Nach dem Abstieg in die 2. Kreisklasse: Werder-Vorsitzender Jürgen Tölle kündigt seinen Abschied an

„Fusion war ein großer Fehler“

Jürgen Tölle

Hann. Münden. Zwar ging es mit dem 1. FC Werder Münden schon seit Jahren bergab, doch sollte der neuerliche Abstieg der Kernstadt-Fußballer in die 2. Kreisklasse nicht nur mit Achselzucken quittiert werden. Schließlich könnte der Niedergang auch anderen Vereinen Erkenntnisse liefern. Wir haben beim langjährigen Vorsitzenden, Jürgen Tölle (69), nachgefragt, ob es Lösungsansetze in der aktuellen Situation gibt.

Herr Tölle, wie ist derzeit Ihre Gemütslage? Jürgen Tölle: Das ist natürlich eine ganz schlimme Situation. Ich hatte schon vor Jahren gesagt, dass etablierte Vereine von der Bildfläche verschwinden können. Dass wir selbst davon betroffen sein könnten, daran hatte ich damals natürlich nicht gedacht. So ganz ist der 1. FC Werder ja noch nicht verschwunden – oder steht das nun bevor? Tölle: Das wollen wir natürlich vermeiden. Allerdings werde ich mich – hauptsächlich aus gesundheitlichen gründen – nicht mehr an der Zusammenstellung einer Mannschaft beteiligen. Peter Kolbe und Jörg Gropengießer wollen sich darum kümmern. Im schlimmsten Fall müsste man sich vom Herrenfußball abmelden, aber die Jugendarbeit sollte auf jeden Fall erhalten bleiben. Auch unser Hallenturnier am Jahresende muss erhalten bleiben. Da muss sich übrigens keiner Hoffnungen machen, dass dieser Termin nun frei würde. Wie sieht es bei Ihnen persönlich aus? Sie wollen ja schon lange ihr Amt abgeben. Tölle: Spätestens im November wird es eine ordentliche Mitgliederversammlung geben, auf der ich mich nicht wieder wählen lasse. Ich höre auf! Ich habe aber etwas Hoffnung: Es gibt jetzt vielleicht Leute, die Interesse haben, Werder weiter zu führen. Angekündigt haben Sie Ihren Rückzug ja schon mehrmals. Tölle: Vielleicht hätte ich diesen Gedanken schon früher einfach durchziehen sollen. Ich weiß aber, dass ich es diesmal nicht rückgängig machen werde. Wie konnte es denn überhaupt so weit kommen? Tölle: Ich glaube, die Unterstützung für den Fußball war in Münden direkt noch nie sehr breit gefächert. Sponsoren wie bei den Bezirksligisten in Gimte oder Hedemünden gibt es hier schon lange nicht mehr. Nach der Gründung von Werder hat man sich bei den Stammvereinen TSG und MSV fünf Jahre lang rein an die vertraglichen Absprachen gehalten und auch den vereinbarten Obolus gezahlt. Doch nach dieser Frist brach die Unterstützung fast komplett weg. Besonders auf personeller Ebene. Wir waren mal 14 Vorstandsmitglieder, jetzt sind wir nur noch vier. Derzeit ist der Posten des Fußballspartenleiters nicht besetzt, zudem hört der jahrelang sehr engagierte Jugendleiter Jürgen Bienert zum Monatsende auf. Für diese Posten muss man neue Leute finden. Sie sind seit Jahrzehnten in der Vorstandsarbeit aktiv. Den 1. FC Werder führen Sie eigentlich von Beginn an. Lässt sich schon eine Bilanz ziehen? Tölle: Die Fusion zu machen, war eigentlich ein großer Fehler und auch ich habe das Risiko zu gering eingeschätzt. Damals hatten TSG und MSV jeweils über 100 Jugendliche. Diese konnten aber gar nicht komplett in Mannschaften untergebracht und mit Trainern versorgt werden. Letztlich muss man sagen, dass damals alle für den 1. FC Werder gestimmt hatten, aber kaum einer dann mitarbeiten wollte.

Von Manuel Brandenstein

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