Fußball-Gruppenliga:

SG Bad Wildungen: Torjäger Schubert ist noch torlos, holte aber schon sechs Elfmeter heraus

Ist es wieder soweit? Waldemar Schubert (Mitte) will an Stefan Graf (Homberg) vorbei, aber der könnte einen Elfmeter verursachen. Das ist Schubert in dieser Saison bereits sechsmal passiert.
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Ist es wieder soweit? Waldemar Schubert (Mitte) will an Stefan Graf (Homberg) vorbei, aber der könnte einen Elfmeter verursachen. Das ist Schubert in dieser Saison bereits sechsmal passiert.

Stürmer werden an ihren Toren gemessen. Wenn dem so ist, müsste sich Waldemar Schubert nach sechs Gruppenliga-Spieltagen auf der Ersatzbank der SG Bad Wildungen/Friedrichstein wiederfinden.

Bad Wildungen – Bei dem 31-Jährigen steht nach 540 Spielminuten nach wie vor die null. Aber der 31-Jährige spielt und kann dieser Aussage auch etwas entgegensetzen: Schubert hat bislang sechs Elfmeter herausgeholt.

„Klar, hätte ich diese Torchancen lieber selbst gern reingemacht, aber ich sehe mich in diesen Situationen als Torvorbereiter“, erzählt Schubert. Jeder Passgeber für einen Treffer weiß, dass sich das fast so gut wie ein Tor anfühlt.

Deshalb zweifelt Schubert auch nicht an seiner Torjägerqualität, zumal er noch einen weiteren Grund nennt, warum sich für ihn das Fußballspielen verändert hat: „Ich hatte immer meinen Körper und der ist jetzt weg.“ Was zunächst gespenstig klingt, ist einfach erklärt: Schubert hat während der Corona-Zeit viel Sport getrieben, die Ernährung auf vegetarisch umgestellt und dadurch rund 20 Kilo abgenommen. Aber dadurch ist Fußballspielen für ihn schwerer geworden.

Sein Spiel sei immer körperbetont gewesen, erzählt der 31-Jährige, sich um den Gegner drehen, den Ball behaupten, im Strafraum wühlen, all das falle ihm jetzt viel schwerer. „Es fehlt mir mein Schutzschild Körper, den ich immer zwischen Gegner und Tor gestellt habe und jetzt weiß ich noch nicht so genau, wie ich meinen Körper einsetzen soll.“

Diese Situation sei vergleichbar wenn ein A-Jugendlicher in den Seniorenbereich wechsele. Spielerisch könne er mithalten, athletisch aber nicht. Daher hat Trainer Jörg Schäfer seinen Stürmer ins Fitnessstudio geschickt, um Muskelmasse aufzubauen.

Wer sechs Elfmeter bis zum sechsten Spieltag verursacht, dem sagt der gegnerische Trainer natürlich diesen Satz nach: „Passt mir auf den Schubert auf, der fällt leicht.“

Der Torjäger zeigt hier Gelassenheit. „Ja, das wird wirklich über mich erzählt und ich kann sogar den Unmut verstehen.“ Aber alle sechs Elfmeter seien berechtigt gewesen, behauptet Schubert, der den Trainern des Gegners aber auch diese Antwort gibt: „Ich mache keine Schwalben, suche auch nicht den Kontakt, aber wenn ich ihn kriege, nehme ich ihn auch.“

Wir sind derzeit eine Wundertüte

Der 31-Jährige hatte sich vor zwei Jahren schon aus der ersten Mannschaft verabschiedet, und er wollte als Spielertrainer der Zweiten (mit Carsten Laun) die Weichen in Richtung Übungsleiter stellen. Doch dann lief es nicht rund in der Ersten, beide wurden zurückgeholt. Schubert trainiert nun die D-Jugend in der Gruppenliga.

Den bisherigen Saisonverlauf seines Teams beschreibt Schubert als wankelmütig. „Die Niederlagen gegen Mengsberg und Felsberg waren für uns unerklärlich, denn wir hatten viel Euphorie in der Truppe.“ Ein Wendepunkt zum Besseren sei die Halbzeitansprache von Trainer Schäfer in Mengeringhausen gewesen.“

Danach hat die SG ein 0:2 in ein 3:2 verwandelt und es sei ein Ruck durchs Team gegangen, den heute (19 Uhr) Spitzenreiter Eintracht Baunatal zu spüren bekommen solle. „Wir sind derzeit eine Wundertüte“, sagt Schubert.

Wagen wir noch einen Blick in Zukunft, Herr Schubert. „Alles bleibt wie es ist, Sie holen weiterhin die Elfer raus, die Kevin Wathling verwandelt. Er hat bereits sechs Strafstoßtreffer. Dadurch wird Wathling Torschützenkönig. Wäre das für Sie in Ordnung? „Nein, ich schieße die Tore lieber selbst.“

Baunatalern den Spaß am Fußball nehmen

Tabellenführer Baunatal ist für Jörg Schäfer, Trainer der SG Bad Wildungen/Friedrichstein, momentan das Maß aller Dinge in der Gruppenliga. „Sie sind aktuell die einzigen, die ihren eigenen Ansprüchen gerecht werden.“

Damit ist die Favoritenrolle geklärt, aber Außenseiterchancen hat jeder. „Wir müssen einen guten Tag erwischen und die nicht. Dann schauen wir mal, wofür es reicht, sagte Schäfer. Da klingt beim Coach auch Optimismus durch, die ist berechtigt, den die SG hat die zwei vergangenen Spiele siegreich beendet und dadurch auch Selbstbewusstsein getankt. „Die Ausgangssituation ist für uns okay“, erklärt Schäfer.

Baunatal hat bisher nur beim 0:0 gegen Schwalmstadt nicht gewonnen, 19 Punkte stehen bei ihnen zu Buche und ein fast schon beängstigendes Torverhältnis von 22:3 Toren. Dennoch ist kein Eintrachtler in der unmittelbaren Torjägerspitze zu finden. Das bedeutet: Viele Spieler können einnetzen.

Für Schäfer ragen aber die Stürmer Willer und Bestmann heraus. „Denen müssen wir den Spaß am Fußball nehmen. Baunatal wird auch einmal verlieren, ich hoffe, dass es gegen uns passiert“, sagt der Coach. „Wir fahren dahin, um etwas mitzunehmen und wissen uns schon zu wehren.“ Dafür müsse seine Mannschaft aber einige taktische Dinge anders machen als zuletzt, weil sie es das Spiel in Baunatal nicht machen müsse.

Ronny Karges wird den Wildungern fehlen, ansonsten rechnet der Coach mit dem gleichen Kader wie zuletzt. rsm/dv

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