Interview über den kurzfristigen Abgang von sechs Spielern zum BC Sport

Dennhausens Trainer Trebing: „Dieses Verhalten ist nicht fair“

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Matthias Trebing

Fuldabrück. Am Sonntag empfängt die SG Dennhausen/Dörnhagen ab 15 Uhr in der Fußball-Kreisoberliga den BC Sport. Es ist kein Spiel wie jedes andere.

Denn: Der Gast mit dem neuen Sportlichen Leiter Gerhard Klapp lockte zuletzt gleich sechs Spieler des Aufsteigers aus Fuldabrück zu den Sportianern. Zum Ärger der SG-Verantwortlichen. „Wir sind zu Schaden gekommen“, sagt Trainer Matthias Trebing im Interview.

Was machen Sie am Sonntag um kurz vor 17 Uhr? 

Matthias Trebing: Wie immer, bei einem Weizen und einer Bratwurst kurz das Spiel mit meinem Trainerkollegen Egon Sauer reflektieren.

Und schütteln Sie dem Gegner die Hand? 

Trebing: Das kommt auf die Person drauf an. Bei gewissen Leuten habe ich das nicht vor: Mit Leuten, die sich unmoralisch anderen Vereinen gegenüber verhalten, will ich nichts zu tun haben.

Sie haben genügend Grund, sich über ihren Gegner BC Sport aufzuregen? 

Trebing: Wir stellen das System in Frage. Solche Wechsel sollten nicht möglich sein. Wir als Dorfverein haben unsere Aufgaben gemacht und bis zum Ende der regulären Wechselfrist am 31. Juli genügend Spieler geholt, um einen einigermaßen konkurrenzfähigen Kader zur Verfügung zu haben. Wir haben Ablösen gezahlt, nun heißt es: Geld weg und Spieler weg. Wir wissen aktuell nicht, wie es mit unserer zweiten Mannschaft weitergeht.

Was ärgert Sie am meisten? 

Trebing: Das Regelwerk. Herr Klapp hat zwar nichts Verbotenes gemacht, aber fair ist dieses Verhalten nicht. Es wurde von BC-Sport-Seite gesagt, kein Verein käme zu Schaden. Wir sind aber zu Schaden gekommen. Und uns sind jetzt die Hände gebunden. Wir haben keine finanziellen Möglichkeiten, um noch Spieler zu holen und mit Amateurverträgen auszustatten. Das macht keinen Spaß mehr.

Wie gehen Sie mit der schwierigen personellen Situation um?

Trebing: Zunächst dachten wir an Rückzug in die A-Klasse. Es fehlen sechs Mann. Der Kader ist nicht mehr Kreisoberliga-tauglich. Doch diese Chance sieht das Regelwerk nicht vor. Jetzt muss ich sehen, wie ich die Jungs bei Laune halte.

Wie ernst ist die Lage bei der Reserve? 

Einer, der aus Dennhausen zum BC Sport Kassel wechselte: Farid Dastborzo. Foto: Fischer

Trebing: Bei der zweiten Mannschaft hatten wir am Sonntag fünf Altherren-Spieler dabei. Ich glaube nicht, dass das noch lange gut geht. Wir hoffen, dass vielleicht noch einige Fußballer, die zurzeit ohne Verein sind, Lust haben, sich unserem Klub bis zum 31. August anzuschließen und zumindest für die Reserve mitzukicken.

Müssen Sie noch den Verlust weiterer Akteure fürchten? 

Trebing: Bis zum 31. August kann viel passieren. Wir haben namhafte Leute. Ich hoffe aber nicht. Ansonsten können wir uns wohl ganz abmelden.

Wie enttäuscht sind Sie von Ihren ehemaligen Spielern? 

Trebing: Ich kann den Spielern nicht böse sein, weil ich weiß, wie ihre Verträge aussehen. Bei den Summen würde wohl jeder gehen. Wenn Herr Klapp sagt, die Spieler würden gehen, weil sie unzufrieden sind, dann stimmt das nicht.

Welche Hoffnungen knüpfen Sie an das Duell am Sonntag? 

Trebing: Ich habe einen dicken Hals. Unsere Saison war ohnehin schon schwer. Und nun das: Am Sonntag wird noch mal eine andere BC-Sport-Elf als zuletzt gegen Heiligenrode auf dem Platz stehen. Das geht Richtung Verbandsliga-Niveau.

Zur Person: Matthias Trebing (47), ist im siebten Jahr Fußball-Trainer bei der SG Dennhausen/Dörnhagen. Zuvor er zehn Jahre Coach bei seinem Heimatklub Edermünde. Früher spielte er unter anderem für den KSV Baunatal und Olympia Kassel. Trebing, verheiratet, ein Kind, arbeitet bei Mercedes in der Logistik.

Hintergrund: Klubs wollen Regeländerung

Fußballer, die nach Rundenstart und Pflichtspieleinsätzen noch den Verein wechseln? „Ein Unding“, sagt Matthias Schmelz, Teammanager des Kreisoberligisten TSV Heiligenrode. Jetzt will er sich mit anderen Vereinen zusammentun, um über Kreis- und Verbandstag eine Änderung der Spielordnung im Amateurbereich zu erwirken. Per E-Mail hat er seine Idee bereits anderen Kreisoberligisten kundgetan. „Es gab bereits regen Zuspruch“, berichtet Schmelz.

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