Beim Kreisligisten hat es klick gemacht

Tuspo Gimte wie Phönix aus der Asche

Julian Schmand (oben) und Robin Blumenstein.
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Immer öfter zu sehen: Jubelnde Gimter Spieler. Hier Julian Schmand (oben) und Robin Blumenstein.

Beim Fußball-Kreisligisten Tuspo Weser Gimte scheint seit Saisonbeginn eine andere Mannschaft auf dem Platz zu stehen. Aber der Überraschungs-Tabellenführer ist praktisch dieselbe Elf, die zuvor kaum einmal gewinnen konnte.

Gimte – Vor dem Gimter Heimspiel gegen den SC HarzTor (So., 15 Uhr, Rattwerder) haben wir bei Spielern und Verantwortlichen mal nachgefragt, woher der aktuelle Lauf kommt. Etwas „surreal und ungewohnt“ nennt Tuspo Gimtes Mannschaftskapitän Kilian Stracke die aktuelle Situation. In drei Spielen gab es drei Siege und beachtliche 10:0 Tore – der Tuspo kommt wie Phönix aus der Asche. Nach dem Bezirksliga-Abstieg im Juni 2019 setzte der Verein angesichts fehlender Mittel ganz auf den eigenen Nachwuchs. Danach bestritt die junge Truppe in zwei aufgrund von Corona abgebrochenen Spielzeiten 23 Begegnungen und gewann davon lediglich vier. Es schien selbst für diese Klasse kaum zu reichen. Doch seit Saisonbeginn rollt der Ball irgendwie schneller, die Schüsse sind härter und Zweikämpfe werden immer häufiger gewonnen. Kilian Stracke sieht eine Entwicklung der ganzen Mannschaft, was selbst während der Saisonvorbereitung noch nicht abzusehen war. Der 23-Jährige sagt: „Die Einstellung zum Fußball hat sich bei uns verändert. Alle sind gereift und können sich jetzt besser auf eine gesamtheitliche Taktik des Teams konzentrieren.“

Auch Strackes Stellvertreter aus dem Mannschaftsrat, Lennart Maar, ist schon seit dem letzten Bezirksligajahr bei den Männern an Bord und auch er hat seitdem oft gezweifelt. „Wir alle sind aus der damaligen Bezirksliga-A-Jugend mit großen Erwartungen an uns selbst in den Männerbereich gekommen, konnten diese aber nicht erfüllen. Das hat für unheimlichen Druck gesorgt“, erklärt der 22-jährige BWL-Student die schwachen Ergebnisse der Vergangenheit. Mittlerweile habe man aber gelernt, den Fokus ganz auf die Mannschaft zu richten. Nicht der Einzelne, sondern die Gruppe insgesamt soll besser gemacht werden. „Die Blockade hat sich bei uns gelöst“, betont Maar, dessen jüngerer Bruder Joshua seit Saisonstart ebenfalls im Team steht.

Auch der Vereinsvorstand, der den Gimte-eigenen Weg im Jahr 2013 bis in die Landesliga begleitet hatte, ist positiv überrascht, ja sogar begeistert. Bobby Schneider, der 2. Vorsitzende des Tuspo, ist davon überzeugt: „Dass sich die Mannschaft nun gefunden hat, ist Zeugnis einer guten Trainerarbeit. Dzevad Gracic und Ufuk Kilinc sind ein super Gespann und haben vor allem nie die Geduld verloren. Dafür scheinen sie jetzt belohnt zu werden.“ Beim Tuspo freut man sich aktuell über jeden Dreier, will aber das Wort Wiederaufstieg erst gar nicht in den Mund nehmen. Auch Kapitän Kilian Stracke ist überzeugt, dass das nur neuen Druck erzeugen würde. „Wir wollen in erster Linie die mannschaftliche Geschlossenheit erweitern und die Leistung zurück auf den Platz bringen, an die man sich in Gimte mal erinnert hat. Hier sind wir auf einem guten Weg.“

Zum kompletten Glück fehlen im Stadion am Rattwerder nur noch mehr Zuschauer und die auf allen anderen Sportplätzen zur Fußballkultur dazugehörenden Bratwürste an Spieltagen. Bislang besteht die Stadtverwaltung trotz einiger Gespräche weiter auf einer recht teuren Tageskonzession. Der Tuspo ist überzeugt, dass sich das finanziell nicht lohne – vielleicht wird ja einfach mal im Sinne hungriger Zuschauer entschieden. (Manuel Brandenstein)

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