Im heimischen Fußball machen junge Trainer auf sich aufmerksam – sie sprechen über ihre Erfahrungen

Keine 30 – und schon der Boss

In seinem Element: Eike Rothauge (Mitte) erklärt seinen Spielern Jens Gloor (links) und David Mock von der TSG Wilhelmshöhe bei einem Hallenturnier, was zu tun ist. Archivfoto:  Schachtschneider

Kassel. Ein Fußballtrainer benötigt viel Erfahrung – oder etwa nicht? Die Erfahrungen der unter 30-Jährigen.

PARHAM NASSERI

Der 24-Jährige ist seit der Winterpause Spielertrainer des Gruppenligisten FC Bosporus. Das Team ist seitdem ohne Niederlage und steht auf Platz zwei. Nasseris Herangehensweise an den Job: „Ich hatte bisher mit Mirko Dickhaut, Wolfgang Zientek, Patrick Klein, Tuncay Aral und Christian Hock super Trainer, von denen ich viel gelernt habe und von denen ich mir etwas abgeschaut habe.“ Nasseri erzählt die Geschichte, wie ihn Zientek etwa bei einem ganz wichtigen Spiel auf die Bank setzte. Zientek aber erklärte dem jungen Nasseri die Maßnahme. Er akzeptierte sie – und weiß heute: „Es ist wichtig, dass ich den Spielern verdeutliche, warum ich was mache.“

Nasseri glaubt, dass Erfolg als Trainer nichts mit dem Alter zu tun hat: „Die Hauptsache ist, dass man menschlich korrekt ist, eine klare Linie und kein Problem damit hat, Verantwortung zu übernehmen.“ Nasseri war schon zu Schulzeiten Klassensprecher, später gar Schulsprecher. Der Student der Wirtschaftspädagogik hat Gefallen gefunden am Job des Trainers. Schon bald will er sich auf diesem Gebiet weiterbilden. ALFONS NOJA

Der 26-Jährige stieg bereits vor drei Jahren beim SV Kaufungen zum Trainer der ersten Mannschaft auf, die heute in der Kreisoberliga um den Aufstieg kämpft. Noja betreute damals schon erfolgreich die A-Jugend, nachdem ihm eine Knieverletzung die Karriere als Spieler vermasselt hatte. Schnell empfahl sich Noja für höhere Aufgaben. Heute sagt er: „Ich bin an der Aufgabe gewachsen und habe in der Zeit extrem schnell viel gelernt.“

Noja spricht die Persönlichkeitsentwicklung an, den Umgang mit Menschen und die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen. „Das, was du im Trainerjob mitbekommst, hilft dir in allen Lebenslagen“, sagt der Verkäufer von Neuwagen. Oberste Regel: „Man muss versuchen, Mensch zu bleiben, die Spieler zu begleiten, ihnen zu helfen. Es bringt nichts, den dicken Max zu machen, weil die Spieler heute immer mehr hinterfragen.“ Akzeptanzprobleme? Keine. Nojas Ziel: „So hoch zu kommen wie möglich.“ EIKE ROTHAUGE

Der 29-Jährige fing als Trainer vor sechs Jahren bei den ganz Kleinen an: bei der G-Jugend der TSG Wilhelmshöhe. Seit eineinhalb Jahren trainiert Rothauge mit dem zwei Jahre älteren Manuel Gerland die erste Mannschaft in der Kreisoberliga – Tabellenplatz sechs. Das Duo hatte sich in der Jugendarbeit mit Ideen und Konzepten profiliert, jetzt ist es bei den Senioren etabliert. Rothauge, im Hauptberuf Diplom-Ingenieur bei Hessen Mobil, sagt: „Als junger Trainer ist es wichtig, nicht überheblich daherzukommen. Die Anerkennung erwirbt man sich durch intensive und gute Vorbereitung.“ FABIAN REITZE

„Ich hatte ziemlich fest vor, Trainer zu werden und bereits ein paar Jahre lang als Jugendtrainer gearbeitet“, sagt der 29-jährige Fabian Reitze, Trainer des Kreisoberligisten TSV Hertingshausen. „Als es dann bei den Senioren ernst wurde, hatte ich schon leichtes Fracksausen. Schließlich hätte ich richtig auf die Nase fallen können“, blickt Reitze zurück. Doch der Einstand 2013 gelang, der TSV hielt die Kreisoberliga. Seither etablierte Reitze den Klub in der oberen Tabellenhälfte.

Der Media-Berater weiß, was er will, und seine Ambitionen enden nicht mit der Kreisoberliga. Seine Idee vom Fußball beschreibt Reitze so: „Ich setze auf junge Leute, brauche aber auch drei oder vier erfahrene in der Mannschaft. Spielen müssen nicht unbedingt die elf Besten, sondern jene elf, die gegen den jeweiligen Gegner am besten harmonieren.“ Autoritätsprobleme verspürt Reitze nicht. „Ein Diktator bin ich nicht, Rückmeldungen hole ich immer ein“, betont er.

Von Florian Hagemann und Wolfgang Bauscher

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