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Minuten, die keiner vergisst: Wie Strother und Neukirchener das unfassbare 4:3 erlebten

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Von: Dirk Schäfer

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Auf Augenhöhe lagen Neukirchen/Sachsenberg und Strothe lange Zeit nicht am Freitagabend. 3:0 führte der TSV (hier mit Henrik Wiegand/rechts), ehe die SG (hier mit Ali Tarkan Al Tameemi/links) ab der 82. Minute das Spiel kippte.
Auf Augenhöhe lagen Neukirchen/Sachsenberg und Strothe lange Zeit nicht am Freitagabend. 3:0 führte der TSV (hier mit Henrik Wiegand/rechts), ehe die SG (hier mit Ali Tarkan Al Tameemi/links) ab der 83. Minute das Spiel kippte. © bb

Was war denn da los? Häufig wird beim Sprechen oder Lesen über ein Fußballspiel diese Frage gestellt. Aber nicht so oft wie nach dem Schlagerspiel der Kreisliga A Waldeck am vergangenen Freitag.

Sachsenberg/Strothe – SG Neukirchen/Sachsenberg gegen den TSV Strothe, heimstarker Tabellenvierter gegen Spitzenreiter. Ein Abend mit Drama. Stand nach 82 Minuten 0:3. Stand nach 96 Minuten:4:3. Was war denn da los? Wir haben nachgefragt.

„Ich musste aus einem Meter nur noch einschieben“, erinnert sich Vladimir Richert an eine Szene, wegen der er die halbe Nacht nicht schlafen konnte vor lauter Adrenalin: sein 4:3. Sekunden danach setzte die Erinnerung aus. „Ich weiß nicht, was um mich herum alles passiert ist. Es war Ekstase pur; alle sind auf den Platz gelaufen, zumal direkt abgepfiffen wurde“, so der 33-jährige Torjäger, den auch die zahlreichen Fans der SG Vöhl/Basdorf/Werbetal huldigten, denn ihre Mannschaft ist nun mit Strothe punktgleich.

Alexander Köster
Alexander Köster Trainer Neukirchen/Sachsenberg: „Wir waren mausetot. Aber auf einmal kam jeder Ball.“ © Worobiow

In Strothe sind keine Erinnerungen verloren gegangen. Im Gegenteil: „Wir Spieler haben täglich Kontakt, zumindest über WhatsApp. es hat immer noch keiner eine Erklärung gefunden oder verstanden, was da eigentlich passiert ist“, gibt der zweifache Torschütze Nico Mannweiler Einblicke ins Seelenleben des Tabellenführers.

Dass sein Team nervlich nicht mit der Situation umgehen kann, glaubt der spielende Co-Trainer des TSV nicht. Aber er stellt klar: „Gegen Neukirchen/Sachsenberg kannst du verlieren, das ist eine unbequeme Mannschaft mit offensiven Qualitäten. Aber du kannst nicht in der 82. Minute 3:0 führen und dann nicht punkten.“

Nico Mannweiler,
Nico Mannweiler, Spieler/Co-Trainer TSV Strothe: „Wir haben bis heute nicht verstanden, was da passiert ist.“ © malafo

Zwei Sonntagsschüsse in den Torgiebel von Ammari Otmani mussten die Gäste hinnehmen, einer davon per Freistoß. „Nach dem 1:3 hat sich bei uns nicht einer gefreut“, verdeutlicht Alexander Köster, dass der Strother Sieg eigentlich schon in allen Köpfen klar war. „Vorher hatten wir Chancen liegen lassen. Und die Strother haben hinten alles weggefischt. Aber auf einmal kam bei uns jeder Ball und alles ging von alleine“, blickt der SG-Coach zurück, der zum dem Schluss kommt: „Das hatten die Strother eigentlich nicht verdient.“

Vladimir Richert
SG-Torschütze Vladimir Richert über seine Gefühlslage nach seinem Tor zum 4:3: „Ich kann mich nicht erinnern, was um mich herum passiert ist. Es war Ekstase pur.“ © bb

Interessant waren die Gedankenspiele beider Mannschaften vor dem 4:3. Nach dem 3:3-Ausgleich in der vierten Minute der Nachspielzeit waren noch 120 Sekunden auf der Uhr. Freistoß Mitte der gegnerischen Hälfte für die Lichtenfelser. Und beide Teams hatten noch nicht genug. „Vladi Richert hat zu mir gesagt: Komm geh auch mit nach vorne. Wir gehen all in“, erzählt Köster.

Und auch Strothe ging ins Risiko. „3:3 oder 3:4 – die Ausgangslage vor dem Spiel gegen Vöhl wäre für uns die gleiche gewesen. Also haben wir entschieden, dass vier Spieler beim Freistoß vorne bleiben, um Überzahl zu haben, falls wir den Ball abfangen“, erklärt Nico Mannweiler. Tatsächlich erwischte ein Strother den Ball, verlängerte ihn per Kopf aber vor die Füße von Richert – der Rest ist Geschichte. Eine, die man so schnell nicht vergisst. (schä)

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