Kommt die Respekt-Karte? Fußballkreis-Chef Bernd Anders im HNA-Interview

In Aktion: Bernd Anders (rechts) spielte lange in Kreiensen. Aus dieser Zeit stammt das Foto. Archivfoto: osx

Seit Mitte Juli ist Bernd Anders Vorsitzender des Fußballkreises Northeim/Einbeck. Er wurde in Vogelbeck zum Nachfolger von Gerhard Haupt gewählt, nachdem er zuvor bereits dessen Stellvertreter war. Wir unterhielten uns mit dem Einbecker über die ersten Monate im Amt sowie seine Ziele und Wünsche.

Herr Anders, erzählen Sie mal: Wie ist es, Vorsitzender eines Fußballkreises zu sein? 

Bernd Anders (lacht): Am Anfang war es eher ruhig. Aber das lag natürlich daran, dass ich in der Sommerpause gewählt wurde. Mittlerweile sieht das ein wenig anders aus. Ich bin viel unterwegs, besuche Sitzungen des Spielausschusses, des Jugendausschusses oder schaue bei den Schiedsrichtern vorbei.

Die Arbeit nimmt also zu.

Anders: Auf jeden Fall. Obwohl ich sagen muss, dass ich sehr gut unterstützt werde. Nicht nur ich wurde ja im Sommer in ein neues Amt gewählt. Mit Volker Mönnich und Karl Voges gibt es seitdem auch zwei neue Stellvertreter. Wir teilen die Arbeit und Termine je nach Möglichkeiten unter uns auf. Das klappt sehr gut, finde ich.

Die ersten Monate als Chef der Fußballer sind vorbei. Zeit, ans Eingemachte zu gehen. Gibt es ein Thema, welches Ihnen besonders unter den Fingernägeln brennt? 

Anders: Auf jeden Fall. Das Thema Schiedsrichter liegt mir sehr am Herzen. Wir haben nur noch rund 100 Schiris bei uns. Tendenz sinkend. Ein großes Problem ist, dass die meisten neuen Schiedsrichter ganz schnell wieder aufhören und keine Lust mehr haben, Spiele zu leiten.

Woran liegt das? 

Anders: An der Art und Weise, wie mit Schiedsrichtern umgegangen wird. Spieler, Trainer, Betreuer - oder im Jugendbereich speziell auch die Eltern - benehmen sich oft daneben, kritisieren permanent jede Entscheidung und beleidigen oder bepöbeln die Schiedsrichter sogar. Das geht oft auch unter die Gürtellinie. So etwas geht einfach nicht. Dass viele Unparteiische darauf dann keine Lust mehr haben den Job an den Nagel hängen, kann ich verstehen.

Aber wie kann man das ändern? 

Anders: In der Schweiz gibt es ein Modell, welches ich sehr interessant finde. Dort wurde eine Respekt-Karte eingeführt, die den Umgang auf dem Sportplatz verbessern soll. So etwas kann ich mir bei uns auch sehr gut vorstellen.

Was genau ist diese Respekt-Karte? 

Anders: Die Trainer bekommen eine solche Karte vor jedem Spiel vom Schiri. Der Coach ist dann angehalten, den Inhalt dieser Karte an seine Spieler weiterzugeben. Darauf steht unter anderem geschrieben, dass auch Schiris Fehler machen dürfen - schließlich sind auch sie nur Menschen. Außerdem wird aufgefordert, bei umstrittenen Situationen ruhig zu bleiben und die Entscheidungen zu akzeptieren. Durch Meckern ändert man daran doch ohnehin nichts.

Ich denke, dass das gute Ansätze sind. Sie rufen allen Beteiligten kurz vor dem Anpfiff nochmal in Erinnerung, dass der Fußball im Vordergrund steht. Und der ist, für Schiedsrichter und Spieler, ein Hobby. Wenn das alle verinnerlichen und sich daran halten, sind wir einen guten Schritt vorangekommen.

Und so eine Karte soll es bald auch bei uns geben? 

Anders: Das würde ich mir wünschen. In welcher Form genau, muss sich aber erst noch zeigen. Auch die Schiedsrichter möchte ich in so eine Entscheidung sehr gerne einbeziehen. Mal sehen, was die davon halten. Ich werde mich auf jeden Fall dafür einsetzen. Denn so wie es momentan läuft, kann es ganz sicher nicht bleiben. Der Umgang auf unseren Sportplätzen muss wieder respektvoller werden. Das ist mir ein sehr großes Anliegen.

Und wenn das alles nichts hilft? 

Anders: Dann müsste man über weitere Konsequenzen nachdenken. Vielleicht ist auch mal ein Streik der Schiedsrichter nötig, um den Fußballern und Zuschauern die Augen zu öffnen. So etwas hat es unter anderem im Kreis Celle schon gegeben. Das wäre natürlich nur ein letzter Schritt, aber undenkbar halte ich das auch für unseren Fußballkreis nicht.

Von Marco Washausen

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