch integriert.“ Unter anderem deshalb, weil sich der FC mittlerweile bei Festen wie dem Osterfeuer oder der Kirmes ähnlich wie andere Ortsvereine engagiert. So läuft es auch auf dem Spielfeld: Aus der einstigen Feiertruppe ist ein ehrgeiziges Team geworden, das sich aber den Spaß trotzdem bewahrt hat. Spielertrainer Adrian Griesam, der die Mannschaft gemeinsam mit Roman Sommer betreut, gibt sich für den Freitagabend zuversichtlich: „Wir wollen aufsteigen. Und das sollten wir auch hinbekommen.“

Bleibt nur die Frage: Wo ist eigentlich der riesige Pokal, den sich die Meistermannschaft von 1996 selbst kaufte, um bei der Feier etwas in den Händen zu halten? Winfried Wittling erinnert sich, dass die Trophäe - übrigens eine Nachbildung des Champions-League-Pokals - einst im Gasthaus „Zum Anker“ stand, das längst geschlossen ist. Seitdem fehlen dem FC neben dem Pokal auch Fotos aus den Anfängen des Vereins. Nur gut, dass die Bilder vom Freitag auf zahlreichen Festplatten gesichert werden dürften.

Von Manuel Brandenstein

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.