Tobias Lecke bleibt auf dem Weg nach oben

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Tobias Lecke in Aktion: Hier als Fußball-Schiedsrichter mit der Pfeife in der Hand

Bebra. Der 20-jährige Fußball-Schiedsrichter aus dem Bebraer Stadtteil Gilfershausen rückt als Assistent in die Junioren-Bundesliga auf.

„Der wird´s mal weit bringen.“ Oder: „Der Tobi schafft es in die Bundesliga.“ Solche Sätze fallen, wenn über Tobias Lecke gesprochen wird. Der Gilfershäuser gilt als großes Talent unter den Fußball-Schiedsrichtern der Region. Sein Aufstieg verlief rasant in den vergangenen Jahren. Kurz vor seinem 20. Geburtstag am 16. März hatte er den Aufstieg in die Verbandsliga in der Tasche.

Kürzlich erhielt Tobias Lecke die Nachricht, dass er demnächst in der Junioren-Bundesliga als Assistent eingesetzt wird. Da könnte man schon mal die Bodenhaftung verlieren. „Ich merke, dass die Erwartungshaltung in meinem Umfeld groß ist“, sagt Tobias Lecke, „und natürlich träumt man...“

Aber abheben? Solche Bedenken wischt er mit einem Satz beiseite: „Für mich hat oberste Priorität, nicht aus der Verbandsliga abzusteigen.“ Er strebt an, einen guten Job zu machen und Spaß dabei zu haben.

Nach seiner Selbsteinschätzung gefragt, fallen Begriff wie offen, impulsiv, perfektionistisch, Selbstbeherrschung, Selbstvertrauen und Ehrgeiz. „Wenn ich mir ein Ziel setze, dann setze ich alle Hebel in Bewegung, es auch zu erreichen.“ Das Ende der Fahnenstange soll die Verbandsliga für ihn nicht sein

Es gibt ja noch Spielklassen darüber. Die Hessenliga zum Beispiel. Oder die Regionalliga. In der pfeift Timo Wlodarczak. Der 28-jährige Weiteröder ist Tobias Leckes großes Vorbild. Und sein Mentor. „Er hat mich früh an die Hand genommen, hat mir viel beigebracht und sich für mich eingesetzt. Als sein Assistent bin ich oft mit ihm unterwegs gewesen.“

...hier als Trainer der F-Junioren der FSG Bebra. Manche dieser Kinder hat er schon seit fünf Jahren unter seinen Fittichen.

Eine entscheidende Rolle in Tobias Leckes Leben spielt sein Vater Frank. Er hat den kleinen Tobi mit zum Gilfershäuser Sportplatz genommen und seine Liebe zum Fußball schnell auf ihn übertragen. Und weil der Sohn schon damals impulsiv war und sich gerne zu Hause noch über den Schiedsrichter aufregte, platzte dem Papa irgendwann der Kragen. Jetzt reiche es ihm, kanzelte er den damals 13-Jährigen ab, er solle doch selber pfeifen, wenn er glaube, es besser zu können. „Weil ich ein Sturkopf bin, habe ich das auch gleich gemacht“, sagt Tobias Lecke und schmunzelt.

Nach ein paar Jahren als Schiedsrichter bei den Junioren pfiff er im April 2013, mit 17 also, sein erstes Männer-Punktspiel. Kreisliga C, SuFF Raßdorf gegen Gazi Antep Bebra II. Endstand 0:1. Zwei Rote Karten zückte er bei seinem Debüt.

Dabei sucht Tobias Lecke als Unparteiischer nicht die Konfrontation mit den Spielern. Im Gegenteil. „Ein Schiedsrichter muss sich auf dem Platz Verbündete suchen. Die Spieler dürfen nicht das Gefühl haben, dass ich etwas gegen sie unternehmen will.“

Auf die Menschen einstellen

Ein guter Schiri muss laut Tobias Lecke nicht nur fit sein und die Regeln kennen. Er braucht auch Spielverständnis und muss sich auf die Eigenheiten der Menschen, mit denen er es auf dem Sportplatz zu tun bekommt, einstellen können. „Und man muss sich durch eine gute Leistung Respekt erarbeiten.“

Ganz wichtig sei auch, die Ohren manchmal auf Durchzug zu stellen, wenn Kritik aus dem Publikum kommt. „Ich weiß ja vorher, dass ich bestimmt einen Spruch an den Kopf kriege. Ich habe früh gelernt, da nicht so genau hinzuhören“, erzählt Tobias Lecke.

Zur Person

Tobias Lecke (20) ist im Bebraer Stadtteil Gilfershausen aufgewachsen. Er studiert Elektrotechnik an der Kasseler Universität und absolviert den praktischen Teil seiner dualen Ausbildung bei B. Braun in Melsungen. Seit er Schiedsrichter ist, spielt er bei der FSG Bebra Fußball nur noch im Training. Er trainiert die F-Junioren der FSG. Einige von ihnen hat er schon vor fünf Jahren als Bambini übernommen. "Ich bin ein Familienmensch", sagt Tobias Lecke von sich. Später möchte er deshalb auch eine Familie gründen.

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