Stadiongaststätte geschlossen – Betrieb hatte sich nicht mehr rentiert

Fußball ohne Bier und Bratwurst auf Mündener Rattwerder

Boris und Tanja Tichanow (hier mit Tochter Celina, links) Betreiberfamilie der Stadiongaststätte am Mündener Rattwerder.
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Licht aus: Boris und Tanja Tichanow (hier mit Tochter Celina, links) haben bereits zum 1. Juli den Betrieb der Stadiongaststätte am Rattwerder eingestellt.

Zuschauer im Stadion auf dem Mündener Rattwerder müssen sich vorerst selbst verpflegen. Die Gaststätte ist geschlossen worden.

Hann. Münden – „Wir hätten uns sehr gewünscht, dass es nicht soweit kommt, aber aus betriebswirtschaftlicher Sicht blieb uns nichts anderes übrig“, sagen Tanja und Boris Tichonow. Seit das Ehepaar 2001 die Hausmeister- und Platzwartstelle am Rattwerder übernommen haben, betrieben sie nebenbei auch die dortige Gaststätte. „Das wurde von der Stadt so erwartet und das haben wir auch gerne gemacht“, betont Boris Tichanow. Seinerzeit sei gerade der FC Werder Münden gegründet worden, was aus seiner damaligen Sicht genau der richtige Schritt für die Entwicklung des Fußballsports in Hann. Münden und damit auch für den Betrieb am Rattwerder gewesen sei.

Habe sich der Aufwand für den Gaststättenbetrieb in den ersten Jahren für das Ehepaar noch gelohnt, sei mit dem Rauchverbot 2007 der erste große Einbruch gekommen. „Da haben wir von heute auf morgen einen Umsatzverlust von 50 Prozent gehabt“, sagt Boris Tichanow. Weil gleichzeitig auch die Zahl der Mannschaften, die am Rattwerder trainierten und am Wochenende ihre Spiele austrugen, immer kleiner wurde, habe das Geschäft weiter gelitten. „Durch den Wochenendbetrieb hat sich die Gaststätte immerhin noch getragen“, so der 52-Jährige.

Nachdem 2018 erstmals der Erlös vor Steuern nicht mehr reichte, um die Kosten zu decken und der Steuerberater dringend mahnte, etwas zu ändern, haben die Tichanows jetzt Nägel mit Köpfen gemacht. „Dabei hat uns Corona die Entscheidung erleichtert, weil wir dadurch zur Umsetzung von Hygieneregeln gezwungen wären und die Einkünfte noch weiter in den Keller gehen dürften“, sagt er. Seit dem 1. Juli sei nun das Gewerbe abgemeldet. Ein Schritt, für den auch die Stadt Verständnis aufgebracht habe und der keinen Einfluss auf die Haupttätigkeit des Paares als Hausmeister keinen Einfluss haben wird.

„Das Geschäft lief auch deshalb so schlecht, weil wir nach dem Rückgang der Mannschaften einfach keinen Ausgleich durch Veranstaltungen hatten“, sagt Boris Tichanow. Da die Gaststätte laut städtischer Nutzungsordnung nur für Veranstaltungen „im Sinne des Sports“ zugelassen ist, könnten dort private Feiern nicht stattfinden. Und die Vereine hätten scheinbar lieber woanders gefeiert als am Rattwerder. „Hinzu kam, dass die Zuschauer gerade bei den Jugendspielen ihren Kaffee und ihre Brötchen immer häufiger selbst mitgebracht haben und meine Frau ganz umsonst die Gaststätte geöffnet hat“, so Tichanow. Inzwischen habe er die Vereine informiert, dass dort ab sofort nichts mehr verkauft wird. „Wegen der aktuellen Corona-Bestimmungen darf aber auch nichts mitgebracht und dann an andere abgegeben werden“, sagt er. Wer also auf dem Rattwerder künftig etwas essen oder trinken wolle, der müsse es sich selbst mitbringen. „Das ist sicher bedauerlich, aber leider nicht zu ändern“, so Tichanow.

Tuspo Weser Gimte sucht nach Lösung

Als einziger Verein, der am Rattwerder noch Fußballspiele im Seniorenbereich austrägt, ist der TuSpo Weser Gimte am stärksten von der Schließung der Stadiongaststätte betroffen. „Wir haben im Vorstand über die Situation gesprochen und auch schon Kontakt zur Stadt aufgenommen“, sagt TuSpo-Vorstandsmitglied Erwin Schneider. Zwar habe man „schon die eine oder andere Idee“ entwickelt, doch sei noch nichts davon spruchreif. „Uns ist natürlich sehr daran gelegen, dass unsere Fans im Stadion sowohl etwas trinken als auch eine Bratwurst essen können“, so Schneider. Noch hänge aber alles in der Schwebe, zumal ein Verkauf von Speisen und Getränken – in welcher Form auch immer – ja auch behördlich genehmigt werden müsste. Damit stehe schon jetzt fest, dass sich die Fans zum Saisonstart im September auf jeden Fall noch selbst verpflegen müssen.

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