Fußball-Kreisoberliga: Schiedsrichter-Obmann Mühlhausen als Augenzeuge beim Spielabbruch in Großalmerode

„Gehe von schnellem Urteil aus“

Ich war es nicht: Wickenrodes Verteidiger Leon Palushay (re., gegen Konstantin Mura) wehrt sich gegen Vorwürfe, er habe am Sonntag bei der Partie in Großalmerode zugeschlagen. Foto: Walle

Witzenhausen. Die Zuschauerkulisse beim Lokalderby zwischen Großalmerode und Wickenrode war übersichtlich – was man vom Geschehen auf dem Spielfeld nicht behaupten kann. Denn das am Sonntagnachmittag in der 72. Minute abgebrochene Duell der Kreisoberliga wird definitiv ein Nachspiel haben. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit für die prügelnden Fußballer, aber auch für die beiden Vereine.

Die beteiligten Trainer, Daniel Ludolph für den FCG und Stefan Koch für den VfR, verzichteten auf eine Stellungnahme. Beide begründeten ihren Verzicht damit, sie hätten die Situation nicht eindeutig beobachten können. Gegenüber der HNA äußerte sich am Montag Friedhelm Mühlhausen. Der Schiedsrichterobmann des Werra-Meißner-Kreises war vor Ort zur Schiedsrichter-Beobachtung.

„Bis zur 70. Minute war das eine ganz faire Partie, fast wie ein Freundschaftsspiel“, kommentierte Mühlhausen das Duell, das beim Zwischenstand von 2:2 rasant an Fahrt aufnahm. Großalmerodes Thomas Kühn hatte Wickenrodes Leon Palushay gefoult und von Schiedsrichter Canice Uhl (Vellmar) die Gelbe Karte gesehen. Wenig später brachte Großalmerodes Sascha Brethauer Wickenrodes Emre Alkin vor der Tribüne in einem Laufduell zu Fall. „Das war auch nichts Schlimmes. Doch als der Schiedsrichter beide Spieler zu sich bestellte und verwarnen wollte, gab es auf der anderen Seite Tumulte“, berichtete Mühlhausen.

Polizei sorgt für Ruhe

Direkt vor den Auswechselbänken gerieten Gästespieler Leon Palushay und Kühn aneinander. „Da flogen richtig die Fäuste. Spieler lagen auf dem Boden, Betreuer und Auswechselspieler stürmten auf den Platz, wollten schlichten. Insgesamt waren bestimmt 20 bis 25 Personen beider Teams beteiligt“, erzählt Mühlhausen. Weil es auch in der Folge immer weiter zu Drängeleien und Handgreiflichkeiten kam, brach der Schiedsrichter die Partie ab.

Doch auch nach dem Abbruch blieb das Geschehen unübersichtlich. Mühlhausen analysierte mit Uhl dessen Leistung in der Kabine. „Vor den Kabinen wurde es immer wieder laut. Erst als die Polizei eintraf, beruhigte sich die Situation“, sagt Mühlhausen.

Leon Palushay wehrt sich energisch gegen die Behauptung, er habe die Tumulte ausgelöst. „Als das Spiel auf der anderen Seite unterbrochen war, hat mich Thomas Kühn versucht, zu verletzen. Er ist mit vollem Tempo auf mich zugelaufen und hat mit dem Ellenbogen gegen meinen Kopf geschlagen. Danach hat er mich am Hals und am Arm gepackt. Ich habe ihn gefragt, was das solle. Danach habe ich ihn auf den Boden gedrückt und festgehalten, damit er nichts macht“, bekräftigt der 29-Jährige. Auf Ersatzspieler habe er nicht eingeschlagen, sondern lediglich „weggedrückt“. Und in und vor den Kabinen könne man auch nicht behaupten, er sei ausgerastet. „Ich weiß nicht, warum die Polizei gerufen wurde. Die Polizisten, eine Beamtin und ein Beamter, sagten mir, sie wüssten auch nicht, was sie hier machen sollten“, sagt Leon Palushay.

Großalmerodes Thomas Kühn muss dieser Schilderung energisch widersprechen. „Ich habe einen Schlag ins Genick bekommen und bin gestürzt. Danach bin ich aufgesprungen und auf Leons Bruder Luigj Palushay losgestürmt. Ich dachte, er hätte mich geschlagen. Daraufhin hat mir Leon Palushay ohne Vorwarnung in den Magen geschlagen. Er hat versucht, mir ins Gesicht zu schlagen. Als ich am Boden lag, wurde auch getreten. Konstantin Mura und Marcel Krauss haben mir geholfen und dabei auch etwas abbekommen“, berichtet Kühn. Leon Palushay habe sich danach nicht beruhigt. Erst als die von Großalmerodes Vorsitzendem Jürgen Baumann gerufene Polizei eintraf, kehrte Ruhe ein. „Ich habe für Wickenrode gespielt und wohne dort. Es ist wirklich schade, dass alles so gekommen ist“, sagt Kühn.

Stellungnahmen der Vereine

Weshalb es zu den Tumulten kam, kann Mühlhausen nicht beurteilen. „Ich war zu weit weg. Dieser Spielabbruch wird jetzt dem Rechtsausschuss gemeldet. Alle Beteiligten müssen sich dann zum Sachverhalt äußern, danach erfolgt ein Urteil. Ich kann mir vorstellen, dass es schon in drei Wochen ein Urteil geben könnte.“ Foto: nh

Von Ralf Walle

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