Michael Rudolph hört nach 16 Jahren als Trainer des TSV Jahn Hemeln auf / Nachfolge noch offen

Immer etwas mehr als nur Fußball

Letzte Ansprache als Trainer: Für Michael Rudolph ist es am Sonntag soweit. Archivbild: Brandenstein

Hemeln. Man mag es kaum glauben, aber die Fußballer des TSV Jahn Hemeln wechseln den Trainer. Sie müssen, denn Michael Rudolph gibt nach 16 Jahren sein Amt ab. Das letzte Saisonspiel gegen den TSV Speele (Sonntag, 15 Uhr), wird zugleich der letzte Auftritt des 40-Jährigen an der Seitenlinie sein.

Bei Michael Rudolph dürften am Sonntag viele Erinnerungen aufkommen. Unter anderem, weil der Gegner Speele heißt. 1997 war es, als der damals pfeilschnelle Stürmer für den TSV Jahn im Spiel gegen Speele sage und schreibe zehn Tore erzielte. Damit waren für den damals 22-Jährigen aber auch schon die Tage als hoffnungsvoller Aktiver gezählt. Denn im anschließenden Punktspiel gegen Jühnde/Meensen zog er sich einen dreifacher Schien- und Wadenbeinbruch zu. Es folgten zahlreiche Operationen. Zwischenzeitlich wurde ihm sogar geraten, den Unterschenkel amputieren zu lassen. „Dagegen habe ich mich vehement gewehrt und bin heute unheimlich froh darüber“, sagt Rudolph. Letztlich schafften es die Ärzte doch, das Bein zu erhalten. Allerdings gibt es noch heute Beschwerden. „Das ist auch ein Grund für mich aufzuhören“, sagt der in Göttingen beschäftigte Kriminaltechniker. „Ich bin halt ein Trainer, der im Training auch aktiv mitmacht. Und da habe ich zuletzt doch einige körperliche Probleme bekommen. Außerdem hätte ich gerne mehr Zeit für Familie und Freunde.“

Michael Rudolph hat viel für die Hemelner Fußballer getan. Als Trainer im Winter 1999 eingesetzt, führte er den Verein 2003 zum Aufstieg und hielt das Team zehn Jahre lang in der 1. Kreisklasse. Verantwortlich war und ist er auch für das Drumherum. Er schreibt das Fanmagazin „Lohberg Westkurve“, arbeitet im Festausschuss mit und half auch bei Verbesserungen in puncto Infrastruktur. „Als ich hier noch Spieler war, gab es kaum mal wirklich grünen Rasen“, erinnert er sich. „Wir haben den Platz aufgemöbelt eine zweite Mannschaft auf die Beine gestellt und in Eigenleistung ein Sporthaus gebaut. Es gibt bei uns keinen Spieler, der nicht seine Arbeitskraft eingebracht hätte. Beim TSV Hemeln ist es eben immer etwas mehr als nur Fußball.“ Diese Einstellung hat Michael Rudolph immer verkörpert. Teilweise ging das so weit, dass der Trainer Spielern im außersportlichen Bereich unter die Arme griff.

Dass man solch großes Engagement von seinem Nachfolger, der angeblich von außen kommen soll, nicht verlangen kann, ist allen im Verein bewusst. Er soll sich hauptsächlich um das Sportliche kümmern. „Deshalb sind wir froh, dass Michael nicht ganz aufhört und uns als Teammanager erhalten bleibt“, sagt Spartenleiter Thomas Baake, mit dem er 16 Jahre lang immer „bombenmäßig“ (Rudolph) zusammengearbeitet habe. Selbst nach dem Abstieg in die 2. Kreisklasse vor zwei Jahren habe keiner von beiden an einen neuen Trainer gedacht. Jetzt befindet Michael Rudolph diesen Schritt aber aus den genannten Gründen für nötig.

Von Manuel Brandenstein

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.