Vor Ort beim 50. Treffer von Türkgücü-Torjäger Aytemür in der Kreisoberliga

Jetzt geht er auf die 60 zu

Ausnahmsweise zugestellt: Nicht immer behielten die Fortunen so wie hier Giovanni Collura (hinten) Türkgücü-Torjäger Serkan Aytemür unter Kontrolle. Foto: Fischer

Kassel. Nach zehn Minuten? Nichts passiert. Nach einer halben Stunde? Ebenso wenig. Auch bis zum Halbzeitpfiff bringt Serkan Aytemür den Ball nicht im gegnerischen Kasten unter. Selbst die erste Stunde verstreicht erfolglos. Aber als die Zuschauer und womöglich der Torjäger von Kreisoberligist SV Türkgücü selbst allmählich daran zweifeln, ob er im Spiel bei Fortuna Kassel überhaupt seinen 50. Saisontreffer erzielen würde, schlägt er zu. Mit trockenem Schuss aus 23 Metern setzt Aytemür die magische Marke. Es ist der Ausgleich zum 1:1, und in der Nachspielzeit beweist der 20-Jährige mit dem 2:1 (0:1)-Siegtreffer noch einmal seine Qualitäten.

Die 50er-Schallmauer ist abgehakt. Jetzt peilt Aytemür die 60 an. Die eine Zahl so phänomenal wie die andere, denn wann schießt jemand schon so viele Tore. „Ich wüsste auch kein Beispiel dafür, dass es jemand in einer Saison auf 50 Treffer gebracht hat“, sagt Aytemür. Druck wegen des 50. verspürte er nicht: „Man denkt dran, mehr aber nicht.“

Anzumerken ist ihm der Stolz gleichwohl. Zumal es lange dauert, bis er das Jubiläumstor bejubeln kann. Aytemür spielt unauffällig, lässt sich mal fallen, geht auf die Flügel und taucht selten in aussichtsreicher Position auf. Allerdings verteidigt die Fortuna geschickt und hält die Gäste meist vom Sechzehner fern. Einen Sonderbewacher für den Türkgücü-Torjäger hat Fortuna-Trainer Jan Niklas Hanske nicht abgestellt. Als Aytemür nach dem Wechsel sich dem 50. Treffer allmählich annähert und immer häufiger im Strafraum auftaucht, widmen sich ihm meist gleich mehrere Fortunen.

Seit der 11. Minute führen die Gastgeber durch einen Kopfball von Tom Zimmermann 1:0. Sie verteidigen den Vorsprung gegen den Spitzenreiter mit aufopferungsvollem Kampf. Bis zur 69. Minute. Bis zum 50. Treffer von Aytemür. Dieser zieht aus der Distanz mit links ab und trifft unhaltbar ins untere Eck. Erleichterung macht sich breit. Der Bann ist gebrochen, sowohl für den Schützen als auch für seine Mannschaft.

Türkgücü setzt nach, und auf Aytemür ist Verlass. In der vierten Minute der Nachspielzeit erlöst er die Gäste, indem er einen Eckball von Burhan Sarioglu per Kopf zum 2:1 ins Tor befördert.

„So muss ein Torjäger sein“, kommentiert der Schütze das dramatische Finale. Muss aber die Jubelpose mit Knierutscher vor der Bank von Fortuna, für die er als Kind sieben Jahre lang gespielt hatte, sein? „Halb so wild. So ist Fußball, da kommen die Emotionen.“

Trotz aller Bestürzung nimmt Jan Niklas Hanske die späte Niederlage gelassen. „Ein paar Kleinigkeiten haben uns gefehlt. Wichtig war, dass wir gegenhalten können“, sagt der Fortuna-Trainer. Und Aytemür? „Speziell aufgepasst haben wir nicht, aber uns gut auf ihn eingestellt.“ Bis auf die beiden entscheidenden Szenen hat das geklappt. 94 Minuten lang ausschalten lässt sich ein Torjäger eben nicht.

• Statistik auf der nächsten Seite

Von Wolfgang Bauscher

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.