„Spielern wird Belohnung genommen“

Nach Absage des Waldecker Pokalfinals: Vereine mit Begründung unzufrieden

(v.l.) Nico Martin (Höringhausen/Mei.) , Valerij Walger und TSV-Torwart Yannik-Christian Ziesmann (beide TSV Korbach) .
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Anstrengung bleibt unbelohnt. Auf dem Rasen hätten die SG Höringhausen/Meineringhausen und der TSV Korbach das Waldecker Pokalfinale 2019/20 gern ausgetragen. Das Bild zeigt eine Szene aus einer Ligapartie: (v.l.) Nico Martin, Valerij Walger (Korbach) und TSV-Torwart Yannik-Christian Ziesmann.

Die Waldecker Pokalendspiele der Saison 2019/20 werden in die Fußballgeschichte eingehen. Der Kreisfußballausschuss (KFA) hat sie wegen Corona abgesagt. Die Entscheidung stößt jedoch auf Widerspruch.

Korbach – Während die Finalisten bei den Frauen, TSV Korbach und die SG Landau/Wolfhagen, die Absage des Gremiums um Kreisfußballwart Gottfried Henkelmann ohne Widerspruch annahmen, wollen die Männermannschaften der SG Höringhausen/Meineringhausen und des TSV/FC Korbach unbedingt spielen. Sie stellten gemeinsam den Antrag, das Finale auszutragen, egal, wo, und wenn es sein müsse auch erst im Herbst dieses Jahres und zur Not ohne Zuschauer.

Diesen Antrag lehnte der KFA ab. In der Begründung heißt es unter anderem, dass der Kreisfußballausschuss als Veranstalter auf die Einhaltung der pandemiebedingten Vorgaben achten müsse. Zugleich gelte es auch, die Werte und Ansprüche der „Traditionsmarke Waldecker Pokal“ zu bewahren.

„Bei allem Verständnis für die beteiligten Vereine, das Endspiel noch austragen zu wollen, würde ein Finale ohne Zuschauer, ohne Veranstalter, ohne Ehrengäste, ohne Vertretung des Hauptsponsors und ohne begleitende Berichterstattung in der Presse den vorgenannten Ansprüchen bei weitem nicht gerecht“, heißt es außerdem in dem Schreiben.

Vereine: Bedürfnisse der Spieler zu wenig berücksichtigt

Vertreter der SG „Hö/Mei“ und des TSV/FC betonen, dass sie diese Entscheidung akzeptieren, aber sowohl SG-Obmann Werner Vallbracht als auch TSV-Trainer Uwe Tenbusch heben hervor, dass sie die Begründungen nicht verstehen. „Diese Entscheidung wurde mehr aus wirtschaftlicher und weniger aus sportlicher Sicht getroffen“, meint Vallbracht. Die Bedürfnisse der Spieler seien zu wenig berücksichtig worden. „Jeder Sportler, der ein Endspiel erreicht, will es auch spielen.“

Tenbusch stimmt ihm zu und weist auch daraufhin, unter welch extremen Terminbedingungen beide Teams dieses Waldecker Pokalfinale erreicht hätten. „Nun wird ihnen quasi die Belohnung dafür genommen.“ Beide Vereinsvertreter wiesen außerdem daraufhin, dass vor allem die jungen Leute in der Pandemie auf so vieles verzichten müssten und nun auch noch auf dieses Finale.

Beide Mannschaften stehen zwar auch im Endspiel der Saison 2020/21, für das ebenfalls noch ein Termin gesucht wird. Diese Tatsache war laut Henkelmann für die aktuelle Entscheidung nicht relevant. Auch für die Spieler ändert das nichts am hohen Stellenwert des abgesagten Endspiels. Vallbracht berichtet von SG-Kickern, die allein wegen der noch ausstehenden Finals eine weitere Saison drangehängt hätten. Im Korbacher Team sei die Lust auf das Finale ebenfalls sehr groß, betont Tenbusch, zumal sein Verein diesen Pokal noch nie gewonnen hat.

Die Vereinsvertreter äußern daher noch einmal den Wunsch: „Wir würden uns sehr freuen, wenn wir dieses Finale doch noch spielen könnten.“

Henkelmann: „Die Marke Waldecker Pokal nicht beschädigen“

Kreisfußballwart Gottfried Henkelmann kann die Reaktion der Vereine auf das Nein zu ihrem Antrag verstehen. „Dass sie damit nicht einverstanden sind, kann ich ihnen nicht verdenken“, sagte er. Er verstehe auch die Enttäuschung der beteiligten Spieler: „Sie kriegen ein Endspiel genommen.“ Gleichwohl stehe er zu der Entscheidung, über die der Kreisfußballausschuss (KFA) ausführlich beraten habe.

Das in Altenlotheim geplante Endspiel war mehrfach verlegt worden und kurz vor Ostern schließlich abgesagt worden. „Die seit mehr als einem Jahr andauernde Corona-Pandemie und die damit einhergehenden Verbote und Einschränkungen lassen eine Austragung nach aktueller Verfügungslage bis mindestens 30. Juni 2021 nicht zu. Ob und unter welchen Bedingungen danach wieder Fußballspiele stattfinden dürfen, kann heute nicht verlässlich vorhergesagt werden“, heißt es in der schriftlichen Begründung, mit dem der KFA den Antrag abgelehnt hat. Auf dieser Grundlage sei auch das Finale des Wettbewerbs der laufenden Saison in Anraff verlegt worden.

Der KFA verweist auf seine Verantwortung als Veranstalter des Wettbewerbs. Darunter falle auch, die „Werte und Ansprüche der „Traditionsmarke Waldecker Pokal“ zu bewahren“. Noch deutlicher wurde Henkelmann selbst: „Wir lassen die Marke Waldecker Pokal nicht verkommen zu einem Trainingskick auf einem anonymen Platz.“

Endpieltermine kann man nicht geheim halten.

Der Kreisfußballwart bezweifelt zudem, dass es möglich sei, das Endspiel tatsächlich ohne Zuschauer auszutragen. „Da kommen Fans, eine Geheimhaltung ist nicht hinzukriegen.“ Er befürchtet, dass es dann Probleme vor Ort geben könne.

Der Ausschuss verweist weiter darauf, dass er bei einer Bewilligung des Antrags den Frauen das gleiche Recht zugestehen müsse. „Zwei Endspiele an einem Tag und Ort sind unter Pandemie-Bedingungen (…) nicht durchführbar. Zwei Endspiele an unterschiedlichen Tagen und Orten unter Ausschluss der Öffentlichkeit würden den ursprünglichen Charakter des Endspieltages weiter entwerten (…).“

Ein Trostpflaster zumindest für die Vereine: Der Pokalsponsor (Waldecker Bank) zahlt die ausgesetzten Prämien auch ohne Finaltag aus „Die Bank tritt nicht zurück, obwohl wir die Endspiel-Leistung nicht erbracht haben“, freute sich Henkelmann. Die Scheckübergabe an die sechs Vereine ist für diesen Samstag im Oberbach-Stadion des TSV Altenlotheim vorgesehen, der für entgangene Einnahmen ebenfalls eine Unterstützung erhalten soll. rsm/mn

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