Spielabbruch in Ahnatal: Kopfnuss oder nur Bla-Bla?

Kassel. Weit auseinander liegen die Wahrnehmungen, die die Betroffenen beim vorzeitigen Ende des Kreisoberligaspiels zwischen der SG Ahnatal und dem BC Sport Kassel machten.

Wir fragten nach.

Wie entstand die Situation, welche Schiedsrichter Klaus Burkart aus Liebenau zum Abbruch veranlasste? 

Adem Usta traf in letzter Minute per Freistoß zum 3:2 für die Sportianer. Farid Dastborzo, ebenfalls von den Gästen, lief jubelnd Richtung Trainerbank und traf auf dem Weg dorthin auf den Ahnataler Betreuer Christoph Franke. Beide Seiten bezichtigen sich der Beleidigung und provozierender Gesten.

Was spielte sich nach Ansicht der Ahnataler ab? 

Laut Aussage der Platzherren fungierte Franke auch als Linienrichter. „Dastborzo blieb vor mir stehen und streckte den Kopf in Richtung meines Kopfes. Ich bin zurückgewichen, weil ich einen Stoß fürchtete, und kam zu Fall“, erklärte Franke. Sofort eilten Ordner und Spieler herbei, um zu schlichten. Zuschauer seien keine auf dem Platz gewesen. Nicht verstehen können die Ahnataler, warum Franke attackiert wurde. Zumal er dem Kasseler Arthur Kalbfleisch bei dessen Verletzung (5.) erste Hilfe geleistet hatte.

Wie erlebten die Sportianer das Geschehen? 

„Ich habe ihm keinen Kopfstoß verpasst. Er hat sich so hingeschmissen, nachdem wir verbal das üblichen Bla-Bla ausgetauscht hatten. Er ist viel größer als ich. Für eine Kopfnuss wäre ich nicht hoch genug gekommen“, beteuert Dastborzo und widerspricht weiter: „Dass er Linienrichter war, sagten die Ahnataler erst lange nach dem Spiel. Gewinkt hat ein junger Bursche.“ Marco Seifert lag anderes am Herzen. „Ich habe die Hetzjagden gegen uns, egal wo wir hinkommen, satt. Selbst in Ahnatal, bei einem Klub, den unser Sponsor Gerhard Klapp auch unterstützt, kommt es zu Anfeindungen“, sagte der Trainer des BC Sport.

War der Abbruch unvermeidlich? 

Laut Kreisschiedsrichterobmann Kai Graviat ist der Abbruch „die letzte Konsequenz“. Beleidigungen sind nur ein Grund, wenn sie etwa rassistischen oder sexistischen Inhalts sind. Zwangsläufig folgt der Abbruch bei tätlichen Angriffen auf Schieds- und Linienrichter. Zum aktuellen Fall mochte sich Graviat gestern nicht äußern. Wie er am Sonntag erklärte, sah sich Schiedsrichter Burkert zwingend zum Abbruch veranlasst.

Gab es auch milde Töne zwischen den Kontrahenten? 

Angesichts der Verletzung von Kalbfleisch, der – von einem Ahnataler geschubst mit seinem Schlussmann Christian Baczewski zusammenprallte – und sich einen Mittelgesichtsbruch samt Platzwunde und Gehirnerschütterung zuzog, trat der Rest in den Hintergrund. „Das tut uns sehr leid. Wir wünschen ihm gute Besserung“, betonte Ahnatals Trainer Frank Wambach.

Welche Konsequenzen zieht der Vorfall nach sich?

Das Kreissportgericht wird sich damit beschäftigen. Kommt es zu dem Schluss, dass die Vorwürfe gegen Dastborzo gerechtfertigt sind, werden die Punkte der SG Ahnatal zugesprochen. Dem Spieler droht eine Sperre, dem Verein eine geldstrafe. Vorerst wurde die Partie nicht gewertet.

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- Spieler des BC Sport sorgt für Abbruch nach versuchter Kopfnuss

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