Brüder Marcin und Gregor Banas spielen seit mehr als zehn Jahren in Nordshausen

Vereinstreue? Aber sicher!

Die Dauerbrenner: Die Brüder Marcin (links) und Gregor Banas, hier vor dem Training auf dem Platz an der Dönche, fanden beim SV Nordshausen längst ihre sportliche Heimat. Foto: Hedler

Kassel. Willi Nebe, Sportlicher Leiter von Hessenligist KSV Baunatal, beklagte kürzlich mangelnde Vereinstreue bei Fußballern. Ob nun tatsächlich, wie von Nebe angenommen, nur vier von 100 Spielern langfristig bei ihren Klubs bleiben, sei dahingestellt. Die Tendenz zu häufigen Wechseln ist unbestritten.

Dennoch wird man auf der Suche nach Gegenbeispielen fündig. Zum Beispiel beim Kreisoberligisten SV Nordshausen, wo die Brüder Marcin und Gregor Banas seit mehr als zehn Jahren aktiv sind.

Die Nestwärme

Den Banas-Brüdern behagt die Nestwärme an der Dönche. „Wir spielen hier mit vielen Kumpels aus der näheren Umgebung. Vor allem zu Zeiten von Trainer Gerhard Iksal und dem Aufstieg in die Gruppenliga waren wir ein eingeschworener Haufen“, schildert Marcin Banas. Zwar veränderte sich das Personal, aber einige alte Nordshäuser wie Ruhi Cinar sind noch dabei, Mussie Gerezgiher hat seine Rückkehr angekündigt. Gregor Banas schätzt „das familiäre Umfeld und die Infrastruktur rund um den Platz“.

Es war daher nie Thema, wegzugehen. „Auch nicht in den schwierigen Jahren, als der Klub in Turbulenzen steckte“, erklärt Gregor. Dem SVN verbunden fühlt er sich auch deshalb, weil dieser ihm eine Ausbildung ermöglichte. Das Geld und die Moral

„Wofür spielt man Fußball? Für Geld? Oder zum Spaß und wegen der Freunde?“, fragt Gregor rhetorisch. Dass heute viele Spieler oft wechseln, kann er nicht nachvollziehen und erachtet dies als „eine Frage von Moral und Charakter“. Bruder Marcin schließt sich dem an. „Aber es ist ja kein Wunder, dass die Leute wechseln, wenn selbst in unteren Ligen bezahlt wird und in der A-Klasse bis zu 250 Euro im Monat fällig sind.“

Dem stellen die Nordshäuser Kicker ihr Modell gegenüber. „Jeder erhält die gleiche geringe Aufwandsentschädigung. Es kann doch nicht sein, dass Leute schon lange hier spielen und dann kommt einer von außerhalb, der Gott weiß wie viel haben will“, sagt Marcin Banas.

Die Zukunft

Einen Wechsel zu einem anderen Klub schließen Marcin und Gregor Banas kategorisch aus. „Ich mache hier so lange weiter, wie die Knochen halten. Dann ist Schicht“, kündigt der 36-jährige Marcin an. Ein paar Jahre mehr sollen es für Gregor (29) schon noch sein: „Ich muss mich hier nicht mehr beweisen und will es auch nicht woanders tun. Außerdem habe ich hier einen guten Stand und werde akzeptiert, obwohl ich wegen des Berufs nicht regelmäßig trainieren kann.“

Von Wolfgang Bauscher

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