Mit dem Kasseler Traditionsverein CSC 03 ist nach langem Dornröschenschlaf erneut zu rechnen

Die Rothosen sind wieder da

Der Trainer: Lothar Alexi.

Kassel. Es ist noch gar nicht so lange her, da hießen die Gegner nicht Hertingshausen oder Heiligenrode, auch nicht Wilhelmshöhe oder Bettenhausen, sondern beispielsweise Kickers Offenbach und Viktoria Aschaffenburg. Die Rede ist vom CSC 03, der - mit mehreren Unterbrechungen - bis 1988 der höchsten hessischen Fußballklasse angehörte. Aber selbst diese erfolgreiche Zeit stand klar im Schatten dessen, was knapp 50 Jahre zuvor passiert war (siehe Artikel links). Derzeit ist der CSC 03 Tabellenführer der Kreisoberliga und schickt sich an - zumindest annähernd - an frühere Erfolge anzuknüpfen. Grund genug, sowohl zurück- als auch vorauszublicken.

DIE ACHTZIGERJAHRE

In den Achtzigerjahren gehörten die Rothosen überwiegend der höchsten hessischen Fußballklasse an und feierten 1985 ihren größten Erfolg seit 45 Jahren. Mit dem zweiten Platz qualifizierte sich der CSC 03 für die deutsche Amateurmeisterschaft, in der die Kasseler am VfR Mannheim scheiterten.

In dieser erfolgreichen Phase war Nationalspieler Klaus Zaczyk der herausragende Akteur in den roten Hosen, aber Zaczyk war nicht allein auf weiter Flur, denn auch Manfred Grawunder, Reinhold Chorbacz, Knut Schroeder, Helmut Hampl, Gerhard Reinbold, Wolfgang Zientek, Ralph Kistner und Frank Höhle haben einen nachhaltigen Eindruck in der nordhessischen Fußballszene hinterlassen.

DER ABSTURZ

Der Abstieg nach der Saison 1987/88 war der Beginn einer langen Misserfolgsserie, deren Tiefpunkt 2011 mit dem Abstieg in die Kreisliga erreicht war. Die Gründe liegen auf der Hand, denn auch der traditionsreichste Klub kommt in Schwierigkeiten, wenn er von Sponsoren, Spielern und Zuschauern verlassen wird.

Als Harry Spohr im Jahr 1996 den Vorsitz übernimmt, ist für Spieler und Trainer kein Geld mehr in der Vereinskasse. Der neue Präsident und seine Mitarbeiter entscheiden sich gegen das finanzielle Risiko und nehmen damit den weiteren sportlichen Abstieg in Kauf. Spohr, jetzt 69 und seit 18 Jahren 03-Vorsitzender, erklärt: „Die finanzielle Lage hat es nicht zugelassen, leistungsstarke Spieler und Trainer zu verpflichten.“

DER AUFSCHWUNG

Als der CSC 03 kurz vor der Saison 2013/14 die Verpflichtung von Trainer Lothar Alexi vermeldet, glauben nicht wenige an einen verspäteten Aprilscherz. Alexi hat die A-Lizenz, war 20 Jahre Coach der TSG Wattenbach und hatte die Schwarz-Gelben bis in die Oberliga geführt. Der CSC 03 aber kickte in der Kreisliga, als die erste Anfrage kam.

„Ich wollte das nicht machen“, sagt Alexi. „Ich konnte mir die Arbeit bei einem Kreisligisten nicht vorstellen.“ Aber Alexi hat einige Kollegen bei den Städtischen Werken, die in ihrer Freizeit für den traditionsreichen Klub aus der Unterneustadt tätig sind. „Der damalige stellvertretende Spartenleiter Thorsten Pfleging und Roy Fischer, der Kapitän der 1. Mannschaft, haben nicht lockergelassen“, sagt Alexi. Überzeugt wurde der Trainer aber erst bei Gesprächen mit Spohr und Dirk Lassen, dem stellvertretenden Vorsitzenden. Durch Sponsoren aus den eigenen Reihen konnte die Mannschaft nun wieder verstärkt werden. Lothar Alexi hatte eine Vision, und über die hat er mit Spohr und Lassen gesprochen. „Den ersten Teil meines Planes haben wir bereits verwirklicht, denn wir haben auf Anhieb den Aufstieg in die Kreisoberliga geschafft“, sagt der Rothosen-Trainer. Die Kreisoberliga aber soll ebenso wie die Gruppenliga nur eine Zwischenstation sein, denn langfristig soll sich der CSC 03 in der Verbandsliga etablieren. „Wir wollen wieder die Nummer zwei in Kassel werden“, sagt Alexi.

Der Trainer sagt aber auch: „Wir haben einige Spieler in der Mannschaft, die sich darauf gefreut haben, bei einem Traditionsverein zu spielen. Natürlich gibt es aber auch eine gewisse Aufwandsentschädigung.“ Nun ist Alexi drauf und dran, auch den zweiten Teil seines Planes zu verwirklichen. Der CSC 03 ist derzeit Tabellenführer der Kreisoberliga und wird als Favorit für den Aufstieg in die Gruppenliga gehandelt.

Von Gerd Brehm

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