Göttinger Fußballklub wird 115 Jahre alt

Göttingen 05: Durch das Hinterzimmer auf die Fußballbühne

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Niederlage im Finale: In der Saison 1931/32 wurde Göttingen 05 Meister der Bezirksklasse Nord. Im anschließenden Endspiel um die Bezirksmeisterschaft unterlagen die Südniedersachsen vor 3000 Zuschauern im Göttinger Maschpark Borussia Fulda mit 0:3. Hier kommt 05-Außenläufer Karl Pflügler (li.) nicht an das Leder. 

Wenn die Beteiligten gewusst hätten, was sie mit ihrer Versammlung verursachen werden, dann hätten sie sicher ein stilvolleres Ambiente gewählt. Heute genau vor 115 Jahren begann die Geschichte von Göttingen 05.

In einem Hinterzimmer in der Gaststätte „Zum Anker“ im Rosdorfer Weg in Göttingen versammelten sich am 30. Juni 1905 einige höhere Schüler um den Mündener August Fahrenholz und gründeten den Göttinger Fußball-Club 05. Eigentlich war dies kein neuer Verein, sondern der Nachfolger des 1898 gegründeten Göttinger Fußball-Clubs, der später wieder aufgelöst wurde. Und weil an der Vereinsgründung viele höhere Schüler beteiligt waren, hatten die Schwarz-Gelben schnell den Ruf einens elitären Klubs weg.

Wie alle Fußballvereine hatte auch der Göttinger Klub in seiner Anfangszeit mit Unwägbarkeiten zu kämpfen. Es gab wenige Spieler, zudem mangelte es an Gegnern. Die ersten beiden Spiele der 05er hätten nicht unterschiedlicher verlaufen können: Einer 1:13-Niederlage gegen den Casseler FV folgte ein 14:0-Erfolg über Vogelbeck.

Der Göttinger Fußball-Club 05 wurde zunächst dem Westdeutschen Spiel-Verband zugeordnet. Ab 1908 spielte er in der damals erstklassigen A-Klasse Hessen, überwiegend gegen Vereine aus dem Raum Kassel und Fulda. Nach dem Abstieg 1911 gelang die Rückkehr erst wieder acht Jahre später.

Aufgrund guter Verbindungen zur Reichswehr war der Göttinger Fußball-Club 05 jetzt aber endgültig konkurrenzfähig. Die seit dem 4. Mai 1920 als VfR 05 Göttingen auflaufende Mannschaft konnte noch im selben Jahr die Meisterschaft der Kreisliga Südhannover feiern. Am 27. Mai 1921 erfolgte schließlich die Umbenennung in den 1. SC Göttingen 05.

Nach vielen Jahren im Mittelfeld der Tabelle machte Göttingen 05 1932 mit dem Einzug in die westdeutsche Endrunde wieder positive Schlagzeilen. In den Endspielen um die Bezirksmeisterschaft gab es beim 0:3 und 1:4 gegen Borussia Fulda zwar deutliche Niederlagen, vor 3000 Zuschauern im 1926 eröffneten Stadion Maschpark aber auch einen Besucherrekord.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde auch der Fußball neu gegliedert. Der 1. SC Göttingen 05 wurde in die Gauliga Niedersachsen aufgenommen, war dort aber ein Fahrstuhlteam. Gleich im ersten Jahr stieg 05 ab. Nach dem Wiederaufstieg 1936 gab es heftige Pleiten, gegen Werder Bremen sogar eine 2:10-Packung, gefolgt vom Abstieg.

1938 und 1939 scheiterten die Göttinger jeweils in der Aufstiegsrunde. Erst 1940 gelang der Mannschaft von Trainer Bernd Kellerhoff die Gauliga-Rückkehr. 1942 verhinderte nur die Aufteilung der Gauliga Niedersachsen in die Gauligen Südhannover-Braunschweig und Weser-Ems den Abstieg. Ein Jahr später musste der 1. SC 05 die Gauliga wieder verlassen, der Konkurrent SVG 07 übernahm erstmals die lokale Führungsrolle.

Von Markus Wahle

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