Carsten Ernst in seiner letzten Saison

SG Escherode/Uschlag: Trainerwechsel nach 24 Jahren

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Die Wege trennen sich: Carsten Ernst wird nach dieser Saison keine Halbzeitansprachen bei der SG Escherode/Uschlag mehr halten. 

Seit 1996 ist  Carsten Ernst Trainer im Escheröder Fußball und ein Ende war bislang nicht absehbar. Doch es kommt anders. Bei der SG Escherode/Uschlag wird das vorbereitet, was lange Zeit undenkbar schien: ein Trainerwechsel.

Der Staufenberger Verein – und vor allem der TSV Escherode, der 2010 mit dem TSV Uschlag zusammenging – liefert seit mittlerweile 24 Jahren sozusagen den Gegenentwurf des hektischen Profigeschäfts. In der Bundesliga ist außer Freiburgs Christian Streich kein Trainer länger als knapp drei Jahre im Amt. Im unaufgeregten Escherode setzte man hingegen stets auf Kontinuität und seit fast einem Vierteljahrhundert auf Carsten Ernst – vermutlich ein einsamer Rekord in der Region. Dabei profitierte der Verein, der in den vergangenen Jahren stets einen vorderen Tabellenplatz in der Kreisliga A Kassel belegte, von einem Trainer, der für Vereinstreue und Zuverlässigkeit steht. „Bei uns hier oben gab es nie Geld. Wir haben den Laden immer über Kameradschaft zusammengehalten. Das rechne ich mir positiv an“, sagt Ernst.

Der 56-Jährige war von der Entscheidung der beiden beteiligten Fußballsparten, die kommende Saison mit einem neuen, einem jüngeren Trainer in Angriff nehmen zu wollen, regelrecht geschockt. Vor allem die Art und Weise gefiel ihm nicht: „Das war das erste Mal, dass wir nicht offen miteinander umgegangen sind. Im Vorfeld hatte es keine großen Konflikte gegeben. Deshalb hat mich das alles sehr überrascht.“

Fest steht: Die SG muss über kurz oder lang in der Mannschaft mit ihren vielen älteren Spielern einen Umbruch einleiten und traut diesen offenbar einem neuen Coach eher zu. Carsten Ernst ist in Escherode verwurzelt; die Familie schon lange mit dem TSV verbunden. Sein Großvater, Ortwin Lücke, der in diesem Jahr ebenfalls 100 Jahre alt geworden wäre, hatte das Amt des Vorsitzenden inne; sein Vater baute unter anderem beim Vereinsheim mit und Sohn Marcel (25) gehört zum aktuellen Spielerkader. Carsten Ernst, der ehemalige Ober- und Landesligaspieler von Hermannia Kassel, KSV Baunatal und TSG Wattenbach, hatte einige zusätzliche Aufgaben übernommen, nachdem Mannschaftsbetreuer und Cousin Wolfgang Ernst gestorben und Oliver Schröder aufgehört hatte. Trotz des großen Zeitaufwandes hätte Carsten Ernst zumindest in diesem Jubiläumsjahr seine Dauer-Schicht im Trainerbüro am liebsten verlängert.

Doch nun muss er sich mit der Entscheidung abfinden. Die laufende Saison, die am Sonntag mit einem Heimspiel gegen den FSV Kassel fortgesetzt werden soll, will er aber noch durchziehen. „Ich hatte mir zwar einige Tage Bedenkzeit erbeten, habe mich dann aber dafür entschieden“, sagt der zweifache Familienvater. Von der Mannschaft habe es für den Entschluss Applaus gegeben.

Das sagt der Verein

Auch für den Vorsitzenden des TSV Escherode ist das ungewohnte Thema Trainerwechsel ein schwieriges. Gerold Ferber sagt: „Wir alle hatten damit schwer zu tun, denn wir wissen, was Carsten für den Verein geleistet hat.“ Allerdings habe sich der TSV zu dem Schritt veranlasst gesehen. 

Der Vorstand begründet das Vorgehen mit der Einschätzung, dass es dem Verein immer schwerer gefallen sei, junge Spieler an sich zu binden. „Die Situation ist immer kniffliger geworden, unter anderem deshalb, weil unsere Nachbarn förmlich aufgeblüht sind“, sagt Ferber. Damit meint er den Tuspo Nieste, der im Sommer in die Kreisoberliga aufstieg und die SG Landwehrhagen/Benterode, die den Sprung in die Kreisliga A schaffte. Damit hätten beide Konkurrenzvereine ihre Attraktivität für junge Leute gesteigert. „Wir haben außerdem den Eindruck, dass sich junge Spieler heutzutage unheimlich in Richtung junger Trainer orientieren. Bei uns stagnierte der Zuwachs dieser Spieler und wir hatten immer wieder Absagen“, beschreibt Ferber die Situation. Ob das mit einem neuen Trainer anders werde, wisse man auch nicht. Auf jeden Fall wolle man es versuchen. Und außerdem sei man daran interessiert, dass Carsten Ernst dem Verein in anderer Funktion erhalten bleibe.

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