Sportlich war das Rhumetal im Jahr 1973 in Aufruhr

Als der Fußball nach Elvershausen kam

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Staffelmeister 2. Kreisklasse Ost 1976/77: (hinten von links) W. Krause, W. Mön nig, A. Wächter, K. Scheunemann, W. Mönnig, A. Sander Beuermann, H. Rode, Betreuer K. Engelmann, (vorn) H. Kanthak, B. Stach, D. Behrens, J. Zingler, A. W. Brünig und K. D. Rode.

Elvershausen – Denkt man an das sportliche Rhumetal, kommt einem unwillkürlich der Handball in den Sinn. Dieser Sport hat in Katlenburg, Wachenhausen, Gillersheim, Berka, Suterode und Elvershausen eine große und tiefverwurzelte Tradition.

So mutet der Beschluss, der auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des TSV Elvershausen am 21. Mai 1973 im Gasthaus Rode gefasst wurde, fast schon revolutionär an. Mit 27 zu 10 Stimmen, eine Abgabe war ungültig, wurde entschieden, den männlichen Bereich von Fußball auf Handball umzustellen und die Mitgliedschaft im Fußballverband zu beantragen.

„Nach der Versammlung wurden wir, in erster Linie ich, von den Nachbardörfern als Handballverräter beschimpft“, erinnert sich Klaus Engelmann. Der damalige Handballfachwart des TSV hatte den Antrag selbst auf die Tagesordnung setzen lassen, „um unseren Jugendlichen auch weiterhin Gelegenheit zu geben, in unserem Verein Sport zu treiben. Und im Nachhinein war die Entscheidung richtig.“

Ursächlich für den spektakulären Wechsel der Sportart war ein Beschluss des Kreisfachverbandes Handball, mit Beginn der Saison 1973/74 den Meisterschaftsbetrieb im Großfeld-Handball einzustellen. Auch das Kleinfeld sollte nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. Der Fokus lag künftig fast ausschließlich auf dem Hallenhandball. „Dafür sollten immense Startgebühren gezahlt werden. Das hätten wir als kleiner Verein gar nicht stemmen können“, erläutert Engelmann rückblickend.

Aufsteiger in die Kreisliga 1989: (hinten von links) 1. Vorsitzender K. Engelmann, Betreuer U. Rode, W. Schütte, R. Fraatz, J. Isermann, C. Metje, W. Müller, T. Mulle, H. Rien, U. Gebhardt, Fachwart K. H. Rien, 2. Vorsitzender F. Herbst, (vorn) B. Wedemeyer, H. Müller, F. Sander, K. Eikemeyer, D. Albrecht, R. Wiegmann, M. Bienst, U. Behrens und E. Woltmann. Fotos: TSV Elvershausen

Mit vier Mannschaften (Herren, Alt-Herren, Jugend und Schüler) ging der TSV in seine historische erste Fußballsaison. Erster Herrentrainer wurde Erhard Schwarze. Der Hohnstedter vermittelte den Elvershäusern die Fußballregeln und stellte erstaunt fest, dass die gut durchtrainierten Handballer „schneller als der Ball sind.“ Am Ende der Einstandsserie sprang ein beachtlicher vierter Platz in der 2. Kreisklasse Ost heraus. In der Saison 76/77 nahm erstmals eine 2. Herrenmannschaft am Spielbetrieb teil. Die stand am Ende der Serie auf dem letzten Tabellenplatz. Dafür holte die Erste den ersten Meistertitel nach Elvershausen.

Mit der Verpflichtung von Hans Müller vom VfB Northeim als Spielertrainer zur Saison 1980/81 begann die erfolgreichste Zeit. „Mit ihm kam neuer Schwung in die stagnierende Abteilung“, sagt Klaus Engelmann. Der neue Coach brachte zwei seiner Brüder mit. Da es auch noch einen weiteren Namensvetter im Team gab, sprach man nun von der „Müller-Elf“. Die stieg nach der zweiten Saison sogar erstmals in die Kreisliga auf.

Dabei war 1981 eigentlich ein „Katastrophenjahr“. März- und Juni-Hochwasser fluteten den Sportplatz und richteten verheerende Schäden (fast 60 000 Mark) an, sodass man auf die Rasenflächen in Katlenburg, Wachenhausen und Hammenstedt ausweichen musste. „Für uns war das ganz schlimm. Aber wir ließen uns nicht entmutigen und machten immer weiter“, erzählt Engelmann. Erst am 8. August 1982 konnte der Sportplatz mit einem Freundschaftsspiel gegen SuS Northeim wieder eingeweiht werden. Umso höher ist der Meistertitel zu bewerten.

Von 1982 bis 1985 mischte der TSV in der Kreisliga mit. 1987 stand die „Müller-Elf“ im Finale des Kreisklassenpokals. Trotz der Unterstützung von 150 Schlachtenbummlern musste man sich am 27. Juni in Edesheim dem TSV Sülbeck mit 0:1 geschlagen geben. Zur folgenden Saison wurde erstmals eine 3. Herrenmannschaft gemeldet. Im Frühjahr 1988 wurde ein Hallenturnier ins Leben gerufen, das noch heute am Burgberg in Katlenburg über die Bühne geht und sich großer Beliebtheit erfreut. 1989 kehrte die 1. Herrenmannschaft nach zwei 4:1-Erfolgen über Düderode und Sülbeck in die Kreisliga Ost zurück. Dennoch verließ Hans Müller den Verein. Sein ehemaliger Club musste 1992 durch die Einführung der eingleisigen Kreisliga erneut in den bitteren Apfel des Abstiegs beißen.

Heute stellt der Club noch eine Herren-Mannschaft. Sie ist in der 1. Kreisklasse unterwegs. „Ich bin stolz, dass unser Verein, dem ich mein ganzes Leben verbunden war und bin, noch immer als einer der letzten Dorfvereine als TSV Elvershausen existiert“, lautet die emotionale Botschaft von Klaus Engelmann.

Von Andreas Schridde

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