Co-Trainer und Betreuer Karl-Heinz Hille starb mit 86 Jahren

Eine Traueranzeige und ihre Geschichte: Die treueste Seele des CSC 03

Auch bei Trikotspenden stets dabei: Karl-Heinz Hille (vorn) im Jahr 2005. Hinten von links: der damalige Trainer Knut Schröder, die Spieler Dalibor Gajic, Thorsten Pfleging, Naser Dellova sowie Ulrich Greifenberg, Axel Wendel und der 1. CSC-Vorsitzende, Harry Spohr. Foto:  Schoelzchen/nh

Kassel. „Ein Spiel dauert 90 Minuten, meins 86 Jahre. Spannend, aufregend, immer verschieden und was bleibt – mein zufriedener Schlusspfiff.“ Das sind die Worte einer Traueranzeige.

Sie kommt so gar nicht traurig daher. Sie zeigt einen fröhlichen Mann im Aufstiegs-T-Shirt mit Fußball in der einen und Trainingsjacke in der anderen Hand. Genau so wird man ihn in Erinnerung behalten, den langjährigen Co-Trainer und Betreuer des Kasseler Traditionsklubs CSC 03, Karl-Heinz Hille. Am 26. Februar ist er nach längerer Krankheit gestorben – mit 86 Jahren.

„Kalli“, wie er genannt wurde, war bekannt wie ein bunter Hund. Kaum jemand in Kassel wusste nicht über ihn Bescheid. „Als Mädchen für alles habe ich ihn kennengelernt, als ersten Ansprechpartner für die Spieler. Manchmal rief er spätabends bei mir an und fragte, ob ich den einen oder anderen nicht doch noch für die Partie am Wochenende aufstellen könne“, erinnert sich Ex-Trainer Horst Schmidt, der die Rothosen von 2001 bis 2003 betreute. Schmidt zählte neben Manfred Schütz zu den Lieblingstrainern Hilles.

Karl-Heinz Hilles letzter Trainer: Sohn Ottmar.

Doch was war eigentlich dieser Karl-Heinz Hille für ein Mensch? 1928 in Cottbus geboren, überlebte er den Zweiten Weltkrieg und absolvierte am Flughafen in Berlin eine Ausbildung zum Flugzeugmechaniker. 1950 floh die Familie in den Westen – am Möhnesee arbeitete Hille in einer Weberei und lernte seine spätere Frau Johanna kennen. Er kam dann 1963 nach Kassel und war bis 1991 bei Wegu Gummi- und Kunststoffwerke beschäftigt, ehe er in den Ruhestand ging. „In Kassel ist er nicht einmal umgezogen, er hat immer in seiner Wohnung in Salzmannshausen gelebt. Ein genügsamer Mensch“, sagt sein 52-jähriger Sohn Ottmar.

Neben Familie und Beruf ist Karl-Heinz Hille aber auch seit frühester Kindheit fußballverrückt gewesen. 1969 brachte er dann alles unter einen Hut und nahm seine beiden Söhne einfach zum CSC 03 mit. „Wir spielten in der Jugend, er begann als Co-Trainer und Betreuer – das war sein Wunsch. Immer zweite Reihe, niemals erste“, erzählt Ottmar Hille.

Das Vereinsmotto „Alle Ehre kommt von der Treue“ wurde künftig auch die Devise von Karl-Heinz Hille. Denn bis 2010, also mehr als 40 Jahre lang, blieb „Kalli“ dem Klub erhalten. Er erlebte Höhen und Tiefen, lernte Idole wie Klaus Zaczyk und Helmut Hampl kennen, arbeitete mit etlichen Übungsleitern zusammen. „Vor fünf Jahren war ich dann sein letzter Trainer. Als er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr weitermachen konnte, haben wir entschieden, gemeinsam aufzuhören“, sagt Ottmar Hille.

Der eigene Sohn als letzter Trainer – damit schließt sich ein Kreis. Karl-Heinz Hilles Ehefrau Johanna (84) sowie zwei Söhne und zwei Töchter trauern nun um einen Ehemann und Vater, der mehr Spuren hinterließ, als so mancher Trainer. Nun ertönte der Schlusspfiff für einen Mann, der eigentlich immer da war.

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